BERLIN
21. August 2010

Der Brötchen-Krieg von Berlin

Um Schloss Bellevue tobt ein Brötchen-Krieg. Selbsternannte regionale Schrippen-Wächter wollen dem Bundespräsidenten sein Brot aus Hannover verbieten

Der lange Transportweg sei verrückt, so schimpfte die Berliner Grünen-Politikerin Claudia Hämmerling. Und die Sprecherin des Bundes für Umwelt- und Naturschutz (BUND), Carmen Schultze, forderte, die Brötchen zum Schutz der Umwelt vor Ort zu produzieren. Auch Wolfgang Rink von der Handwerkskammer Berlin möchte nur Schrippen aus Berlin für den Bundespräsidenten im Bellevue auf dem liebevoll gedeckten Frühstückstisch.

Schön, dass sich unsere Funktionäre darum sorgen, dass der Bundespräsident zu unser aller Wohl auch noch politisch korrektes Brot bekommt. Slow Food in Ehren - aber zu viel Regionalisierung in der Ideologie scheint auch dem Geist Grenzen zu setzen.

Abgesehen davon, das das Brot aus Niedersachsen vom Bäcker Gaues erstklassig ist und sowieso nach Berlin in die Top-Gastronomie, wie dem 2-Sterne-Restaurant Fischers Fritz im Regent und anderen Hotels geliefert wird - der Bundespräsident darf von Amts wegen nicht ausschließlich regional, sondern muss sich national ernähren!

Er vertritt alle Deutschen. Und verspeist also pflichtbewusst Brot aus Hannover, Wurst aus Thüringen, Bier aus Bayern und Fisch aus der Ostsee, Käse aus dem Münsterland und Salat aus Brandenburg kommt auf seinen Teller. Egal wie lang die Transportwege dabei sind - und er darf nicht einmal dabei meckern.

Der Bundespräsident trinkt Weine aus Deutschland, keinen Champagner aus Frankreich oder Brunello aus Italien. Sondern Winzersekt von der Mosel und Pinot aus Baden. Und das ist gut so, der Präsident repräsentiert sich und diese Spezialitäten aus Deutschland vor einem großen Publikum. Die Bundespräsidenten haben das verstanden und führen es seit Jahren zusammen mit dem Chefkoch im Bellevue vor.

Oder sollen in Berlin nur noch kleine Brötchen gebacken werden?

Grüße aus der Metropole

Niko Rechenberg

 

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