Reise
01. August 2009

First Class und Business Class Flüge werden weniger

Luxusträume der Lufthansa platzen: Budgets für Geschäftsreisen werden stark zusammengestrichen

Mit dem Porsche direkt bis zum Flieger, verstellbare Sessel fast so groß wie ein Himmelbett und Essen wie im Gourmet-Restaurant: Die Luxusträume der Lufthansa drohen in der schwersten Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit zu platzen. Statt in der teuren First Class oder Business Class nimmt die lange erfolgreich umgarnte Premium-Kundschaft nun immer häufiger in dem als «Holzklasse» verspotteten hinteren Teil der Flugzeuge Platz.

«Wir haben diese Passagierwanderung von vorne nach hinten in den Fliegern», räumt Finanzvorstand Stephan Gemkow am Donnerstag bei der Präsentation der Bilanzzahlen zum ersten Halbjahr ein. Dabei waren es vor allem die gut betuchten Kunden und Geschäftsreisenden, die bisher das Geschäftsmodell vieler Airlines auf der Langstrecke funktionieren ließ. Ein Billig-Ticket in die USA wurde für weniger als 500 Euro angeboten - für ein Premium-Ticket wurde teils das Zwölffache verlangt. Rund 20 Prozent der Passagiere auf den interkontinentalen Flügen sorgten so für mehr als 50 Prozent der Langstrecken-Einnahmen.

Doch die Wirtschaftskrise lässt immer mehr Firmen umdenken. So hatte eine Blitzumfrage des Verbands Deutsches Reisemanagement (VDR) unter seinen Mitgliedern im Juli ergeben, dass rund 16 Prozent der Unternehmen weniger Reisen buchen - das sind doppelt so viele wie im Januar. «Das Ergebnis der Lufthansa spiegelt sehr genau die aktuelle Situation wieder», sagte VDR-Präsident Dirk Gerdom am Donnerstag der dpa. «90 Prozent der Unternehmen reisen weniger oder günstiger.»

Auch der Ticket-Preisvergleich billigflieger.de registriert, dass die Reisenden immer stärker aufs Geld schauen. «Etwa in zwei Drittel der Fälle klickt der Besucher auf unserer Seite auf den billigsten Flug - vorausgesetzt er klickt überhaupt», sagt Geschäftsführer Marcel Radzei. Im Vergleich zum Vorjahr habe die Fokussierung auf den günstigsten Preis noch zugenommen.

Lufthansa hatte in den vergangenen Jahren versucht, das Angebot weiter zu spreizen. So wurde einerseits in einen Billigflieger wie Germanwings investiert. Andererseits wurde das Luxus-Segment immer stärker ausgebaut. Die Flugzeuge wurden nachgerüstet und an ihrem Drehkreuz in Frankfurt entstand sogar ein eigenes Terminal für absolute Premiumgäste. Eigenes Restaurant, eigene Zollkontrolle und ein Limousinen-Service, der die teuer zahlenden Gäste direkt vom Terminal zum Flugzeug bringt. «Wir möchten ein Umfeld schaffen, ähnlich einer Reise im Privatjet», hatte Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber bei der Eröffnung des Terminals vor fünf Jahren erklärt. Und inzwischen bietet Lufthansa sogar selbst Privatflüge an.

Viele Experten rätseln nun, ob das Abrücken der Kundschaft von den teuren Tickets hin zum Standardangebot dauerhaft sein wird oder nach dem Ende der Wirtschaftskrise wieder zurückgedreht wird. Der VDR glaubt, die Firmen werden einmal erreichte Einsparpotenziale selbst beim nächsten Aufschwung nicht leichtfertig aufgeben. «Es gibt nachhaltige Effekte», sagt VDR-Präsident Gerdom. Auch die britische Fluglinie British Airways rechnet mit dauerhaften Schäden für das Business- und First-Class-Segment. «Der Markt für Premium-Reisen wird sich möglicherweise nie vollständig erholen», erklärte British- Airways-Präsident Martin Broughton jüngst. «Die Budgets für Geschäftsreisen sind stark zusammengestrichen worden.»

Lufthansa-Finanzvorstand Gemkow ist sich nicht sicher. «Das ist ja letztlich die Kristallkugel, die sie hier befragen müssen.» Jedoch: Eine schnelle Erholung auf das Niveau von vor der Krise erwarte er nicht - mittelfristig würden «Strukturveränderungen» bleiben. dpa