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05. Juli 2010

Ein Besuch beim Lafer

Was ist Starkoch Johann Lafer für ein Mensch?

Wenn der königsblaue Helikopter über die malerischen Weinberge schwebt, wundert sich im Rheintal niemand. Das ist der Lafer. Der fliegt gerade wieder Gäste zum Gourmet-Picknick auf eine romantische Felsnase, gegenüber der Loreley. Johann Lafer sitzt selbst am Steuerknüppel. Mission guter Geschmack. In diesem Fall wahrhaft (ab)gehoben. Lafer führt ein leckeres Leben auf dem Land.    

Für TV-Zuschauer ist Johann Lafer der bekannteste Koch von allen. Das hat eine neue Studie des Marktforschungsunternehmens GfK ergeben. Der sympathische Schnauzbart am Kochtopf. Lafer ist stolz darauf. Wenn er mit seinen drei Kochshows beim ZDF auf Sendung ist, kommen pro Woche 500 Minuten zusammen. Gern zeigt er sich mit anderen Promis, er pflegt die Publicity. Wer Geschmacksnerven so zu verzaubern vermag, will nicht im Verborgenen wirken.

In Guldental bei Bad Kreuznach hat sich der gebürtige Österreicher eine Welt aus Arbeitsleben und Lebensart geschaffen. Hier wohnt er mit Frau und zwei Kindern und tischt seiner Familie die Gerichte seiner steirischen Kindheit auf: Schmarrn, Knödel, Frikassee. Tochter Jennifer (15) und Sohn Jonathan (10) sind schon kulinarisch ambitioniert: von Sushi bis Müsli.    

«Meine Kinder mögen fast alles. Die wissen, wie gut frische Karotten schmecken», erzählt Lafer. Aber bei vielen jungen Leuten stehe es sehr schlecht um den guten Geschmack, befindet er. Der Spitzenkoch hat einen Lehrauftrag in Kulinaristik, Esskultur und Kochkunst an der Hochschule in Fulda, wo er mit Ökotrophologen an Konzepten für die Geschmacksbildung arbeitet. Ziel: mehr Qualität in die Schulküchen zu bringen.    

Die wichtigste Zutat seines Wirkens ist: Vertrauen zum Produkt aus der Region. «Aus den einfachsten Dingen kannst du ein modernes Essen machen. Da genügt eine gute Kartoffel, frisch ausgemacht und noch nach Erde duftend.» Oder ein Spitzkohl, aus dem eben die Fliegen rausgewaschen wurden, «nicht tot gespritzt.»    

Welch kunstvolle und geschmackssichere Ess-Gebilde damit möglich sind, kann man in Lafers Kochschule «Table dOr» (Goldener Tisch) lernen. Rund 250 Mitglieder zählt die feste Fan-Gemeinde, die sich kaum einen Kurs entgehen lässt. Denn der Chef steht immer mit am Herd und gibt auch schon mal Geheimnisse preis. Zum Beispiel das vom gelungenen Rührei: Es muss in die kalte Pfanne gegeben werden.    

Die Kochschule ist Lafers Spielwiese der technischen Superlative, entwickelt vom Fraunhofer-Institut. Küchengeräte reagieren über berührungsempfindliche Displays. Funktionen lassen sich auf Sprachbefehl steuern. Dazwischen garen perfekte Rumpsteaks, köcheln cremige Suppen ihrer Vollendung entgegen.    

Ansprüche stellt Lafer auch an sich selbst. Das Geschäft mit dem Essen hatte über die Jahre Spuren hinterlassen. Dreimal wöchentlich hetzt den 52-Jährigen deshalb eine «Personal Trainerin» durch die Weinlandschaft. Kampf den Pfunden auf einem von wahlweise zehn schicken Fahrrädern. Auch das zählt für Johann Lafer zu einem Leben für den guten Geschmack. (Eva Gerten, dpa)

3 Fragen an Lafer:

Der gebürtige Österreicher Johann Lafer (52) dominiert zurzeit mit drei ZDF-Sendungen die Kochshows im deutschen Fernsehen. Freitags am späten Abend ist er bei «Lanz kocht» zu sehen, am Samstagnachmittag bei «Lafer! Lichter! Lecker!», zusammen mit dem rheinischen Küchenkabarettisten Horst Lichter. Und im Wechsel mit anderen Promi-Köchen moderiert er wochenweise mittags die «Küchenschlacht». Kollegen wie Alfons Schuhbeck, Tim Mälzer, Christian Henze und Ralf Zacherl schwingen in einem guten Dutzend weiterer Brutzel-Shows die Kochlöffel - jede Woche etwa 2000 Minuten.

Herr Lafer, dauernd werden wir im Fernsehen bekocht. Gibt es nicht zu viele Sendungen?

Lafer: «Ein Fernsehkoch allein kann es nicht schaffen, Millionen Zuschauer zufriedenzustellen. Und dass Jüngere dazukommen, eine neue Generation von Köchen, ist ein Prozess wie in der Gesellschaft allgemein. Da hat jeder seine Zielgruppe.»

Wie halten Sie sich an der Spitze?

Lafer: «Drei bis vier echte Spitzenköche bestimmen derzeit den Markt. Ich habe einen Vorsprung durch mehr als 30 Jahre Erfahrung im Metier. Außerdem durch meine Philosophie der guten Qualität einfacher Dinge. Aber Kochen ist kein Kasperltheater für mich, sondern eine notwendige und sinnvolle Beschäftigung. Und Kochen im Fernsehen ist ein pädagogischer Vorgang.»

Haben Kochsendungen Zukunft?

Lafer: «Auf jeden Fall. Das Thema Kochen ist krisensicher und unerschöpflich. Die Bestandteile einer roten Grütze mögen gleich bleiben. Trotzdem kann ich sie als Dessert ständig neu definieren. Die Inhalte überholen sich niemals. Und es geht ja um die Botschaft für die vielen Leute daheim am Herd: Das Leben schmeckt schön!»