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04. August 2009

Die neuen TV-Kochsendungen

Der Boom der Kochsendungen mit Tim Mälzer, Jamie Oliver, Johann Lafer, Eckart Witzigmann, Alfons Schuhbeck und Ralf Zacherl läuft schon so lange, dass viele Sender neue Varianten testen: mit mehr action

Mit brutzelnden Braten und exotischer Teller-Deko ist heute kein Zuschauer mehr satt zu kriegen. Einheitsbrei stößt ziemlich sauer auf. Statt komplizierten Rezepten im Videotext sind Schicksal, Unterhaltung und Action gefragt. Um die Geschmäcker zu treffen, kämpfen auf allen Kanälen Profis gegen Hobbyköche, Profis organisieren ganze Restaurants neu, Laien wollen erst einmal eines aufmachen, Promis machen sich in der Küche schmutzig. Daneben gibt es den Dauerbrenner Talkshow mit Kochen als Nebensache.

«Es geht heute um sehr viel mehr als das Kochen», sagt Redakteurin Nadia Wölfel, bei RTL II verantwortlich für «Die Kochprofis - Einsatz am Herd». In der Sendung, die immer montags in der Hauptabendzeit läuft, versuchen Profi-Köche, innerhalb weniger Tage heruntergekommene Restaurants aufzumöbeln.

Schon vor einiger Zeit wurden die «Kochprofis» umgebaut. Heute geht es stärker um die Menschen und ihre Schicksale, erklärt Wölfel. «Die Köche haben eher die Funktion von Coaches bekommen. Letztendlich erzählen wir die Geschichte der Menschen, um die es geht.» Vier neue Köche wagen sich in der Sendung ab dem 31. August an die Restaurantfront: Frank Oelher, Andreas Schweiger, Oliver Mik, Mike Süsser.    

Kochen und Kämpfen liegen offenbar nah beieinander, suggerieren zumindest Titel wie «Die Küchenschlacht» (ZDF), «Die Kocharena» (Vox) oder «Hell's Kitchen» (13th Street). Ein weiterer Trend in den Fernsehküchen: Mehr Action, mehr Aggressivität, bessere Unterhaltung. Im Eiltempo kochen Laien gegen Profis. Messerscharfe Worte fallen bei der Kritik an Lokal-Management, Küchen-Hygiene und Personal-Benehmen, wenn die Restauranttester anrücken.    

Als Belohnung winkt ein Popstar-Status. Wer kennt nicht Namen wie Tim Mälzer, Jamie Oliver, Sarah Wiener, Johann Lafer, Eckart Witzigmann, Alfons Schuhbeck, Ralf Zacherl und natürlich Koch-Talk- Pionier Alfred Biolek?    

«Diese Sendungen sind einfach unheimlich unterhaltend, es macht Spaß, zuzugucken», sagt Sven Altaner aus München. Der gelernte Koch und Hotelkaufmann träumt selber von einem eigenen Restaurant und war deshalb schon mit Fernsehmachern in Kontakt. Er glaubt, dass viele Leute zu naiv an eine Lokal-Öffnung herangehen und nicht ahnen, wie viel Arbeit dahintersteckt. Die Sendungen klären deshalb auch ein bisschen auf, meint er. «Man sieht zum Beispiel, wie lange die Zubereitung braucht und viel Know-How man haben muss.»    

Für RTL-II-«Kochprofi» Andreas Schweiger haben die Sendungen noch einen anderen positiven Effekt. «Ich finde es einfach schön, dass der Beruf Koch einen anderen Stellenwert bekommen hat. Das einzige, was ich an Jamie Oliver gut finde: Er hat das verschwitzte, kräftige Bild vom Koch geändert. Der Beruf Koch wurde wieder beliebt. Ich habe mich am Anfang immer ein bisschen geschämt, wenn die Leute mich gefragt haben: Und was machst Du von Beruf? Koch, Schnitzel und so? Das Verständnis, dass es da riesige Unterschiede gibt, war früher nicht so groß. Das wurde dann im Fernsehen ziemlich breitgetreten, dass das eigentlich ganz coole Typen sind, die ziemlich kreativ sind - dass das eigentlich mehr Künstler sind. Das fand ich sehr schön.»    

Für die vier neuen «Kochprofis» sind Kochsendungen ein Evergreen - auch wenn sie selber den Überblick über all die Shows schon verloren haben. Kochen werde die Menschen eben immer faszinieren, ist Mike Süsser überzeugt: «Wo finden denn ihre besten Partys statt? In der Küche, oder? Essen ist alles. Das ist Romantik, Kommunikation, Fröhlichkeit, Sinne werden angeregt. Jeden interessiert Essen.» dpa