03. Mai 2010

Die neuen Grillgeräte

Würstchen oder Nackensteak war gestern. Inzwischen sind in der Outdoorküche ganze Grill-Menüs angesagt, mit vegetarischen, überbackenen oder gratinierten Gängen

Selbst das Dessert darf vom Grill kommen. «Outdoor-Cooking liegt eindeutig im Trend», sagt Robert Meyer, Präsident der German Barbecue Association in Gronau (Nordrhein-Westfalen). So findet sich kaum ein Hersteller hochwertiger Grillgeräte, der nicht zusätzliche Grillplatten, -schalen, -pfannen oder gar Wokaufsätze anbietet, um diesen Wünschen gerecht zu werden. Auch das Design spielt zunehmend eine Rolle.    

Den Großteil der verkauften Grillgeräte machen zwar noch immer Einsteigermodelle zwischen 60 und 80 Euro aus. Dennoch halte der schon seit einigen Jahren erkennbare Trend zum Gourmetgrillen weiter an, erklärt Kurt Schlieper vom Barbecue Industry Association Grillverband in Kleinostheim bei Aschaffenburg. Hinzu komme, dass Grillgeräte immer mehr zum Prestigeobjekt würden. Gerade wer oft Gäste hat, wolle Geschmack zeigen.    

«Es wird darauf geachtet, dass der Grill zur Terrasse oder zum allgemeinen Lebensstil passt», sagt Schlieper. Häufig handele es sich dabei um eine hochwertige «Edelstahl-Outdoorküche» mit Zusatznutzen und großer Funktionalität. Durch einen integrierten Deckel lassen sie sich nicht nur zum Grillen, sondern auch zum Schmoren, Dünsten und Backen nutzen - und das zu beinahe jeder Jahreszeit.    

Ein Beispiel dafür ist der gasbetriebene HP1 von Grilltech, der bei jedem Wetter im Freien stehen kann. Durch sein robustes Material ist er leicht zu reinigen. Die Fettpfanne und der Rost lassen sich herausnehmen, das ganze Gerät könne mit dem Gartenschlauch abgespritzt werden, erklärt Lars Maywald von der Firma Klein & More, die den Grill vertreibt. Optische Abwechslung zur glatten Edelstahl-Ästhetik bieten ausklinkbare Ablageflächen aus Holz.    

Mit technischen Extras kommt der Gaskugelgrill Paris Deluxe von Outdoorchef daher: Er enthält wie viele neue Geräte eine Seitenkochstelle, auf der parallel weitere Speisen zubereitet werden können, zum Beispiel im Wok. «Wenn man so etwas hat, ist das schön, und toll, wenn man damit arbeiten kann», sagt Meyer. Aber nötig seien solche Accessoires nicht unbedingt.    

Natürlich spiele auch das Design bei der Wahl des Grillgeräts eine Rolle, sagt Schlieper. Dennoch: Eher Hingucker als praktische Grillgeräte sind für ihn und Meyer Feuerschalen, wie sie zum Beispiel die Firma Radius im Programm hat. In die mit Holzscheiten gefüllte Stahlschale Fireplate kann bei Bedarf eine Stange gesteckt werden, an der ein schwenkbarer und höhenverstellbarer Grillrost montiert ist. Auch der für den Designpreis der Bundesrepublik 2010 nominierte Langgrill von Möbel-Liebschaften vereint Feuerschale und Grill. Dabei wird die zusätzliche Glut des offenen Feuers genutzt.    

Auf einer ähnlichen Idee beruht die Feuerskulptur Cruso. Der vor allem auf Kaminöfen spezialisierte Hersteller Wodtke wolle damit bewusst in den Outdoorbereich gehen, sagt Verkaufsleiter Thomas Ries. Wie auch das Modell Gryll besteht Cruso aus gerosteten Stahlwänden, in die sich ein Grillgerüst beziehungsweise ein Grillrost einsetzen lassen - und sie so zu mehr als nur einem Blickfang machen.    

«Bei solchen Objekten geht es vor allem darum, das Erlebnis Feuer darzustellen», erläutert Meyer. Das Endprodukt - die gegrillte Wurst oder der gegarte Fisch - sei Nebensache. Schlieper rät grundsätzlich davon ab, Holzscheite zum Grillen zu verwenden. Sie bergen die Gefahr, dass durch die enthaltenen Harze beim Verbrennen Ruß und ungesunde Bitterstoffe freigesetzt werden.    

Wem es um das gesunde und sichere Grillen geht, der ist zum Beispiel mit schlichteren Kugelgrills gut beraten. Sie sind laut Meyer vor allem bei den mit Holzkohle betriebenen Geräten weiterhin «absoluter Trendsetter». Dabei kommt die Holzkohle in der Regel in zwei Schalen am Kugelseitenrand. Das Grillgut kommt in die Mitte des Rosts, darunter steht eine Schale für herabtropfendes Fett.    

Der amerikanische Hersteller Weber etwa, der den Kugelgrill vor einigen Jahren als erster auf den deutschen Markt gebracht hatte, hat den Bedienkomfort seiner traditionellen Geräte weiter entwickelt. Bei deren One-Touch-System kann in Verbindung mit einem Lüftungsschieber im Deckel die Temperatur und Umluft im Kessel gesteuert werden, ohne dass der Grillrost in der Höhe verstellt werden muss. Das dient zugleich der Sicherheit.    

Nur genormte Grillanzünder verwenden

Der Barbecue Industry Association Grillverband empfiehlt Anzündhilfen mit DIN-EN-1860- oder TÜV-/GS-Zeichen. Sie verbrennen sauber und rückstandsfrei. Benzin, Benzol, Spiritus und andere Brandbeschleuniger gehören nicht auf den Grill. Sie können zu Verpuffungen und damit lebensgefährlichen Verletzungen führen. dpa