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10. Juni 2014

Erste Hagelflieger im Südwesten aufgestiegen

Foto: pitopia

Angriff ist die beste Verteidigung, lautet die Devise der Hagelflieger. Doch ob ihre waghalsigen Einsätze überhaupt geeignet sind, Hagelschäden zu minimieren, bleibt umstritten

Von Roland Böhm

Drohende Gewitter sind ihr Geschäft: Im südlichen Schwarzwald sind am Dienstagnachmittag die ersten Hagelflieger aufgestiegen. Auch in Stuttgart standen zwei Spezialmaschinen parat, um im Fall der Fälle die Region vor schweren Hagelschäden zu schützen, wie Pilot und Organisator Rainer Schopf am Dienstag bestätigte. Am Dienstagmittag stieg sein Kollege in Donaueschingen gleich mehrfach mit seinem Flieger auf.

Droht ein Gewitter mit Hagel, fliegen sie unter die Wolken und versprühen Silberjodid. Damit wollen sie die Hagelkörner zumindest kleiner halten. Allerdings ist das Verfahren wissenschaftlich umstritten. Im Labor lasse sich der Effekt auf den Hagel nachweisen, in der Natur nur schwer, berichtete Michael Kunz vom Institut für Meteorologie und Klimaforschung am KIT Karlsruhe.

Laut Schopf gibt es bundesweit eine gute Hand voll Hagelflieger. Zwei sind am Stuttgarter Flughafen stationiert, einer in Donaueschingen, zwei in Rosenheim und seit diesem Jahr auch zwei in der Südpfalz. Finanziert werden sie meist von Landwirten, die ihre Ernte oder Weinlese bedroht sehen. Baden-Württembergs Hagelflieger sind laut Schopf von April bis Oktober zehn bis 20 Mal im Einsatz.

Auch Autofirmen etwa sehen ihre Neuwagen in Gefahr. Laut Kunz richtete ein Hagel-Unwetter Ende Juli 2013 im Südwesten einen Schaden von 1,9 Milliarden Euro an. In Niedersachsen zog es am Folgetag über das VW-Werk und trieb die Schadenssumme auf insgesamt vier Milliarden Euro. Ein Hagelflieger kostet laut Kunz pro Jahr 500 000 Euro. In der Region Stuttgart haben sich 80 Kommunen, Verbände und Firmen zusammengetan und finanzieren die Hagelflieger.

Von der Wirkung des Silberjodids in der Wolke ist die Wissenschaft aber nicht wirklich überzeugt. «Je größer die Gewitterzelle, desto unwahrscheinlicher ist der Effekt», sagte KIT-Forscher Kunz. So habe die heftige Gewitterfront von Ende Juli 2013 eine Größe von zehn mal zehn Kilometern gehabt. Diese gleichmäßig mit Silberjodid zu «impfen», sei entsprechend schwer. Und auch der Stuttgarter Hagelflieger Frank Kasparek schränkte ein: «Wir sind keine Vollkaskoversicherung.» Seine Erfahrung zeige aber, dass es zumindest eine gute Chance gebe, die Hagelgewitter abzuschwächen. dpa

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