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24. Dezember 2009

Frohe Weihnachten!

wünschen die Wein & Gourmetwelten mit einer Saga aus dem Spreewald: Heute ist die Nacht der sprechenden Tiere

Marga Morgenstern aus Lübben (Dahme-Spreewald) ist in diesen Tagen oft unterwegs, um über die Adventszeit im Spreewald zu erzählen. Als Enkelin einer wendischen Großmutter berichtet sie in ihren weihnachtlichen Lesungen von den Bräuchen und Geschichten der Vorfahren. Die 74-jährige Reiseführerin und Schriftstellerin verrät zum Beispiel, dass der Sage nach Tiere am Heiligabend sprechen können. «Aber man darf ihnen nicht zuhören, das bringt Unglück.»    

So habe es die Großmutter ihr erzählt: «Ein Bauer belauschte seine Kuh, die dem Ochsen erklärte, dass sie bald geschlachtet wird, weil der Bauer stirbt und seine Frau das Geld braucht. Die Nachricht erschreckte den Bauern so sehr, dass er tot umfiel.» Mal augenzwinkernd, mal nachdenklich, aber immer authentisch gibt sie wieder, was sie von ihrer Großmutter erfahren und mit ihr erlebt hat.    

Passend zur «stillen Zeit», wie die «alte Spreewaldsche» den Advent bezeichnet, trägt sie zu den Lesungen ihre schlichte Tracht. Der Rock schimmert in dunklem Lila, Halstuch und Haube sind weiß und unbestickt. «Wie die Natur sich im Advent in sich zurückzieht, um neue Kräfte zu sammeln, halten im Spreewald auch die Menschen inne. Es ist eine Zeit der Stille und das spiegelt sich in der Tracht wieder», erklärt sie.    

Das Leben mit der Natur, in der die Sorben - die sich in der Niederlausitz Wenden nennen - die Götter suchten, ist auch für Morgenstern wichtig. So liebt sie die 1000-jährigen Eichen am Bythna in Straupitz (Dahme-Spreewald); umgangssprachlich wird dieser Weg Heiliger Gang bezeichnet. «Dort kann ich inne halten. Das ist ein Geschenk. Die Menschen sehnen sich doch immer mehr nach Entschleunigung und besinnen sich auf ihre Wurzeln.» Der Seelenkult hat, wie die Autorin berichtet, im Leben der Spreewälder noch heute Bedeutung.

So sei am ersten Heiligabend nach dem Tod des Großvaters der Tisch noch für ihn mitgedeckt worden, erinnert sich Morgenstern: «Wir stehen alle auf den Schultern der Vorfahren, erklärte mir die Großmutter.» Mit dieser fühle sie sich vor allem im Advent eng verbunden. Deren Weisheiten hat sie in ihre Bücher einfließen lassen.    

In ihrem Kochbuch zum Spreewald berichtet sie zum Beispiel, dass am Heiligabend traditionell «Neunerlei Essen» auf den Tisch kommen. «Heutzutage ist diese Weisheit fortgeführt in dem Gericht Spreewälder Kartoffelsalat mit neun Zutaten», erzählt die 74-Jährige. «Ganz wichtig ist der Hering, denn je mehr Rogen, desto mehr Glück, sagt ein Sprichwort.» Ein anderes verheißt ein gutes Jahr, wenn der Christstollen gelingt.    

Auch, dass zwischen Weihnachten und den Heiligen Dreikönigen Stille herrschen sollte. «Da wird nicht gebacken, keine Wäsche gewaschen und nicht gehämmert, sondern Kraft geschöpft für das neue Jahr», ist Morgenstern überzeugt. Daran halte sie sich.    

Wenn die Lübbenerin an Weihnachten denkt, freut sie sich auch auf den Besuch bei Freunden in Burg (Spree-Neiße). Diese Familie besitze einen wendischen Drehbaum, der extra angefertigt wurde, um diese Tradition zu beleben. Vergleichbar mit einer Pyramide drehen sich drei Scheiben mit Kerzen. Momente wie diese machen die Adventszeit für Marga Morgenstern so besonders: «Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen - das ist für mich Weihnachten.» dpa