13. Dezember 2009

Die Weihnachtsgans ist häufig ausverkauft

Ihre Beliebtheit als Weihnachtsbraten ist ungebrochen: Die Weihnachtsgans ist weiterhin der Klassiker unter den Festessen. Wer an den Feiertagen eine Gans auftischen will, sollte sich daher sputen

Mancherorts ist das weiße Federvieh nämlich schon ausverkauft. Auf den Wiesen der Staatsdomäne Maßhalderbuch schnattern schon zwei Wochen vor Weihnachten keine Gänse mehr. «Wir sind ausverkauft», sagt Landwirtschaftsleiter Georg Schulze-Schilddorf. «Dieses Jahr ist ganz verrückt, wir hätten 200 Vögel mehr machen können», schildert er den Boom auf die nach Bioland-Richtlinien aufgezogenen Gänse der Domäne auf der Alb.

Rund 400 Tiere tummeln sich jährlich auf der Wiese, wo sie großzügig Auslauf haben. Im Juni kommen sie als Küken hierher und verlassen den Hof in Hohenstein (Kreis Reutlingen) zum Jahresende in Folie eingeschweißt. Das Geschäft, sagt Schulze-Schilddorf, verlagert sich von der Martins-Gans immer mehr in Richtung Weihnachten. Während um Martini rund ein Drittel der Gänse ihr Leben lassen müssen, sind es für das Weihnachtsgeschäft die restlichen zwei Drittel.

«Mehr können wir auch gar nicht machen, da fehlt uns die Kapazität», sagt der Landwirtschaftsleiter der JVA Rottenburg. Ja, tatsächlich ist die landwirtschaftliche Bioland-Domäne eine Außenstelle des Gefängnisses und wird von Gefangenen zusammen mit den Wärtern betrieben. Fürs Weihnachtsgeschäft kommen ein oder zwei ausgebildete Metzger, die in Rottenburg einsitzen, auf die Alb und helfen beim Schlachten der Gänse. Ein Hofladen wird ebenso erfolgreich betrieben wie einmal in der Woche der Marktstand vor den Toren der Haftanstalt in Rottenburg.

Mit seinen 400 Gänsen ist Maßhalderbuch durchaus ein größerer Betrieb. Denn Massen-Gänsehaltung wie in Polen oder Ungarn ist in Baden-Württemberg praktisch unbekannt. «Die Gänsemast erfolgt bei uns in Verbindung mit Weidehaltung und damit naturnah», heißt es im Landwirtschaftsministerium. Meist ist dies mit Direktvermarktung und, wie es im Behördendeutsch heißt, erzeugernahen Absatzwegen verbunden. Also etwa einem Marktstand oder der Belieferung einer Metzgerei oder Gaststätte.

Im Mai 2007 wurden im Südwesten rund 18 400 Gänse von 561 Haltern aufgezogen, im Schnitt nur 33 Tiere pro Halter. Und dass die Gans bei den meisten Menschen tatsächlich nur selten mehr als einmal im Jahr zu Weihnachten auf den Tisch kommt, macht diese Zahl deutlich: 2008 wurden in Deutschland nur 300 Gramm Gänsefleisch pro Kopf verzehrt. dpa