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27. Dezember 2010

Frankenwein in Tüten

Weinbaupräsident: Frankenwein in Tüten oder in einem Getränkekarton als Beitrag zum Klimaschutz

Auch wenn der Bocksbeutel das Markenzeichen des Frankenweins bleiben wird - Denkverbote über Alternativen zur Literflasche darf es nach Worten von Weinbaupräsident Artur Steinmann nicht geben. «Vielleicht wäre das auch etwas für die Gastronomie, wo man froh ist, wenn man kein Glas mehr entsorgen muss», sagte der Winzer. Sorge um ein mögliches Billig-Image bei Wein in Kartons macht sich Steinmann nicht. «Das hatte der Schraubverschluss auch mal.»

Im Februar wollen sich Vertreter des Fränkischen Weinbauverbandes, der 2011 sein 175-jähriges Bestehen feiert, mit alternativen Verpackungen bei einem Workshop auseinandersetzen. Hauptziel sei es, weniger klimaschädliches Kohlendioxid (CO2) bei der Weinherstellung auszustoßen, sagte Steinmann. «Der größte Schwerpunkt für die nächsten Jahre ist der Klimawandel.» Durch die Produktion von Glas und dessen Transport wird in der Regel weitaus mehr Energie verbraucht als bei Herstellung und Transport von Getränkekartons.

Der Weinbaupräsident widersprach Berichten, die Winzer seien wegen der höheren Temperaturen ausschließlich Gewinner des Klimawandels. «Das heißt ja nicht nur, dass es wärmer wird. Es kommen auch mehr Niederschläge und Wetterextreme.» Die Weinbauern sollten daher unter anderem darüber nachdenken, überschüssiges Wasser für Trockenzeiten in Sammelbecken oder Seen aufzufangen. «Da ist gerade für die Steillagen wichtig, weil die am meisten austrocknen», erklärte Steinmann. Grundsätzlich müsse man sich fragen: «Werden die Rebsorten, so wie wir sie kennen, auch weiterhin Bestand haben?» Das sei nach wie vor ungewiss.

Dass das veränderte Klima dem Silvaner als Aushängeschild der fränkischen Weinwirtschaft zusetzen wird, glaubt Steinmann nicht. Auch der derzeit so beliebte Rotling werde der begehrten Weißweinsorte nicht den Rang ablaufen. «Eines haben sich die Winzer in Franken auf die Fahne geschrieben, und das ist die Rebsorte Silvaner», sagte Steinmann. «Kellermeister fangen an, das Weinsortiment eher einzudampfen.

Man hat nur zwei Müller-Thurgau im Angebot, aber man erzeugt mehrere Varianten Silvaner.» Zwischen fünf und sieben unterschiedliche Silvaner je Winzer seien das Ziel. «Da geht die Reise hin. Franken wird sich mehr und mehr mit dem Silvaner profilieren.» dpa

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