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10. März 2009

Frankreich: Verkaufsverbot von Alkohol und Tabakwaren an unter 18-Jährige

Kein Wein, kein Tabak - Frankreichs Jugend soll rauschfrei leben

Jugendliche, die sich ins Koma saufen, Mädchen die mit 16 Jahren Kette rauchen oder eher feuchte als fröhliche Feiern zum bestandenen Schulabschluss: Mit all dem soll in Frankreich bald für immer Schluss sein. Während in Deutschland noch zwei Jahre nach dem Tod eines 16-Jährigen bei einem Wetttrinken um eine Verschärfung des Jugendschutzes diskutiert wird, macht die Politik im Nachbarland ernst. Die erste Parlamentskammer beschloss ein Verkaufsverbot von Alkohol und Tabakwaren an unter 18-Jährige. Nur die zweite Kammer muss noch zustimmen, damit das Gesetz in Kraft tritt.

Bislang durften junge Franzosen ab 16 Jahren munter zu Zigaretten und zu Getränken mit geringem Alkoholgehalt greifen - wie in Deutschland. Künftig soll nicht einmal mehr ein Glas Wein zum Essen erlaubt sein. Auch für die sogenannten Flatrate-Partys mit Alkohol zum Pauschalpreis hat wohl die letzte Stunde geschlagen. Eine "glasklare" Politik hatte Gesundheitsministerin Roselyne Bachelot bereits im Februar angekündigt.

Die Reaktionen auf den harten Vorstoß der französischen Regierung sind gespalten. Während die Gesundheitsministerin sich von dem Gesetz einen erheblichen Beitrag im Kampf gegen das weit verbreitete Koma-Saufen oder die Nikotinabhängigkeit erhofft, zeigt sich die Bevölkerung skeptisch. "Auf dem Papier mag das eine gute Maßnahme sein", urteilt ein junger Mann im französischen Radio. Letztendlich komme aber doch selbst ein Zwölfjähriger heute schon an Alkohol.

Selbst Forscher zeigen sich zurückhaltend. "Wir sprechen nie vom wirtschaftlichen und sozialen Druck", kritisiert Marie Choquet vom nationalen Gesundheitsinstitut Inserm. Auch Ursachen wie Schulstress fänden im Kampf gegen Alkoholmissbrauch unter Jugendlichen zu wenig Beachtung.

Hintergrund der französischen Gesetzesinitiative ist vor allem die steigende Zahl der bekanntgewordenen Massenbesäufnisse. Wie in Deutschland und anderen europäischen Ländern treffen sich französische Jugendliche am Wochenende, um sich grundlos "wegzuschießen". Nicht selten enden solche "Partys" mit schweren Alkoholvergiftungen.

Rund zwei Drittel der 16-Jährigen in Frankreich geben bei Umfragen an, problemlos sogar an Schnaps zu kommen. Selbst 12- und 13-Jährige müssen Eltern schon mit lebensbedrohlichen Vergiftungen aus dem Krankenhaus abholen. Soziale Grenzen scheint es nicht zu geben. "Es gibt keine Fete, auf der es keinen Alkohol gibt", erzählt eine Fünftklässlerin, Schülerin einer katholischen Privatschule im feinen Pariser Vorort Neuilly-sur-Seine.

Dass es die französische Gesundheitsministerin mit ihrer Null- Toleranz-Strategie gegen Alkoholmissbrauch relativ leicht hatte, dürfte nicht zuletzt am enthaltsamen Präsidenten liegen. "Ich trinke keinen Tropfen Alkohol", hatte Nicolas Sarkozy kurz nach der Wahl zum Staatschef verkündet. (Ansgar Haase/dpa)