REISE
22. September 2009

Das Waldviertel in Österreich

Das österreichische Waldviertel als Urlaubsziel

Die hügelige Gegend bietet alles, was Romantiker zum Träumen brauchen: Verwunschen wirkende Wälder, wilde Täler, dunkle Moore und Seen, mächtige Burgen und barocke Klöster. Übermannsgroße Granitbrocken, von Geologen «Restlinge» genannt, liegen in der Landschaft, als hätten Giganten mit ihnen Murmeln gespielt. Überlaufen ist das Waldviertel im Norden Österreichs bisher nicht: Die Gegend zwischen Donau und tschechischer Grenze gilt noch als Geheimtipp für Urlauber, die Ruhe, Natur und Kultur suchen.

Weniger als zwei Autostunden von Wien entfernt gelegen, fristete die strukturschwache Region in Niederösterreich über Jahrzehnte ein Leben abseits der touristischen Pfade. Und das, obwohl in Süden des Waldviertels Besuchermagnete wie die zum Weltkulturerbe gehörende Stadt Dürnstein und der Wallfahrtsort Maria Taferl liegen. Je tiefer man allerdings ins Waldviertel eindringt, desto weniger trifft man auf Ortsfremde - auch wenn es immer mehr werden: «Im vergangenen Jahr zählten wir bereits mehr als eine Million Übernachtungen», sagt Krista Vlasaty von der regionalen Tourismusorganisation in Zwettl. Die Urlauber kamen zu etwa 85 Prozent aus anderen österreichischen Regionen, aber zu 9 Prozent auch aus Deutschland.

Das Auto erweist sich immer noch als bestes Verkehrsmittel für Ausflüge. Bei geplanten Touren nur im näheren Umkreis der Unterkunft bietet sich auch die Bahnanreise an. «Gastgeber holen nach Absprache auch vom Bahnhof ab», sagt Vlasaty. Wer per Bus unterwegs sein will, sollte sich genau über die ausgedünnten Verkehrszeiten informieren. Die Landschaft eignet sich auch zum Wandern und Radfahren.

Auch Sehenswürdigkeiten finden Urlauber im Waldviertel genug, wenn ihnen die Natur nicht genügt. In der Nähe von Zwettl liegen zum Beispiel drei mittelalterliche Burgen. Die beeindruckendste ist wohl die auf einem steil aufragenden Felskegel stehende und niemals eroberte Festung Rappottenstein. Im nur ein paar Kilometer entfernten Rosenau liegt das gleichnamige Renaissanceschloss, in dem ein Hotel und das österreichische Freimaurermuseum untergebracht sind.

In Zwettl, mit etwa 11 500 Einwohnern die größte Gemeinde der Gegend, blieb auf fast einem Kilometer Länge die mittelalterliche Stadtmauer mit sechs Türmen erhalten. Sehenswert ist auch das aus dem Jahr 1301 stammende Rathaus mit seiner Sgraffito-Fassade. Viele Besucher kommen auch in die spätromanische Kirche des Ortes.

Drei Kilometer von Zwettl entfernt steht das Zisterzienserstift Zwettl aus dem Jahr 1138, wo noch 20 Mönche leben. «Seit April dieses Jahres kann die barocke Bibliothek besucht werden, die direkt in der Klausur liegt und bisher nicht zugänglich war», erklärt Klostersprecherin Sabine Laz. «Etwa 30 000 Besucher haben sich hier schon umgeschaut.» Die Stiftskirche allerdings wird noch bis 2013 im Inneren vollständig renoviert und kann nicht besichtigt werden. Ein anderes Kleinod ist das Benediktinerstift Altenburg bei Horn.

Mit «beschaulich» lässt sich die Stimmung im Waldviertel wohl am besten beschreiben. «Wir setzen auf Urlauber, die die Gesundheit in den Mittelpunkt stellen, die abschalten und auftanken wollen», nennt Krista Vlasaty eines der touristischen Konzepte. Unter anderem soll die Heilkraft der Moore genutzt werden. Eine andere Zielgruppe sind Golfspieler: Grenzübergreifend bis nach Böhmen sollen sich die Plätze erstrecken. Vlasaty unterstreicht, dass sich die Ferienangebote auch an Familien richten, «entsprechend sind die Preise kalkuliert».

Im Waldviertel siedelten Menschen schon in der Vorzeit. Eine der bekanntesten Frauenstatuen der Welt, die 25 000 Jahre alte «Venus von Willendorf», stammt von hier. Sie ist heute im Naturhistorischen Museum in Wien zu sehen. Andere Funde datieren aus der Eisenzeit und späteren Kulturen und produzieren Legenden. Deshalb zieht es auch Anhänger der Druiden, jener kulturellen Elite der Kelten, hierher.

Ernsthafte Forscher sind im nordwestlichen Teil Österreichs angeblich ebenfalls fündig geworden. So glauben sechs Germanisten, Professoren an Universitäten in Österreich und Deutschland, dass der bedeutende Minnesänger Walther von der Vogelweide aus der Gegend von Zwettl stammen könnte. Beweise dafür gibt es allerdings nicht. Doch auch ohne den mittelalterlichen Meistersinger bleibt das Waldviertel ein «Geschenk der Natur», wie es der österreichische Schriftsteller Robert Menasse in seinem Buch «Schubumkehr» nennt. (Horst Heinz Grimm, dpa)

(Waldviertel Tourismus, Hauptplatz 4, A-3910 Zwettl, Tel: 0043/2822/541 09, www.waldviertel.at