Berlin
21. September 2010

Eat Pray Love in Berlin

Im Film wird sie von Julia Roberts gespielt. Jetzt liest Elizabeth Gilbert («Eat Pray Love») zum ersten Mal in Deutschland, auf dem Internationalen Literaturfestivals Berlin, das noch bis zum 25. September läuft. Am Donnerstag kommt die Verfilmung mit Julia Roberts in die Kinos

Der Bierstand ist verwaist. «Eat Pray Love» von Elizabeth Gilbert ist anscheinend ein Frauenbuch. Nur wenige Männer sind zu ihrer ersten Lesung in Deutschland gekommen. Dabei hätten sie am Montagabend beim Berliner Literaturfestival einiges von der Bestsellerautorin lernen können. In Gilberts neuem Buch geht es um die Ehe. Im Vorgänger «Eat Pray Love» hat sich die Amerikanerin, die nach einer Scheidung gen Italien, Indien und Bali reist, neu verliebt. Am Donnerstag kommt die Verfilmung mit Julia Roberts in die Kinos.

Wie fühlt es sich an, von diesem Hollywoodstar gespielt zu werden? Wie ein «dickes Upgrade», als ob man von der Holzklasse in die First Class befördert werde, sagt Gilbert (41). «Es ist wie eine Renovierung.» Oder als ob jemand einen Film bei einem zu Hause dreht und dann per Computer Julia Roberts auf den Kopf montiert. Die Zuschauerinnen lachen. Im Saal sind noch Plätze frei. Der Hype um «ELP», wie Fans das Buch abkürzen, ist in Deutschland noch ausbaufähig. Sieben Millionen Mal hat sich die Selbstfindungsgeschichte weltweit verkauft.

In der Fortsetzung «Das Ja-Wort» (Bloomsbury Berlin) schließt Gilbert, wie ihr Mann ein «ängstliches Scheidungsopfer», Frieden mit der Ehe. Sie muss: Felipe, ein Australier brasilianischer Herkunft, reist immer wieder als Tourist in die USA ein. Bis zu dem Tag, an dem er auf dem Flughafen Dallas keinen Stempel in den Pass bekommt. Felipe wird verhaftet. Der Beamte rät der Freundin: «Sie beide müssen heiraten.»

So fängt Gilbert an, zu recherchieren. Und wundert sich, wenn sie immer wieder gefragt wird, was das Geheimnis einer guten Ehe ist - «bei meiner Vorgeschichte». Überrascht hat Gilbert die Erkenntnis, dass in Gesellschaften, in denen man den Partner aus Liebe und nicht aus Vernunft heiratet, die Scheidungsraten steigen. «Ich weiß immer noch nicht, was ich mit dieser Information anfangen soll.» Moderator Bernhard Robben entlockt ihr Tipps. Bloß nicht zu früh heiraten, sagt die Autorin, sondern «warten, warten, warten». Wer vor 25 vor den Traualtar tritt, hat laut Gilberts Recherche ein Scheidungsrisiko von 85 Prozent.

Die erste, 500 Seiten lange Fassung von «Das Ja-Wort» landete unter ihrem Bett. «Sie ist unlesbar.» Gilbert fand zunächst nicht die richtige Stimme. Von ihrer ebenfalls schreibenden Schwester holte sie sich den Rat, sich genau vorzustellen, für wen sie schreibt. So wurden es in ihrem Kopf 23 Leute - Mutter, Schwester, Großmutter, Nachbarn und Freunde. Geheiratet haben Liz und Felipe 2007, sie im roten Lieblingspulli, er im blauen Hemd. Die Heiratslizenz kostete 28 Dollar. Der Moderator zitiert Samuel Johnson, einen Dichter aus dem 18. Jahrhundert: Die zweite Ehe sei der Triumph der Hoffnung über die Erfahrung.

Gilbert gehört zu den 270 Autoren bei der zehnten Ausgabe des Internationalen Literaturfestivals Berlin, das noch bis zum 25. September dauert. Einen Höhepunkt gab es gleich zu Beginn. Festivalchef Ulrich Schreiber umarmte den Chinesen Liao Yiwu, der nach 14 missglückten Versuchen zum ersten Mal ins Ausland reisen durfte. Die Spanne der Autoren beim Festival ist breit: Wladimir Sorokin, Nuruddin Farah, Janne Teller, Yann Martel und Alexander Osang stehen im Programm.

Nach Gilbert war am Montagabend der Lokalmatador und Vielschreiber Wladimir Kaminer (43) an der Reihe. Diesmal mit Geschichten über den Kaukasus und seine Schwiegermutter. Das Buch wirbt für das Paradies auf Erden: «süße Melonen, emsige Bienen, pralle Weintrauben und spottbillige Prada-Taschen von Channel». Ein Dutzend Kaminer-Titel stapeln sich auf dem Tisch des Buchhändlers - und die Auswahl ist nicht vollständig. Dann kommt der Autor vorbeigehuscht. Er holt sich für seine Lesung noch ein Exemplar von «Meine kaukasische Schwiegermutter». (Caroline Bock, dpa)