WEIN
30. Dezember 2009

Der Wein, der VDP, der Adler und die 100

Der Verband Deutscher Prädikatsweingüter hat Geburtstag - 100 Jahre Winzer und Elite, Weine und Moneten. Das Motto von Präsident Steffen Christmann: frech und global statt verschnarcht

Der Adler symbolisiert Mut und Weitblick. Und der Vogel steht für Qualität in der Weinflasche. Der Traubenadler des Verbandes Deutscher Prädikatsweingüter VDP gibt Weintrinkern ein Versprechen: Erste Liga.

Toller Inhalt, aber auch teuer. Im Durchschnitt kostet eine Flasche VDP-Wein 9,60 Euro, erste Lagen 23,47 Euro. Die Weingütervereinigung feiert 2010 Jubiläum. Sie wird 100 Jahre alt.

 200 Winzer bundesweit gehören zur Elite, von 25 000 bundesweit. Sie erzeugen gerade einmal 2,5 Prozent der deutschen Weinmenge. Auf vier Prozent der gesamtdeutschen Rebfläche erwirtschaften VDP-Winzer jedoch zwölf Prozent des deutschen Weinumsatzes.

Das Eliteversprechen zieht. «Glaube mir, mein Wein ist grandios.» Das signalisiert der stilisierte Adler auf der Flaschenkapsel. Eine Traube ziert seine Brust. Wer Weinqualität kaufen will, der darf beim VDP-Wappen nicht enttäuscht werden. So steht es in der «Charta», wie die Zielsetzung des Verbands etwas vollmundig heißt.

Der Greif hat sich über ein Jahrhundert hart ein Image erarbeitet. Dafür legt sich der Verband selbst strenge Regeln auf. Rigoroser Rebschnitt, Verzicht auf Masse für Klasse. Ein ökologisch orientierter Anbau sowie die Beschränkung auf jeweils für die Region typische Rebsorten sind die wichtigsten Vorgaben. Ein über Jahre guter Ruf des Weinguts, exzellente Weinbergslagen und «eine angemessene Hofstelle» gehören ebenso zum Profil.

Zielgruppe sind Kenner und Weinliebhaber im In- und Ausland. Alle fünf Jahre testet der Verband seine Betriebe. «Alter Adel» des Weinfachs stellt noch etwa die Hälfte der Mitglieder. Diese Namen haben auch Nicht-Weinkenner schon gehört. Herzöge, Prinzen und Erbgrafen sind darunter. Tradition wird groß geschrieben, Bewegung im Verband aber auch. Seit 1990 sind 67 Spitzenwinzer ausgeschieden und mehr als 100 kamen hinzu.

Kritiker werfen dem Verband bisweilen Klüngel vor. Man kann sich beim VDP nicht bewerben und einfach beitreten. Der jeweilige Regionalverband muss die Beitrittsbitte an einen Neuen herantragen. Von diesen Regionalverbänden gibt es deutschlandweit neun. Querdenker ohne Unterstützer-Kreis oder maulfaule Eigenbrötler haben es da schwer.

Rainer Wachtstetter, 41, ist Neumitglied. Anfang 2009 gab eine dreiköpfige Verbandsjury ihr Okay, nachdem sie sein zwölf Hektar- Weingut auf Herz und Nieren geprüft hatte. Der Rotwein-Spezialist aus Pfaffenhofen bei Heilbronn ist einer von nur 16 Winzern in ganz Baden-Württemberg, die ihre Weine mit dem VDP-Wappen schmücken dürfen. «Meinen Wein kannten die Kollegen längst vorher.» Entscheidend sei die Philosophie, die zur Ersten Liga im Weinfach passen muss: Geringer Ertrag zugunsten hoher Qualität, viel Handarbeit und Hege uralter Weinberge.

Auch die Rebzeilen schaute sich die Jury genau an, ging in Keller, Probierräume und Labor. «Der Gesamteindruck muss stimmen», erklärt Wachtstetter. Was das VDP-Siegel seinem Weingut bringt? «Klar, ein Aushängeschild», nennt der Schwabe zuerst. Dann die Plattform auf Messen und Werbung auf Bundesebene. «Neukunden kommen gezielt zum Einkauf auf ein VDP-Weingut.» Und bestehende Kunden fühlen sich in ihrer Winzer-Wahl bestätigt.

Eigenmarken wie «Erste Lage» oder «Grosses Gewächs» führte der Verband im Lauf der Jahrzehnte ein. Sie sollen mehr Überblick zu den Spitzenweinbergen bieten. Denn Gütesiegel und Kammerpreismünzen gibt es im deutschen Weinbau zuhauf. 1910 wurde der Verband gegründet. Den Oberbürgermeister von Trier, Albert von Bruchhausen, wählten die «Deutschen Naturweinversteigerer» zu ihrem Vorsitzenden. Den Mitgliedern des VDP-Vorläufers war das Zuckern ihrer Weine zur Erhöhung des natürlichen Alkoholgehalts verboten.

Vor zwei Jahren hat Steffen Christmann die Führungsrolle im Verband übernommen. Der 44-jährige Pfälzer bewirtschaftet in Neustadt an der Weinstraße einen 400 Jahre alten Familienbetrieb mit 17 Hektar. Er steht für eine neue Winzergeneration: Innovationsfreudig, frech, global denkend statt verschnarcht.

«Im deutschen Weinbau hat sich seit zehn Jahren immens viel bewegt», stellt Christmann fest. Ja, sogar eine Spur Glamour macht er bei Spitzenprodukten aus. Aber die vordergründige Image-Verbesserung könne nicht über die vielen alten Zöpfe in der Branche hinwegtäuschen.

Zur 100-Jahr-Feier lädt der VDP im April zu seiner wichtigsten Jahrespräsentation, der Mainzer Weinbörse, mit mehr als 160 Betrieben (25. und 26. April) und nach Wiesbaden zu einer langen Ballnacht (24. April) ein. Am 6. September steht ein Festakt im Berliner Dom im Geburtstagskalender.

Bereits ab März signalisiert Weinbergsleuchten das Selbstbewusstsein der Branche: Jede VDP-Region beleuchtet eine herausragende Spitzenlage als Weinkultur-Denkmal. (Christine Tscherner, dpa) www.vdp.de

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