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30. Oktober 2009

Die Lese an der Mosel

Mosel-Winzer fahren bislang kleinste Ernte ein

Die Mosel-Winzer haben im Herbst 2009 eine der bislang kleinsten Ernte ihrer Geschichte eingefahren. Mit einem geschätzten Ertrag von rund 780 000 Hektolitern falle die Menge so niedrig aus wie noch nie in den vergangenen Jahrzehnten.

Selbst der 1976er, der als einer der mengenmäßig kleinsten Jahrgänge galt, brachte mehr Riesling in die Keller als dieses Jahr. Die Qualität der geernteten Trauben aber sei «top»: «Beim Riesling liegen fast alle Weine im Spätlese- und Auslesebereich», sagte der Vorsitzende des Moselwein e.V., Adolf Schmitt.

Für die Mini-Ernte gibt es mehrere Gründe: Zum einen setzten immer mehr Winzer auf Klasse statt Masse, sagte Schmitt. Aber auch die Natur hat ihren Beitrag geleistet. Im nasskalten Juni war ein Teil der Blüten abgefallen («verrieselt») - weniger Beeren wurden gebildet. Hinzu kamen im Sommer Hagelschäden und Pilzkrankheit-Befall. Bei vielen Betrieben ging die Erntemenge im Vergleich zum Vorjahr um 30 bis 40 Prozent zurück. 2008 waren an der Mosel noch 893 000 Hektoliter Most geerntet worden, 2007 noch 970 000 Hektoliter. Im bundesweit fünftgrößten Weinbaugebiet Mosel werden in diesen Tagen die letzten Trauben geerntet.

Grund zur Freude biete dagegen die geerntete Qualität, sagte Schmitt. Das Mostgewicht bei der wichtigsten Rebsorte an der Mosel - des Rieslings - lag im Durchschnitt bei 85 Grad Oechsle. Vielfach seien auch Trauben mit über 90 und 100 Grad Oechsle gelesen worden. Der 2009er werde «das gesamte Spektrum von hochwertigen, mineralisch-trockenen Gewächsen über fruchtig-feinherbe Weine bis zu edelsüßen Spitzen bieten», hieß es. Im Charakter werde er dem 2007er ähneln. Bei den Burgundersorten mit im Schnitt 100 Grad Oechsle sei ein «Ausnahmejahrgang» geerntet worden, sagte der Moselwein-Geschäftsführer Ansgar Schmitz.

Die Moselwein-Exporte gingen von August 2008 bis Juli 2009 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um gut 13 Prozent auf 261 000 Hektoliter (86 Millionen Euro) zurück. Starke Rückgänge gab es vor allem auf den Krisen-Märkten USA und Großbritannien. Der Exporte von Flaschenweinen in die USA brach in den ersten acht Monaten dieses Jahres um rund 22 Prozent, nach Großbritannien sogar um 27 Prozent ein. Hohe Zuwächse von bis zu 74 Prozent gab es dagegen im Export von Flaschenweinen nach Skandinavien und in die Niederlande.

Wegen der extrem niedrigen Ernte werden viele direktvermarktende Weinbaubetriebe bei Fassweinerzeugern zukaufen müssen, um die Nachfrage ihrer Kunden bedienen zu können, sagte Schmitt. Angesichts der geringen Menge und der hohen Qualität seien die derzeit gebotenen Fassweinpreise völlig unverständlich. 50 Cent pro Liter seien für die Fassweinerzeuger «katastrophal». Schmitt gab sich aber optimistisch, dass «das Preisgefüge demnächst wieder nach oben geht.» dpa