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04. November 2009

Einkochgläser von Weck aus Wehr

Einmachgläser, Weckgläser oder Einkochgläser - egal wie sie sich ganz nostalgisch nennen: Das Familienunternehmen Weck bringt seine Kunden zum Kochen

Weck im südbadischen Wehr (Kreis Waldshut) bringt seine Kunden zum Kochen: Das Familienunternehmen hat sich mit Einkochgläsern einen Namen gemacht, in vielen Haushalten werden sie auch Weckgläser genannt. Weck ist mit ihnen zum Symbol fürs Einkochen geworden, das häufig auch als einwecken bezeichnet wird. Das Familienunternehmen im Süden Baden-Württembergs kann damit auf eine beispiellose Erfolgsgeschichte zurückblicken. Zum Jahreswechsel wird es 110 Jahre alt.

«Wir haben den großen Vorteil, dass wir unseren Namen nicht erst bekannt machen müssen. Weck ist seit Jahrzehnten ein Begriff», sagt Eberhard Hackelsberger (53). Der Diplom-Betriebswirt ist Urenkel des Firmengründers, seit genau 28 Jahren ist er Geschäftsführer und Gesellschafter. Er führt das am 1. Januar 1900 in der Kleinstadt Wehr gegründete Unternehmen in der vierten Generation.

Die Idee des Firmengründers Johann Weck, gut verschließbare Glasbehälter zum Einkochen und damit Haltbarmachen von Lebensmitteln zu produzieren, hat sich Verkaufsschlager entwickelt, der seit mehreren Jahrzehnten andauert - und seinen Charme bis heute nicht verloren hat. «Wir sind auf der Höhe der Zeit», sagt Hackelsberger. «Obwohl wir mit Neuerungen sehr behutsam umgehen.»

Mit Weck schuf der Unternehmensgründer gemeinsam mit seinem Geschäftspartner und Nachfolger Georg von Eyck zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts einen der ersten Markenartikel in Deutschland. Die Erdbeere mit dem eingeschriebenen Wort Weck dient bis heute als Markenzeichen. Besonders in Zeiten der Not, vor allem während der beiden Weltkriegen, lag Einkochen im Trend, weil die Menschen darauf angewiesen waren. Somit boomte die Nachfrage nach den praktischen und jederzeit wieder verschließbaren Glasbehältern. Hunderte Millionen Gläser wurden damals produziert.

Inzwischen bestimmen zwar frische Waren und Fertigprodukte den Lebensmittelmarkt. Die Einkochgläser sind aber unverändert beliebt. «Die Edelgastronomie hat sich für uns in den vergangenen Jahren zu einem Trend und Motor entwickelt, ist ein wichtiges wirtschaftliches Standbein geworden», sagt Hackelsberger. Statt einfach auf den Teller kommen Desserts und andere Speisen in Gourmet-Restaurants immer häufiger im markanten Weck-Glas auf den Tisch, sie sollen dadurch neben dem Gaumen das Auge erfreuen. Und animieren Kochfreunde, auch am heimischen Herd mit den Einkochgläsern zu hantieren.

Denn auch die Lebensmittel-Konservierung, das Einkochen, werde in deutschen Küchen wieder zur Mode, sagt Hackelsberger. «Es gibt eine neue Häuslichkeit», sagt er. «Die zahlreichen Kochshows im Fernsehen, das wachsende Gesundheitsbewusstsein der Menschen und auch die immer wieder steigenden Lebensmittelpreisen in Verbindung mit schwierigen wirtschaftlichen Zeiten sorgen dafür, dass das Einkochen zunehmend ein Thema ist.» Familien und Freunde stünden wieder häufiger gemeinsam am Herd. Dies belebe das Geschäft.

Zunehmend wichtig sei, dass neben der Praktikabilität das Design stimme. «Es muss hochwertig wirken, darf auf keinen Fall primitiv sein.» Die Preise müssen aber gering bleiben. Ein Weck-Glas kostet im Schnitt 1,80 bis 2,00 Euro.

«Durch die Edelgastronomie ist unser Image gewaltig gestiegen», sagt Hackelsberger, der in den kommenden Jahren mit einem stabilen Geschäft rechnet. Für Keller und Küche wirbt Weck auch mit mehreren Zeitschriften, die das Unternehmen verlegt. Aushängeschild ist die seit 1901 monatlich erscheinende Frauenzeitschrift «Ratgeber Frau und Familie». Anfänglich als «Anleitung zur rationellen Hauswirtschaft» gedacht, geht es heute um Themen rund um die moderne Küche, um Wellness, Haus, Garten Familie und Gesundheit.

Vom Auflagenschwund, der die ganze Zeitschriften- und Zeitungsbranche erfasst hat, bleibt auch Weck nicht verschont. Wurden 1973 monatlich noch 500 000 Exemplare vertrieben, sind es heute rund 220 000 verkaufte Hefte. (Jürgen Ruf, dpa)