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14. Februar 2011

Ewige Liebesschlösser zum Valentinstag

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Die mit Herzen oder Gravuren versehenen Vorhängeschlösser an Brücken sollen die ewige Liebe symbolisieren

Das Schloss schnappt zu, der Schlüssel landet in den Fluten. An immer mehr Brücken Europas hängen sie: Liebesschlösser. Entstanden ist der Brauch wohl in Italiens Stadt der Liebe, Rom, mittlerweile baumeln selbst in tiefster deutscher Provinz mit Gravuren verzierte Vorhängeschlösser an Gewässerübergängen.

«Auf der Suche nach einem Geschenk zum Valentinstag kam für mich nur dieses Geschenk in Frage», sagt Kristina aus DORTMUND. «Ich finde es sehr romantisch», lobt ihr Freund Bastian.

Das blutrote Schloss des Paares zieren die Buchstaben «K&B», umschlossen von einem Herzen. Das Ritual soll die ewige Liebe beschwören, wie einst in Baumrinde geritzte Herzen. Etliche Brücken in Europa zieren derlei Schlösser - vor allem in Paris an der Seine, in Rom am Tiber und in Köln am Rhein. An der Seine-Brücke Pont des Arts hängen schwere russische Torschlösser ebenso wie Miniausgaben aus dem Bestand von Rucksack-Touristen.

Die Liebesbeweise sind zum begehrten Fotomotiv geworden. «Die ganz Smarten nehmen Schlösser mit Zahlenkombinationen - wenn's dann später nicht mehr klappt mit der ewigen Liebe, können sie sie noch recyceln», witzeln Fremdenführer. «Gary & Susi, Liverpool» ließen ihr Schloss aufwendig gravieren, ein anderes Pärchen ritzte wohl spontan ein «Du & ich für immer» ins rot lackierte Metall. Ein angehefteter Weinkorken lässt ahnen, dass dem ein feuchtfröhlicher Abend voranging.

Populär wurde die Idee durch den Roman «Ich steh auf dich» des italienischen Schriftstellers Federico Moccia (2006). In Rom nahm der neue Brauch rasch gewaltige Ausmaße an - eine Laterne brach unter dem Gewicht der Schlösser gar zusammen. Mittlerweile klicken selbst in deutschen Provinzdörfern immer öfter Schlösser, die von Liebenden mit Botschaften versehen wurden.

Kristina und Bastian wollen ihr Schloss an der Deutzer Brücke in Dortmund aufhängen, wo schon etliche ähnliche Liebesbeweise baumeln. An einem der ersten lauwarmen Frühlingstage oder an ihrem Jahrestag im Mai soll es soweit sein. Bastian schwärmt: «Ich freue mich auf den gemeinsamen Tag und darauf, die Schlüssel in den Rhein zu werfen.»

Gewaltiger Beliebtheit erfreuen sich die Liebesschlösser in KÖLN, gar zur europaweiten Touristenattraktion seien sie bereits geworden, heißt es bei Köln Tourismus. Rund 40 000 Schlösser - auf diese unglaubliche Zahl kommt allein die Hohenzollernbrücke über den Rhein. Die Zahl stammt von Dagmar Hänel, die für den Landschaftsverband Rheinland die Schlösser untersuchte. Im Spätsommer 2008 wurden die ersten entdeckt.

Zu lesen sind Sprüche wie: «4 Freunde C&K P&H», «Jens & Jane never ending Story», «Stammtisch um 8 forever» und haufenweise Initialen. Manche der Botschaften sind mit Filzstift geschrieben, einige selbstgeritzt, andere perfekt graviert. Auch Form und Farbe scheinen keine Grenze gesetzt. Überwiegend klassisch gold, hängen auch gelbe, rote, lila, blaue oder schwarze Schlösser über dem Rhein. Ein paar Fahrradschlösser sind auch darunter, mitunter zwei in Herzform miteinander verbundene.

Jürgen Müllenberg, Sprecher der Stadt Köln, sagt: «Ich glaube, die Hohenzollernbrücke ist deshalb so beliebt, weil da Altstadt und Dom in der Nähe sind. So ein Schloss soll ja auch zelebriert werden, ein Erinnerungsfoto braucht es auch, da sind der Dom und diese Brücke ein schönes Panorama.» Probleme gebe es kaum. «Das soll so lange hängen bleiben wie möglich.»

Mittlerweile verewigten sich auch ausländische Gäste mit einem Schloss, berichtet Brigitte Obel von Köln Tourismus. «In unserem Shop verkaufen wir auch ein Zierschloss, in Herzform, rot, 14 Euro, das gerne nachgefragt wird», so ihr Hinweis - mit der Einschränkung: «Es ist momentan ausverkauft.»

Auch die Bäume und Bänke am HEILBRONNER Neckarufer haben Schonzeit. Statt sich dort zu verewigen, legen sich Verliebte lieber ein Liebesschloss zu. Mehr als 300 Schlösser hängen an einer Gitterwand an der Götzenturmbrücke. «Durch den Krieg ist in unserer Stadt vieles zerstört worden. Es fehlte etwas Romantisches. Jetzt haben wir am Neckar etwas Schönes gefunden», sagt Bernhard Winkler, Geschäftsführer von Heilbronn Marketing. Weil das Gitter langsam voll wird, denkt Winkler bereits an ein zweites.

Der «Liebespunkt» wurde im August 2010 mit Bläserklängen eingeweiht. Am 14. Februar kommt hier «Valentin» und verteilt Blumen. Und die Sparkasse schenkt ihren Kunden zur Hochzeit ein Schloss. Verlobungen wurden bereits per Schloss gefeiert und auch ältere Verliebten fühlen sich gut aufgehoben - und trumpfen etwa mit Schlössern zum 50. Hochzeitstag auf.

Selbst die kühlen Norddeutschen beweisen immer öfter heißes Blut - das beweisen die Schlösser, die in Städten wie BREMEN und LÜNEBURG an Brücken baumeln. Vorreiter war das idyllische Elbstädtchen HITZACKER. Dort wird der Hiddo-Steg über die Jeetzel seit rund sieben Jahren von Verliebten genutzt, um sich per Liebesschloss zu verewigen.

An vier Ketten entlang der beiden Geländer des kleinen Fußgängersteges hängen etwa 180 der Treuebeweise - Tom und Tatjana haben gleich zwei aufgehängt. Der Brauch fand den Segen der Behörden. Ein hochoffizielles Messingschild am Geländer erklärt: «Hochzeitskette - Schlösser als Symbol der ewigen Liebe von Jungvermählten».

An der Teerhofbrücke in BREMEN hängen rund 20 Schlösser, einige sind schon verrostet. «Petra & Jens - 10.10.2010» steht auf einem roten Exemplar. Vereinzelt würden auch andere Brücken behängt, sagt Martin Stellmann vom Amt für Straßen und Verkehr. Begeistert sind die Behörden nicht. «Wir entfernen die Schlösser zyklisch, langfristig dulden wir sie nicht.» Die Schlösser könnten Kindern beim Übersteigen der Geländer helfen, erklärt er. Außerdem führe das Metall der Schlösser zu Kontaktkorrosion.

An einer Fußgängerbrücke über die Ilmenau im historischen Wasserviertel von LÜNEBURG hängen erst fünf Schlösser. Zu den Pionieren gehören Thomas und Jenny, die sich für eine Beschriftung mit Filzstift entschieden haben. Die Schlösser hängen direkt am Geländer - das dürfte ihnen zum Verhängnis werden. «Das ist eine nette Idee, aber die Geländer sind historisch und müssen laufend restauriert werden», erklärt Stadtsprecherin Suzanne Moenck. «Deshalb werden wir die Schlösser wohl oder übel entfernen müssen.» dpa

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