02. August 2009

Die Olivenöl EU-Verordnung

Olivenöl (F: arteFakt)

Olivenöl-Kompendium, Teil VI: Warum man in Brüssel die OlivBhV erfand und warum das Verbrauchern trotzdem wenig nützt

Olivenöl ist das einzige Speisefett für das es in der Europäischen Union (EU) ein eigenes und sehr umfassendes Regelwerk gibt. Es trägt den gewohnt EU-bürokratischen Namen "Verordnung über die Verbrauchsbeihilfe für Olivenöl und die Einfuhr von bestimmten Oliven, Verbrauchsbeihilfe-Olivenöl-Verordnung - OlivBhV".

Olivenöl gilt seit jeher als das am meisten mit Betrug behaftete Lebensmittel in der EU, so war der Entwurf eines Regelwerks sicher auch von dem Versuch geleitet dem entgegen zu wirken. Bisher leider ohne sichtlichen Erfolg. Alle Veränderungen der Verordnung, mit dem Ziel sie wirksamer zu machen, wurden letztlich durch den Einfluss von Lobbyisten so abgeschwächt, dass bis heute Olivenöl der Betrugsprimus geblieben ist. Ein weiterer Schwachpunkt sind untätige Aufsichtsbehörden.

Südlich der Alpen ist ihr Aufklärungsinteresse an diesem wichtigen Wirtschaftsgut gering und nördlich der Alpen fehlt zumeist die fachliche Qualifikation und die lebensmittelanalytische Ausrüstung den Behörden die Fälschungen zu erkunden. Der umfassende Betrug an Nativen Olivenölen Extra wird uns wohl auch weiterhin begleiten und mein Anliegen bleiben, auch wenn die Änderungen der OlivBhV aus dem Jahre 2004 einige nützliche Hilfestellungen geben.

Ähnlich der Güteklassifizierung beim Wein in Kabinett oder Classic, Spät- und Auslese werden auch die Olivenöle in Güteklassen nach ihrer Qualität unterteilt. Die Bezeichnung "Natives Olivenöl Extra" darf danach nur die Qualität einer Auslese tragen. Im Bild dargestellt wären das in der heutigen Wirklichkeit der Produktdeklarationen, das sich alle erzeugten Olivenöle in der Spitze einer Pyramide versammelten.

Versuchen Sie irgendwo ein Olivenöl zu kaufen, das nicht als "Natives Olivenöl Extra" deklariert ist. Eine Pyramide, die nur aus der Spitze besteht? Frühestens oder spätestens mit dieser Beobachtung sollte man heftig neugierig werden und alles hinterfragen.

Die Güteklassen der Olivenöle wurden neu sortiert

Die Klassifizierung nach der Qualität von Olivenölen wurde mit der letzten Änderung gestrafft. Die geltenden physikalisch-chemischen Richtwerte zur Qualitätsbestimmung wurden verschärft, ebenso die entsprechende Dokumentationspflicht auf den Etiketten.

Die Sensorik bzw. Organoleptik, deren Bewertung professionelle Olivenöltester und bei der EU akkreditierte "Olivenöl-Panel" (Testergruppen) vornehmen, wird zukünftig den Ausschlag für die Qualitätseinordnung geben. Die Betrachtung analytischer Laborwerte wie z.B. des Säuregrades (Sorgfalt der Ernte und Unversehrtheit der Oliven), die Peroxidwerte (Reife der Oliven bzw. des Oliveöls) oder die Ergebnisse der UV-Photospektronomie (Wärmebehandlung und Alterung) bleiben gültig, gelten jetzt aber als nachrangig.

Nahezu alle durch die Untersuchung erfassten möglichen Fehler und Mängel können heute durch geschickte "Fälscher" so überdeckt werden, dass sie mit physikalisch-chemischer Analytik nur noch schwer nachweisbar sind. Den feinen und geschulten Zungen einer Testergruppe bleiben sie dagegen nicht verborgen.

 

Ihr

Conrad Bölicke - Olivier von arteFakt

Qualität beginnt im Kopf (John Ruskin, 1819-1900)

 

In den kommenden Folgen alles über die Bezeichnungen und Deklarationen

Zum Olivenöl-Kompendium