28. April 2010

Edeka setzt 2010 auf selbstständige Kaufleute

Im laufenden Jahr will Edeka 100 Märkte der Gruppe an selbstständige Einzelhändler privatisieren

Die Preise für Lebensmittel sinken und der Markt stagniert, doch der größte deutsche Lebensmittelhändler Edeka steigert sein Expansionstempo. «Es gibt noch Platz für leistungsstarke Vollsortimenter», sagte Edeka-Chef Markus Mosa am Mittwoch in Hamburg. «Es gibt noch Nachfrage bei den Kunden und weiße Flecken auf unserer Landkarte.» Im laufenden Jahr will Edeka deshalb 100 Märkte der Gruppe an selbstständige Einzelhändler privatisieren und 200 neue Edeka-Märkte sowie 300 Discounter unter der Marke Netto starten. Schon im abgelaufenen Jahr etablierte Edeka fast 400 neue Märkte und dehnte die Verkaufsflächen um 430 000 Quadratmeter oder 5,3 Prozent aus.

«Wir sind felsenfest davon überzeugt, dass unternehmergeführte Super- und Verbrauchermärkte beste Zukunftsaussichten im deutschen Lebensmitteleinzelhandel haben», sagte Mosa. Die Edeka-Gruppe besteht im Kern aus 4500 selbstständigen Einzelhändlern, die sich in neun regionalen Genossenschaften zusammengeschlossen haben. Sie halten die Anteile an der Edeka-Zentrale, die über ihre regionalen Töchter die Märkte mit frischen Lebensmitteln, Obst, Gemüse, Fleisch, Wurst, Backwaren oder auch Wein beliefert. Die selbstständigen Edeka-Händler konnten im vergangenen Jahr ihre Umsätze flächenbereinigt um zwei Prozent steigern, während der gesamte Markt für Lebensmittel um 0,8 Prozent zurückging.

Zudem ist Edeka seit dem vergangenen Jahr nach der Übernahme der früheren Plus-Märkte auch der drittgrößte Discounter in Deutschland mit insgesamt 3900 Standorten. «Die Umstellung der Plus-Märkte auf Netto ist eine Herkulesaufgabe», sagte Mosa. Bislang sind 1900 von 2300 Märkten umgestellt; bis zur Mitte des Jahres soll der Prozess abgeschlossen sein. Nach der Umstellung legten die Märkte um rund zwölf Prozent Umsatz zu, weil damit auch ein neues Konzept mit mehr Markenartikeln und frischen Lebensmitteln verbunden war. Insgesamt musste Edeka im Discount-Bereich auf gleicher Fläche jedoch einen Rückgang von 2,6 Prozent hinnehmen.

Sorgen bereitet dem Edeka-Chef der anhaltende Preisverfall für Lebensmittel. «Im laufenden Jahr haben wir schon die vierte Preisrunde erlebt, im vergangenen Jahr waren es ein Dutzend, also eine pro Monat», sagte Mosa. «Lebensmittel sind so günstig wie nie.» Der Handel müsse aufpassen, dass er mit den permanenten Preisrunden nicht langfristig das Vertrauen der Verbraucher in die Qualität der Lebensmittel erschüttert. Die eigenen Händler will Edeka durch den weiteren Ausbau und die Differenzierung der Eigenmarken stärken. Damit soll für die Kunden der zusätzliche Besuch beim Discounter überflüssig werden.

Die gesamte Edeka-Gruppe, vom kleinsten Einzelhändler über die Fabriken und die Logistik bis hin zur Zentrale, beschäftigt in Deutschland rund 290 000 Menschen und betreibt fast 12 000 Märkte. Die Gruppe erreichte 2009 auch dank des Plus-Kaufs ein Umsatzwachstum von knapp 15 Prozent auf 42 Milliarden Euro. Die Umsatzrendite über alles betrage 3,6 Prozent und mache Edeka zu einem der ertragsstärksten Unternehmen der Branche. Bei den selbstständigen Kaufleuten liege sie noch höher bei 4,0 Prozent. Die gesamten Gewinne in der Gruppe summierten sich (vor Steuern und Zinsen) auf rund 1,4 Milliarden Euro, nach 1,2 Milliarden Euro im Jahr zuvor. dpa