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10. September 2009

Fatih Akin mit Soul Kitchen in Venedig

Mit der für Fatih Akin ungewöhnlichen Komödie «Soul Kitchen», einem Film über gutes Essen, ist der Hamburger Erfolgsregisseur türkischer Abstammung in das Rennen um den Goldenen Löwen des Filmfestivals von Venedig gegangen

Vor der Uraufführung am Abend mit rotem Teppich und allem Drum und Dran erntete der 36-jährige Akin («Gegen die Wand», «Auf der anderen Seite») bereits viel Beifall von der internationalen Filmpresse. Und eine Komödie könnte im Wettbewerb der 25 Filme dieses Jahrgangs 2009 eine Chance haben, meinen die führenden italienischen Filmkenner: Sie setzen allerdings auf «Life During Wartime» von Todd Solondz, der mit perfektem schwarzen Humor vom ewigen Krieg der Geschlechter erzählt.

Akin bringt mit einer Art «Heimatfilm» sein Hamburg in die Lagunenstadt an der Adria. Genauer gesagt ist der Nabel der Welt für seine Protagonisten das heruntergekommene Schnitzel- und Frikadellen- Lokal «Soul Kitchen» in der Wilhelmsburger Industriestraße 101. Hier läuft für den griechischstämmigen Besitzer Zinos (Adam Bousdoukos) nichts mehr. Freundin Nadine (Pheline Roggan) bricht auf gen Fernost, er selbst zieht sich einen üblen Bandscheibenschaden zu. Und Bruder Ilias (Moritz Bleibtreu) scheint ein windiger Geselle zu sein. Nach einiger Zeit und Mühe gelingt es, die «Seelenküche» dank des ebenso begnadeten wie verrückten Kochs Shayn und einer Bedienung mit viel Ausstrahlung auf Trab zu bringen. In diesen Rollen glänzen Birol Ünel und vor allem die große Entdeckung Anna Bederke.

«Heimat», das kann heute also etwa ein Restaurant sein, in dem ein multikultureller Mikrokosmos voll Vitalität und Musik ein Eigenleben entwickelt. Apropos Musik: Nicht überraschend bekommt sie von dem Regisseur mit den türkischen Wurzeln («Crossing the Bridge - The Sound of Istanbul») eine Hauptrolle. Gerade Essen ist zwar gut «für die Seele», und gutes Essen noch viel mehr, aber in diesem Film ist vor allem auch Soul drin, Funk, Techno, Reggae - und natürlich nicht zuletzt auch Hans Albers. Selbst eine schmerzliche Verabschiedung auf dem Flughafen wird zu einem Tanz. Gute Schauspieler, der ans Groteske grenzende Humor und einige Situationskomik (so wenn die Bandscheibe von «Kemal, dem Knochenbrecher» gewaltsam eingerenkt wird) machen den Charme von «Soul Kitchen» aus, auch wenn er bisweilen ins Klamaukhafte driftet.

«Das war mein schwierigstes Drehbuch, das war sehr, sehr kompliziert, alles auf die Reihe zu kriegen», erläuterte Akin am Lido. Den Mann, der ein «Sklave von seriösem Zeug» war, reizte es, mit einer Komödie Neues auszuprobieren, zumal es viel schwerer sei, «Konventionen zu erfüllen als sie zu brechen». «Die Leute zum Lachen zu bringen, ist viel schwieriger, als sie zum Weinen zu bewegen», diese alte Cineasten-Weisheit betont auch der Hamburger Regisseur: «Lachen ermutigt allerdings zum Optimismus.» Bundesstart ist der 25. Dezember, was Akin schön findet, weil es Chaplins Todestag ist.

«Soul Kitchen» sollte ursprünglich auf dem Filmfestival in Cannes gezeigt werden, passt aber gut an den Lido, an dem es so viel nicht zu lachen gibt, weil Horror, Politik, Blut und Drama das Programm prägen. Geschützt werden müsse diese «Heimat» als Ort, wo Freunde und Familie in einer unübersichtlicher werdenden Welt leben, meint Akin. Der Film handele von «Vertrauen, Liebe und Loyalität». dpa