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15. Mai 2010

Erdbeeren und Spargel frieren, dem Wein geht's gut

Nicht nur viele Menschen sind vom ständigen Regen genervt, auch den Pflanzen macht das schlechte Wetter im Südwesten langsam zu schaffen

Für Spargel und Erdbeeren ist es zurzeit deutlich zu kalt, sie reifen schlecht und schmecken holzig und fade. Die ständige Nässe fördert zudem Pilze. Der einzige Nutznießer scheint der Wein zu sein: Die Tiefdruckgebiete verhindern Frost und sorgen dafür, dass der Boden immer feucht genug ist.

«Die Landwirtschaft brauchte den Regen, nachdem der April sehr trocken war», sagte Heiner Krehl vom Landesbauernverband der Nachrichtenagentur dpa. Das eigentliche Problem sei die Kälte. Die Erdbeeren reiften nicht und auch dem Spargel hätten die niedrigen Temperaturen geschadet, der Boden kühlte durch die Feuchtigkeit stark aus.

«Die Erträge sind um mehr als 30 Prozent zurückgegangen», sagte Karl-Martin Vielhauer von der Bruchsaler Obst- und Gemüseabsatzgenossenschaft (OGA). Statt 80 Tonnen würden derzeit rund 50 Tonnen Spargel am Tag geerntet. Daher seien die Preise etwas höher als vor zwei Wochen - sie lägen bei vier bis zehn Euro pro Kilo.

Auch geschmacklich leiden die weißen und grünen Gemüsestangen. «Durch die niedrigen Bodentemperaturen nimmt die Faserigkeit zu, der Spargel verholzt und schmeckt eher undefinierbar», sagte Harald Maier vom Institut für Agrarmeteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes im bayerischen Weihenstephan. Süßlich werde der Spargel bei einer Bodentemperatur von etwa 20 Grad Celsius. Derzeit seien es rund 11 Grad im Boden.

«Damit die Bauern wieder ordentlich arbeiten können und sich die Kulturen erholen, wäre dringend Wärme nötig», sagte Maier. Langsam werde die Nässe zum Problem beim Heu machen, bei der Unkraut- und Pilzbekämpfung sowie beim Düngen. In den nächsten Tagen erwartet Maier zwar weniger Regen, bei den Temperaturen werde sich aber zunächst nicht viel ändern.

Allein der neue Präsident des Badischen Weinbauverbandes macht sich keine Sorgen: «Für den Wein ist das Wetter eher positiv. Das Tiefdruckgebiet hält den Frost während der derzeitigen Eisheiligen ab», sagte Kilian Schneider. Im Moment seien die Früchte in einem normalen Entwicklungsstadium, gefährlich werde es höchstens, wenn es noch zwei Wochen lang weiterregnet.

Das erste Mai-Drittel war im Südwesten nach Angaben des Wetterdienstes Meteomedia im Vergleich zum langjährigen Mittel rund drei Grad zu kalt. Außerdem fielen bereits 60 bis 70 Prozent der monatlichen Regenmenge.

Der Deutsche Wetterdienst registrierte an seiner Messstation in Freiburg nach zehn Maitagen bereits mehr als 50 Liter Regen pro Quadratmeter. Im gesamten Mai 2009 waren es 54 Liter. Vor drei Jahren war der Mai jedoch ähnlich nass: Da regnete es einmal «zehn Tage am Stück», wie Rolf Siegle vom Deutschen Wetterdienst weiß. Insgesamt waren es 112 Liter Regen pro Quadratmeter im Mai 2007. Der langjährige Schnitt liegt bei etwa 105 Litern.

«Von Rekorden sind wir zwar noch weit weg, aber es war bisher ein Mai, der es in sich hatte», sagte Siegle. Zum Ende des Monats sei laut der Statistik sogar noch mehr Regen wahrscheinlich. dpa