11. November 2009

Gastgewerbe hofft auf Impulse aus Steuersenkung

Nach einem befürchteten Rekord- Umsatzrückgang 2009 hoffen Hoteliers und Pensionswirte auf Impulse aus der beschlossenen Steuererleichterung. Plus: Hotelpreise weiter gesunken

«Dieser wichtige politische Erfolg stärkt die Wettbewerbsfähigkeit unserer heimischen Tourismuswirtschaft», sagte der Präsident des Hotel- und Gaststättenverbandes Baden-Württemberg, Peter Schmid. Nach dem Beschluss der Bundesregierung wird die Mehrwertsteuer auf Übernachtungen in Hotels Anfang kommenden Jahres von 19 auf 7 Prozent gesenkt.

Nach einem Umsatz von 7,4 Milliarden Euro 2008 rechnet der Verband für 2009 mit einem Minus von fünf Prozent, im nächsten Jahr aber wieder mit einem leichten Aufwärtstrend. Die Branche umfasst im Südwesten 30 000 Betriebe mit 230 000 Beschäftigten.

Den Spielraum durch die Steuererleichterung - etwa 90 Millionen Euro für den Südwesten - wollen die Hoteliers laut Schmid vor allem für Investitionen nutzen. Es gelte, nicht nur in die Ausstattung der Häuser zu investieren, sondern auch in die Qualifizierung von Mitarbeitern.

Die Kunden werden ebenfalls profitieren: «Es wird automatisch zu Preissenkungen kommen, weil uns der Markt keine andere Wahl lässt.» Erste Anfragen von Großkunden, etwa Sportvereinen oder Firmen, für das kommende Jahr zeigten deutlich, dass Preisnachlässe erwartet würden. Nach einer DEHOGA-Umfrage unter bundesweit 5700 Hoteliers und Wirten sollen rund 20 Prozent der Steuernachlässe bei den Gästen ankommen.

Dass die Firmen mit spitzem Bleistift rechneten, zeigten die Einbrüche in der Tagungs- und Geschäftsreisehotellerie. Wo die Firmenkonjunktur die zentrale Rolle spielt, sanken die Übernachtungszahlen in den ersten neun Monaten zweistellig: So im Kreis Böblingen um fast 20 Prozent, im Rhein-Neckar-Kreis um 13,9 Prozent und im Kreis Esslingen um 13,5 Prozent.

Insgesamt musste die Hotellerie in den ersten drei Quartalen 2009 einen Umsatzrückgang von 7,7 Prozent verkraften. Die Caterer mit einem noch höheren Firmenanteil verzeichneten sogar Einbußen von 10,7 Prozent. Verbandsvizepräsident und Leonberger Hotelbesitzer Heiner Eiss berichtete, dass Videokonferenzen im ablaufenden Jahr die persönlichen Treffen von Geschäftsleuten ersetzt hätten. «Wir werden auch nicht mehr auf das Niveau von vorher zurückkommen.»

Dagegen sind die Privatkunden noch eine relativ stabile Stütze des Gastgewerbes. In der vom privaten Konsum geprägten Speisegastronomie fiel das Umsatzminus mit 1,3 Prozent gering aus. Schmid: «Der Endverbraucher ist nach wie vor bereit, wenn er etwas Gutes bekommt, auch was dafür zu bezahlen.»

Auch die Hotellerie setzt auf den privaten Inlandskunden. So haben heimische Urlaubsgebiete wie Schwarzwald, Ortenau und Bodensee in diesem Jahr mit leichten Zuwächsen von bis zu 3,4 Prozent bei den Übernachtungen der Krise getrotzt: «Es ist ein eindeutiger Trend, dass man im Ländle Urlaub macht.» Sein Gewerbe sei «sehr dankbar» für die Rückbesinnung auf die Heimat und die Region, betonte Schmid. Die Übernachtungszahlen für ausländische Hotelgäste nahmen mit 6,2 Prozent deutlich stärker ab als die für inländische Gäste (-3,6 Prozent). Das Gesamtminus beträgt 4,2 Prozent.

Schmid kündigte an, sein Verband wolle den Druck für weitere Steuererleichterungen, insbesondere für Speisen, aufrechterhalten. «Es ist nicht nachvollziehbar, dass ein Leberkäsbrötchen in der Hand einen ermäßigten Steuersatz hat, aber der Leberkäse auf dem Teller mit einem Löffele Kartoffelsalat den vollen Steuersatz.» dpa

Hotelpreise weiter gesunken

Hotels in europäischen Städten sind im November günstiger geworden. Im Vergleich zum Vormonat sind die Hotelzimmerpreise im Schnitt um 10 Prozent gesunken. Zugleich liegen sie um 9 Prozent unter dem Niveau des Novembers 2008. Zu diesem Ergebnis kommt der Hotelpreis-Index des Reiseportals Trivago. In ihm werden Durchschnittspreise für Standard-Doppelzimmer in 50 beliebten europäischen Metropolen erfasst. Basis sind dabei rund 50 000 pro Tag eingehende Buchungsanfragen, erläuterte Trivago in Düsseldorf.

Im Durchschnitt kostet ein Doppelzimmer in den 50 untersuchten Städten den Angaben zufolge derzeit 106 Euro pro Nacht. Besonders deutlich seien die Preise in Rom und in Venedig gesunken: In der «Ewigen Stadt» kostet ein Zimmer jetzt 116 Euro pro Nacht (minus 28 Prozent), in der Lagunenstadt sind es 132 Euro (minus 33 Prozent). Die im Schnitt teuersten Hotels gibt es weiterhin in Genf in der Schweiz, wo die Preise nun bei 191 Euro pro Nacht liegen.

Unter den 50 untersuchten Großstädten sind auch 10 in Deutschland. Bei ihnen sanken die Hotelpreise im November im Schnitt auf 93 Euro. In Berlin sind es nun 88 Euro pro Nacht, in München 116 Euro. Im Vergleich zum Oktober leicht gestiegen sind die Zimmerpreise in Köln (von 102 auf 107 Euro) und Hannover (von 87 auf 89 Euro). dpa