WEIN
16. April 2009

Dom Pérignon Oenothèque und Vintage 1995

Foto: dom perignon

Richard Geoffroy, Kellerchef von Dom Perignon, war im Rahmen seiner Chef de Cave Worldtour in Berlin. Wir verkosteten den Dom Pérignon Oenothèque und Dom Pérignon Vintage, side by side, beide aus 1995. Ein Jahrgang, zwei Charaktere

Richard Geoffroy stammt selbst aus dem Herzen der Champagne, aus Vertus, ist seit 1990 Dom Pérignon's Chef de Cave und damit Herr über 5 Winemakers und 40 Mitarbeiter.

Ich hatte das Vernügen, mit ihm zusammen im Hotel Adlon den 95er Vintage und die 95er Oenothèque zu verkosten. In der Präsidentensuite des Adlon mit Blick auf das Brandenburger Tor gab es zunächst ein wenig small talk. Als echter Cosmopolit kennt Geoffroy vier James Bond Darsteller aus der Zeit, als Bond noch Dom Perignon trank.

Der europäische Markt ist immer noch der wichtigste für Dom Perignon. Der Stil von Dom Perignon ist Jahr für Jahr entscheidend, aber natürlich ist die Harmonie aus Stil und Jahrgang ausschlaggebend.

"Dom Perignon ist modern, es ist kein Champagner im traditionellen Stil", sagt Geoffroy, "wir verändern den Stil nicht, zumindest nicht bewusst."

Geoffroys Sätze bestehen aus Wörtern wie Energie, Herausforderung, Vision, Dimension, Intensität, Finesse, Kraft.

Für Geoffroy muss die Temperatur eines Champagners sofort perfekt auf dem Punkt sein, um die 10-11 Grad, dann ist es "magic". Kühlt sich der Wein erst später auf die Temperatur ab, ist die Magie verloren.

Geoffroy schenkt den 95er Vintage ein, 2002 degorgiert und auf den Markt gekommen. Perfekte Temperatur. Herrlich morbide Töne, Honig, Lebkuchen und getrocknete Früchte, viel Kraft, viel Stoff und sehr weinig, schöne Reife, ich mag ihn so, wie er sich jetzt im realen Leben präsentiert.

Der Oenothèque ist erst 2008 degorgiert, reifte 13 statt der traditionellen 7 Jahre. Er präsentiert sich viel frischer, klarer und präsenter, mit Zitrusaromen, Meersalz und Austernschalen, sehr mineralisch, Vibrations und Energie, fragil und vielschichtig.

Geoffroy ist Purist, der Satz folgt wie ein Hieb mit dem Florett: "Wir hassen Oxidation!", platzt es aus ihm heraus, "das ist wie zuviel Fett beim Kochen!"

So plastisch habe ich das mit dem Champagner, der Oxidation und dem Zeitpunkt des Degorgierens noch nie verstanden. Auch mir gefällt der Oenothèque besser, die Vorstellung war überzeugend. Ich frage mich, ob ich die letzten zwei Jahrzehnte nicht zu viel oxidierten Champagner getrunken habe.

Aber trotzdem verbanne ich die morbiden Töne nicht, habe sie in mein Herz geschlossen, den Charme des ländlichen Lausbuben, robust und ehrlich. Auch wenn er nie an die Strahlekraft des Gentleman herankommt.

Grüße, Niko

 

Auszug aus dem Dom Pérignon Manifesto von Richard Geoffroy:

- Wir stellen ausschließlich Jahrgangschampagner her, mit der ehrgeizigen Mission, Dom Pérignon mit jedem Jahr neu zu erfinden und dennoch seinem Stil treu zu bleiben.

- Wir legen größten Wert darauf, die Qualität der Anbauflächen und die Eigenschaften jedes Jahrgangs zu optimieren, ohne ihre Ursprünglichkeit anzutasten. Die Bewahrung der ursprünglichen Frische der Trauben hat oberste Priorität. Die Techniken der Aufbereitung bleiben auf das Wesentliche beschränkt. Unser größter Feind ist die Oxydation.

- Dom Pérignon erreicht eine erste Vollreifestufe nach 7 Jahren Kellerlagerung, während die Lagerung der Dom Pérignon Oenothèque auf Jahrzehnte ausgerichtet ist.