WEIN
02. Dezember 2010

Eisweinlese 2010 beginnt in Deutschland

Winzer ernten bei Minusgraden Eiswein

Die eisigen Temperaturen erfreuen zumindest einige Winzer: Sie können seit mehreren Tagen die Trauben für Eiswein einfahren. Die Ernte falle «klein, aber fein» aus, sagte der Sprecher des Deutschen Weininstituts in Mainz, Ernst Büscher.

Unter anderem in der Pfalz, Rheinhessen, Baden und an der Mosel würden Trauben geerntet. Bereits am Dienstag - und damit wohl mit als erste - habe die Winzergenossenschaft im badischen Oberbergen bei minus 9 Grad 400 Liter Eiswein der Rebsorte Weißer Burgunder geerntet.

Weil die reguläre Weinernte in diesem Jahr sehr gering ausgefallen war, hatten nach Angaben Büschers nur wenige Winzer überhaupt noch Trauben für den Eiswein hängen lassen. Sie gingen damit ein Risiko ein, weil bei Eiswein ein Totalausfall droht, wenn es nicht kalt genug wird. «Das Risiko wurde belohnt», sagte Büscher.

Eiswein wird aus überreifen Trauben hergestellt, die bei minus sieben Grad oder kälter gelesen und gepresst werden. Er ist besonders süß, weil ein großer Teil des Wassers in den gefrorenen Früchten zurückbleibt und der Zuckergehalt sehr hoch ist.

Eisweinlese in Franken

Bei minus zehn Grad sind Dutzende warm eingepackte Helfer am Donnerstagmorgen durch Frankens Weinberge gestapft und haben Eiswein gelesen. Allerdings wird es heuer weniger edelsüßen Wein geben als noch im vergangenen Jahr, denn die Erträge insgesamt waren so niedrig wie seit 25 Jahren nicht mehr. «Die Eisweine aus 2010 werden eine Rarität sein», sagte der Chef-Önologe des Bezirks Unterfranken, Hermann Mengler, in Würzburg. Zur Gesamtmenge konnte er zunächst nichts sagen. Eiswein trinkt man zum Dessert oder als Aperitif.

Die Eisweinlese ist die Krönung zum Abschluss eines Weinjahres. Nur eine Hand voll Winzer wagte es in diesem Jahr, gesunde Trauben trotz des schmuddeligen Wetters in der Hoffnung auf Dauerfrost an den Rebstöcken zu lassen. In der Morgendämmerung - dann ist es am kältesten - ernteten nun unter anderem das Würzburger Juliusspital und das Weingut Bardorf aus Randersacker (Landkreis Würzburg) die gefrorenen Trauben.

«Das Zittern und Bangen hat ein Ende», sagte der erleichtert wirkende Leiter vom Juliusspital, Horst Kolesch. Mit 172 Hektar in allen Weinlagen Frankens betreibt die Stiftung das zweitgrößte Weingut bundesweit. Gelesen wurden Silvaner- und Rieslingtrauben im Raum Iphofen (Landkreis Kitzingen).

Zur Menge und den Öchsle-Graden - die geben den Zuckergehalt an - konnte Kolesch noch nichts sagen. Er rechnet damit, dass der 0,5-Liter-Bocksbeutel etwa 50 Euro kosten wird. Auch beim Weingut Bardorf ging es in den Morgenstunden los: Etwa 110 Liter Eiswein sollen aus den Silvanertrauben gewonnen werden.

Die Trauben nach der üblichen Weinlese im Herbst bis Dezember oder Januar an den Stöcken hängen zu lassen, stellt für die Winzer ein beträchtliches Risiko dar. Denn ohne Frost von minus sieben bis minus zehn Grad Celsius können sie nicht gelesen werden, die Ernte ist in solch einem Fall dahin. Je kälter es ist, desto süßer wird der Wein.

Hintergrund Eiswein

Für Eiswein werden überreife, gefrorene Trauben gebraucht. Sie müssen einen Zuckergehalt von mindestens 125 Grad Öchsle haben. Je kälter es draußen ist, desto süßer wird der Wein. Die Weintrauben müssen bei einer Temperatur von mindestens minus sieben Grad gelesen und gepresst werden - am besten ist Dauerfrost an zwei aufeinanderfolgenden Tagen. Die Kälte sorgt für einen sehr konzentrierten Saft mit intensiven Aromen.

In Franken gibt es nach Angaben des Bezirks Unterfranken abhängig vom Jahr zwischen 15 und 20 Eiswein-Sorten. Aufzeichnungen zufolge werden in der Region seit 1794 Eisweine hergestellt. Wirtschaftlich spielen diese süßen Weine, die pro Flasche bis zu 100 Euro kosten können, für die Weinbauern allerdings nur eine untergeordnete Rolle. Dafür ist die Erntemenge zu gering. dpa