News
25. August 2015

Fleisch oder Gemüse Küchenkonzepte für Ernährungstypen

Wer sich vegetarisch ernährt, kocht anders - klar. Und so muss eigentlich auch die Küche ein wenig anders aussehen als die von Fleischliebhabern. Sie braucht etwa eine größere Spüle. Und wer auf ein schönes Filet steht? Der sollte in Spezialgeräte investieren.

Von Julia Räsch

Wer seine Küche plant, sollte nicht nur den Stauraum oder die Optik im Blick haben. Vor allem sind die Essensvorlieben wichtig. Denn Vegetarier oder Veganer haben andere Bedürfnisse und Ansprüche an die Küche als Menschen, die Wert auf ein perfekt zubereitetes Stück Fleisch legen. Auch junge Familien und ältere Menschen agieren zwischen Herd und Spüle anders. Ein paar Vorschläge zur Einrichtung:

Vegetarier

Viele Handgriffe sind mit fleischlosem Speiseplan anders. "Sie müssen sehr viel mehr waschen, schneiden und zerkleinern", sagt Küchendesigner Mario Zeppetzauer, der eine Projektküche nur für Vegetarier entwickelt hat. Deshalb sollten Gemüse-Köche mehr Schneide- und Arbeitsfläche einplanen. Und wichtig ist für sie auch Lagerfläche: "Der Kühlschrank sollte nicht zu klein sein. Es ist ein Unterschied, ob ich Salat, Gemüse und Obst verstaue oder alles komprimiert im Steak habe", erklärt der Experte. Auch größere Waschbecken und eine möglichst große Brause empfehlen sich, damit man Gemüse und das Obst gut reinigen kann.

Veganer und Vegetarier verwenden oft mehr Gewürze. "Die Rezepte kommen häufig aus dem arabischen, asiatischen oder afrikanischen Raum", erklärt Zeppetzauer. Daher brauche man genug Platz für getrocknete und frische Kräuter. "Bei den Geräten ist ein Dampfgarer zum Garen im Niedrigtemperaturbereich sehr sinnvoll, da das Gemüse knackig bleibt und schonend zubereitet wird", sagt Kirk Mangels, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Die Moderne Küche. Auch Wok und Teppanyaki-Grill sind praktisch. Letzteres ist eine eingelassene Platte, die man aus japanischen Restaurants kennt, wo direkt am Tresen die Speisen zubereitet werden.

Das Aufräumen kann bei Veggi-Liebhabern mehr Aufwand bedeuten. Sie schnippeln viel, da fallen viele Gemüseabfälle an, erklärt Andreas Lubetz. Er untersucht für einen Beschlägehersteller die Nutzung von Küchen. Ein spezieller Biomüll-Abwurf ist daher sehr praktisch für eine vegetarische Küche. "Besonders vorteilhaft ist es, wenn Sie ihn direkt in der Arbeitsfläche einbauen, nur den Deckel öffnen müssen, um die Abfälle vom Schneidebrett direkt in den Biomüll werfen zu können."

Fleisch-Gourmets

In den vergangenen Jahren haben viele Menschen ihre Freude daran entdeckt, hochwertiges Fleisch mit viel Muße zu Hause zuzubereiten. Wer solche Koch-Events ernst nimmt, braucht zunächst die passende Grundausstattung: "Man braucht ein scharfes Messer, eine geriffelte Grillpfanne und einen Backofen", sagt Sascha Ludwig, der in einem Berliner Restaurant für erklärte Fleischliebhaber kocht. Aber damit ist es noch lange nicht getan: Sinnvoll ist ein Bratenthermometer. "Es ist wichtig, dass es keine dicke Nadel hat, damit möglichst wenig Bratensaft herausläuft, wenn man in das Fleisch sticht", erklärt der Küchendirektor. "Es gibt Digitalthermometer, die eine lange, dünne Nadel haben."

Um den Genuss zu erhöhen, bietet der Handel dem Fleisch-Fan viele und auch teure Geräte an. "Wer etwas ganz Besonderes möchte, kauft sich ein Sous-vide-Bad", sagt Ludwig. "Das ist wie ein großes Aquarium." Das Fleisch wird in dem Wasserbad mit Hilfe der Niedriggarmethode zubereitet. Einige Fleischliebhaber hätten zusätzlich dafür ein eigenes Vakuumiergerät. "Das Fleisch wird in Scheiben geschnitten, vakuumiert und dann bei niedrigen Temperaturen im Wasserbad gegart. Dann wird es noch mal nachgegrillt." Selbst ein Heimgrill mit Abzugshaube lässt sich in der Küche einbauen.

Im Fachhandel gibt es auch einen speziellen Reifeschrank für Fleisch. "Dann kann ich mir größere Fleischstücke kaufen, diese in den Reifeschrank hineinhängen und zwei bis drei Wochen nachreifen lassen", erklärt Ludwig. "Aber am Ende ist das sehr preisintensiv."

Junge Familien

Kinderhände fassen alles an - ohne Gefahren zu erkennen. "Ein Induktionskochfeld zum Beispiel ist deutlich schneller wieder erkaltet, weil es keine Eigenwärme besitzt", nennt Küchenexperte Kirk Mangels eine Lösung für Familienküche. "Beim Stauraum sollte man darauf achten, dass die Kinder älter werden, mehr essen und mehr trinken - und man dann auch mehr Platz benötigt." Da sehr viel Zeit in der Küche verbracht wird, bietet es sich an, sie offen zu planen, "so dass man einen Spielbereich mit integriert oder einen Essbereich, an dem die Kinder die Hausaufgaben machen können".

Senioren

"Ergonomie ist ein wichtiges Thema", sagt Lubetz. "Wie gut kann ich auf Lebensmittel und Staugüter in meiner Küche zugreifen?" Auf Türen im Unterschrank sollten Senioren daher verzichten. "Damit ich mich nicht hinknien und erst einmal den halben Schrank ausräumen muss, um das zu finden, was ich möchte", erklärt Lubetz. "Da sind Vollauszüge viel einfacher, weil ich von oben alles sehen und herausnehmen kann."

Dinge, die man häufig benötigt, sollten knapp unterhalb und knapp oberhalb der Arbeitsfläche angeordnet sein. "Das ist der ergonomisch beste Bereich", betont Lubetz. Mangels empfiehlt hoch eingebaute Geschirrspüler und Backöfen: "Diese entlasten den Rücken und sind daher auch aber nicht nur für Senioren gut geeignet." dpa