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15. Mai 2014

Gastgewerbe rechnet mit gutem Geschäft

Bei vielen Hoteliers und Gastronomen läuft der Laden aufgrund des milden Winters - doch der geplante Mindestlohn könnte einige hart treffen: Besonders in Ostdeutschland, sagt die Dehoga

Deutsche Hotels und Restaurants haben im vergangenen Winter ein besseres Geschäft gemacht als in der kalten Jahreszeit 2012. Von milden Temperaturen profitierten vor allem der Städtetourismus und die Küstenregionen, teilte der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) mit.

Die Branche gibt sich weiter optimistisch. Für 2014 rechnet der Verband mit einem Umsatzplus von 1,5 Prozent. Sorge macht aber der geplante Mindestlohn ab 2015, weil er für viele Betriebe höhere Personalkosten bedeuten könne.

Noch aber sind die Deutschen in Konsumlaune. «Sie reisen weiter gern und geben ihr Geld auch im Restaurant aus», sagte Dehoga-Präsident Ernst Fischer. Die Fußball-Weltmeisterschaft im Juni und Juli könne der Gastronomie durch Public Viewing bis spät in die Nacht ein Sommermärchen bescheren. Das Geschäft läuft zur Zeit ohnehin nicht schlecht.

Rund zwei Drittel der 5000 Hoteliers und Gastronomen, die der Verband bundesweit für eine repräsentative Umfrage interviewen ließ, verzeichneten in diesem Winter stabile Einnahmen oder steigerten sie. Im Winter 2012 sagten das nur rund die Hälfte der Befragten.

Spielraum nach oben sehen Hoteliers und Gastronomen auf längere Sicht aber kaum. Ein Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde werde vor allem Ostdeutschland hart treffen, sagte Dehoga-Geschäftsführerin Ingrid Hartges.

Dort seien 10 bis 20 Prozent höhere Personalkosten möglich. Im Moment habe Mecklenburg-Vorpommern mit 7,50 Euro bundesweit den niedrigsten Stundensatz im Tarifvertrag. Ob die Mehrkosten durch höhere Preise an Kunden weitergegeben werden kann, müsse jeder Betrieb sorgfältig kalkulieren.

Bundesweit zahlten nur 70 000 der 224 000 Betriebe Tarif, sagte Hergens. Auch ihr sei bewusst, dass manche schwarze Schafe der Branche bisher nur 5 Euro bieten. «Solche Dumpinglöhne als Wettbewerbsvorteil haben wir nie für gut gehalten», sagte sie. Es gehe vor allem darum, Fachkräfte ausreichend zu bezahlen.

Deshalb hält der Verband einen Mindestlohn ab 18 Jahren auch für einen «Fehlanreiz». Denn 1400 Euro Lohn im Monat könnten junge Leute davon abhalten, eine Ausbildung im Hotel- und Gastronomiebereich zu beginnen - mit wesentlich schmäleren Anfangsgehältern. Mindestlöhne für junge Erwachsene ohne Ausbildung sollten frühestens ab 23 Jahren gezahlt werden, fordert die Dehoga.

In der Branche mit 224 000 Betrieben gibt es 1,8 Millionen Beschäftigte. 800 000 von ihnen sind Mini-Jobber. Der Netto-Jahresumsatz liegt laut Dehoga bei 70 Milliarden Euro. dpa