REISE
20. November 2009

Filmstadt und Drehort Berlin

Von Inglourious Basterds bis Operation Walküre: Wie Brad Pitt und Matt Damon auf Tour zu Filmdrehorten in Berlin

Regelmäßig werden in Berlin für Filmaufnahmen ganze Straßenzüge gesperrt. Dann parken Cateringwagen am Bordstein, Scheinwerfer erhellen die Nacht, und Kabelmassen schlängeln sich über die Fußwege. Mehr als 100 Filme werden jedes Jahr in der Hauptstadt - zumindest szenenweise - gedreht. Darunter sind auch große Hollywoodproduktionen wie Quentin Tarantinos jüngstes Werk «Inglourious Basterds» mit Brad Pitt oder die umstrittene Verfilmung des Stauffenberg-Attentats «Operation Walküre». Filmfans können ihren Berlinurlaub deswegen für ein etwas anderes Besichtigungsprogramm nutzen und auf den Spuren der Stars wandeln.    

Schon in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erkannten Regisseure das Potenzial Berlins als Drehort. Friedrich Wilhelm Murnaus «Der letzte Mann» entstand hier genauso wie «Emil und die Detektive» von Gerhard Lamprecht und Billy Wilders berühmter Hochgeschwindigkeitskomödie «Eins, Zwei, Drei» auf dem Flughafen Tempelhof und am Brandenburger Tor.    

Der erste große internationale Film jedoch, der in den vergangenen Jahren Berlin als Drehkulisse wieder richtig ins Gespräch brachte, war «In 80 Tagen um die Welt» mit Jackie Chan. Gleich zu Beginn ist der Gendarmenmarkt im Herzen der Stadt von der Ostseite zu sehen - allerdings in leicht verändertem Setting. Denn Berlin spielte sich in diesem Film nicht selbst, sondern hielt als Kulisse für London im 19. Jahrhundert her. Während die alten, imposanten Gebäude des Gendarmenmarkts wie das Konzerthaus dabei bestens ins Bild passten, fehlte den Machern Londons Wahrzeichen, der Big Ben. Doch auch das war kein Problem. Der Uhrenturm wurde einfach nachträglich in die Szenen und zwischen die Berliner Gebäude eingebaut.    

Es geschieht tatsächlich immer wieder, dass Berlin im Film nachher gar nicht mehr Berlin ist. Das Zeughaus Unter den Linden mitsamt seinem Spreeufer beispielsweise wurde bereits als das Pariser Seine-Ufer ausgegeben, ebenfalls für «In 80 Tagen um die Welt». Matt Damon hastete für seine Action-Spektakel «Die Bourne Verschwörung» und «Das Bourne Ultimatum» unter anderem durch Moskau - drehte die Autoverfolgungsjagd jedoch im Berliner Tiergartentunnel. Und seine russischen Widersacher trafen sich im «Café Moskau» nahe des Alexanderplatzes.    

Tom Tykwer funktionierte für «The International» dagegen das Sony Center am Potsdamer Platz in ein Bankgebäude in Brüssel um. Diese Vielfalt Berlins ist kein Zufall. Schließlich vereint die Hauptstadt nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg und verschiedenen Bauvorlieben während der Teilung höchst unterschiedliche Stile und Epochen.    

Doch Berlin durfte häufig auch sich selbst spielen: In «Lola rennt» etwa rannte Franka Potente nicht nur quer durch die Hauptstadt, sondern beschleunigte ihre Karriere so auch international. Während viele Straßenzüge im Film schnell vorbei rauschen, können Besucher am Bebelplatz einen Schauplatz besser wieder erkennen: Dort lief die rotköpfige Lola in eine Bank und klaute jede Menge Geld, um ihren Freund Manni zu retten. In dem Gebäude, wo im Film «Deutsche Transfer Bank» über dem Eingang zu lesen ist, residiert heute das «Hotel de Rome», eines der teuersten der Stadt.    

Ein Stück weiter Richtung Alexanderplatz entsetzten Regisseur Dani Levy und Komiker Helge Schneider im Frühjahr 2006 zahlreiche Berlintouristen. Für die Schlusssequenz ihres Films «Mein Führer» ließen sie am Lustgarten riesige Hakenkreuzfahnen aufhängen, um die Hitler-Parodie zu drehen. Nichts ahnenden Touristen schwante Böses - bis sie das Filmteam inmitten des Fahnenmeeres ausfindig machten.    

Auch Tom Cruise sorgte mit seinen Arbeiten für «Operation Walküre» um den Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg für Aufregung und kontroverse Diskussionen. Immerhin durfte Regisseur Bryan Singer zentrale Szenen nicht nur im heutigen Bundesfinanzministerium - dem einstigen Reichsluftfahrtministerium - drehen. Lange strittig war vor allem die Frage, ob Aufnahmen im Innenhof des Bendlerblocks genehmigt werden dürften, wo Stauffenberg und drei andere Widerstandskämpfer hingerichtet wurden.    

Die jüngere Berliner Geschichte kam dagegen mit «Goodbye, Lenin» in der Berolinerstraße nahe der Karl-Marx-Allee und mit «Das Leben der Anderen» unter anderem in der Wedekindstraße auf die große Leinwand. Doch auch der scheinbar ganz normale Alltag in der Stadt fasziniert Regisseure immer wieder. Andreas Dresen beispielsweise ließ sich für «Sommer vorm Balkon» vor allem durch den Bezirk Prenzlauer Berg treiben. Anfang der 70er Jahre nutzte Heiner Carow die Singerstraße in Friedrichshain für «Die Legende von Paul und Paula», wo die Filmwohnorte des Liebespaares noch heute erkennbar sind.    

Den Kreuzberger Alltag der Vorwendezeit fing dagegen die Bestsellerverfilmung «Herr Lehmann» ein. Leander Haußmann streifte dafür mit seinem Team durch Kreuzberg und ließ Hauptdarsteller Christian Ulmen in der Kneipe «Zum Elefanten» am Heinrichplatz «Frustbier» trinken und regelmäßig in das «Weltrestaurant Markthalle» in der Pücklerstraße einkehren. Ulmen alias Herr Lehmann versuchte dort schon vormittags der Köchin einen Schweinebraten abspenstig zu machen - ohne Erfolg. Dennoch lohnt das «Weltrestaurant Markthalle» einen Abstecher - aus filmischer und kulinarischer Sicht. dpa

(Die «Videobustour» fährt regelmäßig zu Drehorten in Berlin und zeigt dabei auf Monitoren die entsprechenden Filmausschnitte, Tel: 030/44 02 44 50, www.videobustour.de