FOOD
17. März 2009

Finger-Food: Die ganze Welt des Mini-Essens

Fingerfood als raffiniertes Essen mit Tipps von Alexander Herrmann

Hackbällchen, Mini-Pizzen oder Käse-Pumpernickel-Spießchen: Fingerfood gibt es schon lange. Doch während es zeitweise als etwas spießig verpönt war, ist es mittlerweile wieder angesagt. Selbst Spitzenköche schätzen das Essen in Miniformaten. "Das Tolle ist, dass man bei Fingerfood mit wenig Aufwand viel erreichen kann", sagt der Koch Alexander Herrmann aus Wirsberg nördlich von Bayreuth. Allein das Aussehen garantiere bewundernde Ahs und Ohs von den Gästen. "Immerhin erinnern die kleinen Portionen an einen Hauch von Pralinen."    

Bei Fingerfood ist alles erlaubt, was gefällt - und was ohne zusätzliches Besteck mit ein oder maximal zwei Bissen verspeist werden kann. "Alles, was sich sonst als Vor-, Haupt- oder Nachspeise eignet, kann in kleinen Häppchen auch als Fingerfood serviert werden", bestätigt Küchenmeister Adolf Hunger aus Bielefeld. "Wichtig ist nur, dass das Gespräch nicht völlig unterbrochen werden muss, sondern beinahe nebenbei gegessen werden kann."    

Bei der Auswahl der Gerichte haben die Gastgeber folglich freie Auswahl. "Gut wäre allerdings, wenn für jeden etwas dabei ist", sagt der Koch und Buchautor Paul Gayler aus London. Daher sollten auf dem Menüplan vegetarische Varianten genauso stehen wie Fisch, Fleisch und Süßigkeiten. "Außerdem ist ein Mix aus warmen und kalten Speisen gut", rät der Koch des renommierten Hotels Lanesborough. Allerdings sei es sinnvoll, mehr Kaltes als Warmes zu servieren. "Das ist einfacher vorzubereiten", sagt er. "Sonst steht man zu lange in der Küche, während die Gäste schon da sind."    

Wer nicht nur auf klassische deutsche Häppchen mit Schwarzbrot zurückgreifen will, kann auch Neues ausprobieren. Eine Alternative ist zum Beispiel die Kartoffel-Chili-Suppe, die in Espressotassen gefüllt werden kann: "Dafür wird die Kartoffelsuppe nach dem eigenen Lieblingsrezept zubereitet", erklärt Küchenchef Herrmann, der mehrere Jahre lang zur Stammcrew der Fernsehsendung Kochduell gehörte und mittlerweile regelmäßig bei Lanz kocht zu sehen ist. "Dabei sollte jedoch darauf geachtet werden, dass die Suppe leicht und nicht zu dickflüssig ist, damit sie gut trinkbar ist." Zum Abschluss wird mit Chili-Flakes aus dem Supermarkt abgeschmeckt und kleine Croûtons obenauf gegeben.    

Auch Garnelen-Tomaten-Spieße seien gut zuzubereiten, sagt Herrmann. Dazu werden Kirschtomaten kurz in kochendes Wasser getaucht, eiskalt abgeschreckt und die Schale abgezogen. Er gart sie anschließend im Ofen mit etwas Knoblauch, Olivenöl und Salz bei 160 Grad Umluft etwa acht Minuten und lässt sie auskühlen. "Dann werden die geschälten, längs halbierten Riesengarnelen rasch mit Thymian angebraten und mit den Tomaten auf einen Spieß gesteckt."    

Adolf Hunger setzt auf Klassiker - aber in modernem Gewand: "Dünn geschnittener Serranoschinken passt hervorragend zu kleinen Stücken Honigmelone", sagt der Vorsitzende des Prüfungsausschusses für Kochgesellen und Küchenmeister. Die in Schinken eingerollten Melonenstücke piekt man auf einen Spieß. Auch geräucherte Entenbrust komme meist gut an. "Dafür werden schwarze, eingelegte Walnüsse in dünne Scheiben geschnitten und zusammen mit den Entenbruststückchen leicht fächerförmig aufgespießt", sagt Hunger. "Das sieht sehr schick aus."    

Doch auch beim Fingerfood müsse nicht alles selbst gemacht sein, betont Paul Gayler. "Zugekaufte Kleinigkeiten wie Brot, Dips, Käse, gefüllte Oliven oder Nüsse sind natürlich erlaubt."    

Dennoch sollte die Menge an Fingerfood gut überlegt sein, sonst macht man sich mehr Arbeit als nachher gegessen werden kann. Das hängt vor allem davon ab, zu welchem Anlass die Gäste eingeladen werden. So können die Mini-Häppchen bei Stehpartys, als kleine Vorspeise zum späteren Restaurantbesuch oder auch als volle Mahlzeit gereicht werden. "Ist es nur als Beigabe zum Drink gedacht, reichen ein paar verschiedene Kleinigkeiten", rät Gayler. Soll das Fingerfood jedoch ein Drei-Gänge-Menü ersetzen, empfiehlt Küchenchef Hunger 12 bis 15 Teile pro Person. "Das ist zwar in der Summe weniger als eine Gesamtmahlzeit, macht aber durchaus satt."   

 Beim Fingerfood ist auch das Anrichten der Kleinigkeiten entscheidend. "Es wird am besten so serviert, dass die Gäste keine schmutzigen Finger bekommen", empfiehlt Hunger. Ansonsten seien der Fantasie kaum Grenzen gesetzt. "Schön sind kleine Schälchen, Porzellanlöffel oder kleine Holzblöcke, in die man Löcher bohrt und in die dann Spieße mit verschiedensten Köstlichkeiten gesteckt werden." Zu viel Neues sollte dafür jedoch nicht gekauft werden. Manchmal können auch kleine Whiskygläser für das Dessert herhalten.

Aufwand nicht unterschätzen    

Nur weil es klein ist, ist Fingerfood nicht auch automatisch einfacher und schneller zu kochen. "Fingerfood kann sehr aufwendig sein", sagt der Koch Paul Gayler vom Londoner Hotel Lanesborough. "Deswegen sollte man bei der Planung darauf achten, dass man nicht zu viele Rezepte mit zu vielen Zutaten und Zubereitungsschritten heraussucht." Sonst könne die Schnippelei schnell in Stress ausarten. Besser daher: zumindest einige der Speisen vorher mal ausprobieren. Auch die Dekoration sollte nicht unterschätzt werden: Es kann zeitraubend sein, 20 kleine Schälchen mit Minzeblättern, und Pinienkernen zu verzieren. (Aliki Nassoufis/dpa)