24. Mai 2010

Die Wahl der richtigen Espressomaschine

Prestigeobjekt oder einfach nur guter Kaffee?

Espressomaschinen sind oft glänzende Schmuckstücke und dienen nicht selten als Statussymbol in der Küche. Abgesehen vom Design ist aber vor allem wichtig, wie einem der Kaffee schmeckt. Für jede Vorliebe gibt es unterschiedliche Modelle von Espressomaschinen, die alle ihre Vor- und Nachteile haben. Vollautomat, halbautomatische Siebträgermaschine oder Portionsgerät: Wie finde ich heraus, welche Maschine die passende für mich ist?

«Mit einer Siebträgermaschine lässt sich hervorragender Kaffee in Gastronomiequalität herstellen», sagt Holger Preibisch vom Deutschen Kaffeeverband in Hamburg. Diese Geräte eignen sich besonders für Fortgeschrittene und Liebhaber, die die Espressozubereitung zelebrieren. «Die Bedienung erfordert aber handwerkliches Geschick, Freude am Experimentieren und Erfahrung.» Es ist daher nicht so einfach, einen richtig guten Espresso mit dieser Maschine zu machen.    

«Viele Einstellungen müssen selber vorgenommen werden, damit der Espresso wirklich schmeckt», sagt der Fachbuch-Autor Dimitrios Tsantidis aus Düsseldorf. «Abgesehen von der Kaffeesorte muss unter anderem die Temperatur angepasst werden wie auch der Mahlgrad der Kaffeebohnen, die Dosierung und der Anpressdruck des Kaffeemehls im Siebträger.» Bei der falschen Handhabung - etwa, wenn das Kaffeemehl zu fein oder zu grob gemahlen ist - könne es durchaus passieren, dass ein Spitzenkaffee plötzlich nicht mehr schmeckt, warnt Tsantidis.    

Einfacher in der Handhabung als die Siebträgermaschinen sind die beliebten, aber oft teuren Vollautomaten. «Die sind leichter zu bedienen und zu reinigen, dafür kann man nicht jede Feinheit individuell einstellen», erklärt Preibisch. «Vollautomaten beschränken sich in den einstellbaren Parametern meist auf den Mahlgrad, die Menge des Kaffeemehls und die Brühdauer.» Sind die Voreinstellungen aber erstmal festgelegt, reicht künftig ein Knopfdruck, und der Espresso wird automatisch wie gewünscht zubereitet.    

Eine weitere Variante sind Einzel-Portionsgeräte, die mit Kapseln betrieben werden, in denen sich das Kaffeemehl befindet. «Wer eine solche Maschine kauft, entscheidet sich zugleich für einen Kaffeeröster, da die Kapseln der Maschinen in der Regel jeweils an den Kaffee aus einer Rösterei geknüpft sind», sagt Preibisch. So bieten einige Hersteller die Pads zum Nachkaufen nur in Geschäften in Großstädten oder im Internet an.    

Viele dieser Maschinen erzeugen zudem nicht den für einen richtigen Espresso nötigen Druck von mindestens neun bar - und machen so im Endeffekt doch nur Kaffee. «Charakteristisch für den Espresso ist aber schließlich, dass Wasser schnell und mit viel Druck durch das Kaffeemehl fließt», erklärt Brigitte Kluth-Kosnik von der Stiftung Warentest in Berlin. «Nur dann entsteht auf der Oberfläche die typische Crema, die wie eine Aromaversiegelung wirkt.»    

Diese Maschinen sind laut Tsantidis für Vieltrinker nicht zu empfehlen. «Der Preis beträgt pro Kilo bis zu 40 Euro, während ein Kilo wirklich gute Espressobohnen schon für etwa 25 Euro zu haben ist», erklärt der Autor. Außerdem sei die Verwendung dieser Kapseln nicht umweltfreundlich - zumindest wenn sie, wie das sehr häufig der Fall sei, aus Aluminium oder Kunststoff hergestellt sind.    

Darüber hinaus stellt sich die Frage, wie wichtig das zusätzliche Milchaufschäumen ist. Schließlich wird Espresso in Deutschland häufig lieber als Cappuccino oder Latte Macchiato getrunken. Auch dabei gibt es unterschiedliche technische Zusätze: «Bei manchen Maschinen wird die Milch über einen Schlauch aus der Milchtüte gesogen, andere wiederum haben einen eigenen Tank oder bieten die Möglichkeit, per Hand aufzuschäumen», sagt Kluth-Kosnik. «Das erfolgt über eine Dampfdüse an der Maschine, erfordert allerdings etwas Geschick.» Die teureren Modelle unter den Vollautomaten bereiten die Espresso-Milch-Getränke komplett automatisch zu.    

Nicht zuletzt ist für viele sicher der Preis ein ausschlaggebendes Kriterium. Die Spanne ist groß: Maschinen, die mit Kapseln betrieben werden, gibt es schon ab etwa 100 Euro, während die günstigsten Vollautomaten und Siebträgermaschinen etwa 350 Euro kosten. «Was den Preis anbelangt, ziehe ich immer gern Parallelen zum Auto», erklärt Tsantidis. «Ein Kleinwagen bringt einen zwar ebenso von A nach B wie eine Limousine, allerdings unterscheiden sich die Fahrzeuge dabei doch deutlich in vielen Qualitätsmerkmalen - und das ist bei Espressomaschinen nicht anders.» (Sascha Rettig, dpa)    

Mehr Küchentrends: Grillgeräte und Designer-Küchen

Espressomaschinen richtig reinigen    

Siebträgermaschinen machen die meiste Arbeit, denn nach dem Gebrauch müssen viele Einzelteile gereinigt werden. «Aber auch Vollautomaten müssen regelmäßig gesäubert und entkalkt werden - was bei Maschinen mit automatischem Milchaufschäumer wegen der schnellen Verkeimung durch die Milch noch etwas aufwändiger wird», sagt Brigitte Kluth-Kosnik von der Stiftung Warentest in Berlin. Wer das Reinigen seines Vollautomaten vernachlässigt, laufe Gefahr, die Garantie zu verlieren. «Ein Chip darin registriert die Brühvorgänge, und wenn eine bestimmte Anzahl erreicht ist, wird man zur Reinigung aufgefordert.»