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17. Juni 2010

Forschungsanstalt Geisenheim: Land kündigt Staatsvertrag

Streit um Geisenheim: Rheinland-Pfalz will weniger für die Weinbau-Forschungsanstalt im hessischen Geisenheim ausgeben und hat deshalb den Staatsvertrag mit Hessen gekündigt

Das teilte das rheinland-pfälzische Wirtschafts- und Weinbauministerium am Donnerstag in Mainz mit. Hessens Wissenschaftsministerin Eva Kühne- Hörmann (CDU) zeigte sich befremdet über die Kündigung zum Jahresende. Rheinland-Pfalz hatte Mitte 2009 einen eigenen Weinbau- Studiengang eingerichtet. In Hessen wurde das als verzichtbare Konkurrenz zu einem ähnlichen Studiengang in Geisenheim betrachtet.

Der rheinland-pfälzische Wirtschaftsminister Hendrik Hering (SPD) erklärte, nun müsse in Gesprächen versucht werden, die Zusammenarbeit neu zu strukturieren. Außerdem sollten Spareffekte für beide Seiten erreicht werden. Rheinland-Pfalz förderte die Einrichtung mit jährlich rund 1,3 Millionen Euro.

Kühne-Hörmann zeigte sich verärgert. «Das Verfahren, den seit 1987 laufenden Vertrag ohne Hinweis plötzlich zu kündigen und zu erklären, die Zeit bis zum Jahresende solle zu Verhandlungen über eine Neustrukturierung der Zusammenarbeit genutzt werden, werte ich als unfreundlichen Akt», erklärte sie. Die Kündigung sei zudem eine Bestätigung für frühere Befürchtungen, der Staatsvertrag solle ausgehöhlt werden. «Wenn Rheinland-Pfalz vollends eigene Wege gehen will, halte ich das für nicht sachgerecht und bedauere das.»

Geisenheim bietet seit 1872 eine akademische Ausbildung in Weinbau und Oenologie an. Heutzutage können Studenten Bachelor- und Masterstudiengänge belegen und promovieren. dpa