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07. Januar 2014

Diätassistenten gegen Übergewicht und Diabetes

Ausbildung zum Diätassistenten: Vitamine, Spurenelemente und Nährstoffe - welche Kombination beim Essen am gesündesten ist, damit kennen sich die Ernährungsprofis aus

Von Sabine Meuter

Übergewicht, Diabetes oder mehrere Krankheiten auf einmal: Auf Anraten des Arztes müssen Patienten manchmal von einem Tag auf den nächsten ihre Ernährung umstellen. Dann braucht es einen auf individuelle Bedürfnisse abgestimmten Essensplan. Ihn erstellen Diätassistenten. Sie beraten Patienten zu Diäten oder halten Vorträge zum Thema Essen und Trinken. Das ist aber längst nicht alles.

«Ernährung und Gesundheit haben einen Zusammenhang, und dafür habe ich mich schon immer interessiert», sagt Marisa Faryna Bonnen. Da sie gerne ihr Wissen weitergibt, entschloss sich die heute 22-Jährige, den Beruf der Diätassistentin zu lernen. Inhaltlich gehe es dabei nicht nur um Lebensmittel und ihre Zubereitung, sondern auch um biochemische Prozesse im Körper, erzählt sie. Inzwischen ist Bonnen im dritten Ausbildungsjahr an der Berufsfachschule für Diätassistenz am Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf.

Die junge Frau bereitet sich auf einen Job vor, bei dem sich alles um die richtige Nahrung dreht. Neben der Patientenberatung referieren Diätassistenten etwa in Kurhäusern, organisieren Schulungen in Seniorenheimen oder bieten Kochkurse in Reha-Kliniken an. In Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen arbeiten sie im Ernährungsmanagement. Dort organisieren und überwachen sie die Zubereitung von Diätgerichten für die Patienten.

In Diätküchen von Kliniken kalkulieren sie etwa den Lebensmittelbedarf und kontrollieren die gelieferten Nahrungsmittel auf ihre Qualität. Diätassistenten weisen mitunter auch Küchenmitarbeiter bei der Zubereitung von diätetischen Speisen ein und kochen in komplizierten Fällen solche Gerichte auch selbst.

Bewerber um einen Platz an der Berufsfachschule sollten mindestens einen Realschulabschluss in der Tasche haben. «Da sie viel mit Leuten aus allen Altersgruppen zu tun haben, sind gute Kommunikationsfähigkeiten und ein offenes Wesen unabdingbar», betont Evelyn Beyer-Reiners. Sie ist Geschäftsführerin beim Verband der Diätassistenten-Deutscher Bundesverband (VDD) in Essen. Auch Interesse an Biologie und Chemie muss vorhanden sein, schließlich geht es um Stoffwechsel- und Verdauungsprozesse.

Außerdem sollten angehende Diätassistenten gut rechnen können, da sie oft Nährwerte, Kalorien oder Essensmengen berechnen und planen müssen, erläutert Margret Morlo vom Verband für Ernährung und Diätetik in Bocholt. Die Diätassistenten-Ausbildung dauert drei Jahre und ist in 3050 Stunden theoretischen wie praktischen Unterricht und 1400 Stunden praktische Ausbildung gegliedert. Für die schulische Ausbildung bekommen Azubis keine Vergütung.

An einigen der bundesweit rund 50 Schulen müssen Azubis Gebühren zahlen, an anderen nicht. «Durchschnittswerte, wie hoch die Gebühren ausfallen, gibt es nicht», sagt Beyer-Reiners. An der Berufsfachschule für Diätassistenten etwa in Bayreuth müssen Jugendliche ein monatliches Schulgeld von 98 Euro zahlen. Hinzu kommt eine Anmeldegebühr in Höhe von 55 Euro und eine Abschlussprüfungsgebühr von 160 Euro.

Die theoretische Ausbildung ist vielseitig. Auf dem Stundenplan stehen Fächer wie etwa Anatomie, Physiologie, Biochemie und nicht zuletzt Ernährungslehre. Ziel ist, dass die Diätassistenten in spe die Abläufe im menschlichen Organismus genau kennen. So wissen sie später etwa, welche Auswirkungen Inhaltsstoffe in Nahrungsmitteln im Körper haben.

Die Schüler erfahren darüber hinaus etwas über die Ernährungsbedürfnisse unterschiedlicher Personengruppen - zum Beispiel von Kindern und Schwangeren. Im praktischen Ausbildungsteil lernen die Schüler beispielsweise, wie sie diätetische Speisen zubereiten, Abläufe in einer Diätküche organisieren und wie sie Beratungsgespräche mit Patienten angehen. Im Zuge der praktischen Ausbildung arbeiten die Diätassistenten auch sechs Wochen auf der Station eines Krankenhauses mit.

Nach der Ausbildung werden die Fachkräfte nicht nur in Kliniken, sondern auch in Arztpraxen, Apotheken oder Krankenversicherungen beschäftigt. Viele arbeiten auch selbstständig.

Das Einstiegsgehalt nach der Ausbildung ist unterschiedlich und hängt sowohl vom Arbeitgeber als auch vom jeweiligen Bundesland ab. «Im Durchschnitt kommt ein Berufsanfänger auf etwa 2200 Euro brutto im Monat», sagt Beyer-Reiners.

Nach der Ausbildung können sich Diätassistenten zum Beispiel zum Ernährungsberater oder Verpflegungsmanager ausbilden lassen. Beides bietet die Deutsche Gesellschaft für Ernährung an. Jene mit Abitur haben ab dem Sommersemester 2014 die Möglichkeit, einen Bachelor-Studiengang in Diätetik in Neubrandenburg - dem ersten seiner Art - zu absolvieren und danach Leitungspositionen in Kliniken einzunehmen.

Auch Marisa Faryna Bonnen hat Karrierepläne. «Ich werde mich regelmäßig weiterbilden», sagt sie. Auch ein Studium zieht sie in Betracht. dpa