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20. August 2015

Gastronomie Gastro-Ketten erfinden sich neu

Foto: ots/Heiner Kamps (Gesellschafter), Hiltrud Seggewiß (Vorsitzende der Geschäftsführung)

Nur Essen und Trinken reicht nicht, die Kunden sind wählerischer geworden: Das bekommen auch McDonald's, Nordsee und Co zu spüren.

Von Friederike Marx und Christine Schultze

Vapiano, Hans im Glück und andere «Neulinge» mischen den Markt der Gastronomieketten auf: Sie locken mit gestyltem Interieur, regionalen Produkten oder Bio. Die Branche, an deren Spitze in Deutschland ungefochten McDonald's steht, ist dabei, sich neu zu erfinden. «Allein mit dem Angebot von Trinken und Essen lockt man heute kaum noch jemanden von dem Sofa», heißt es beim Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga).

Auch wenn das Wachstum nicht mehr so rasant ist wie noch vor einigen Jahren: Rund 12 Milliarden Euro (ohne Mehrwertsteuer) setzten die 100 größten Anbieter der Systemgastronomie nach Dehoga-Schätzungen im vergangenen Jahr um. Das waren 2,2 Prozent mehr als 2013. Ohne die beiden Fast-Food-Riesen McDonald's und Burger King hätte das Plus sogar bei 5,2 Prozent gelegen.

«Der gesamte Markt wächst und damit ist auch Platz für neue Anbieter», sagt Valerie Holsboer, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes der Systemgastronomie. Konkurrenz machen der Branche aus ihrer Sicht vor allem neue Angebote der Bäckereien sowie Einzelhändler, die frische Snacks anbieten - von Salaten bis zu Sushi.

Zu den großen der Systemgastronomie in Deutschland zählt Nordsee. Das 1896 als Deutsche Dampffischerei-Gesellschaft gegründete Unternehmen belegt in dem Dehoga-Ranking Platz 5 der 100 größten Anbieter. Seit 2012 investiert das Bremerhavener Unternehmen kräftig in die Neugestaltung seiner Filialen - etwa 60 Millionen Euro bisher. Etwa ein Drittel der 304 Filialen in Deutschland und Österreich (ohne Tank & Rast Filialen) erstrahlen nach Angaben des Unternehmens inzwischen in neuem Design.

Künftig will das Traditionsunternehmen auch im Einzelhandel präsent sein: Ab Oktober soll es in den Kühlregalen großer Einzelhändler Nordsee-Produkte geben. Mit veganen Angeboten will der Fischbräter zudem neue Kunden in seine Filialen locken. «Wir wollen wachsen, Nordsee ist schuldenfrei und hat starke Gesellschafter», sagt Aufsichtsratschef Heiner Kamps bei der Vorstellung der neuen Strategie (Foto).

Das Unternehmen habe operativ immer Gewinne erwirtschaftet. «Nordsee ist ein Juwel», sagte Minderheitsgesellschafter Kamps. Zunächst will sich das Unternehmen auf die Umsetzung der neuen Kampagne auf seinen wichtigsten Märkten Deutschland und Österreich konzentrieren. «Dann werden wir sehen, ob wir stärker in die Expansion gehen», sagt Kamps.

Unangefochtener Marktführer hierzulande ist mit fast 1500 Filialen und geschätzt drei Milliarden Euro Umsatz 2014 der amerikanische Hamburgerriese McDonald's. Konkurrent Burger King folgt der Dehoga zufolge mit Abstand auf Rang zwei.

Branchenriese McDonald's kämpft allerdings mit Kundenschwund. Vor allem jüngere Kunden wechseln zur vermeintlichen gesünderen Konkurrenz. Der seit März amtierende Vorstandschef Steve Easterbrook versprach denn auch, die Burgerkette werde sich von nun an voll darauf konzentrieren, den veränderten Vorlieben der Verbraucher gerecht zu werden.

In den USA experimentiert die weltgrößte Schnellrestaurant-Kette mit dem Trendgemüse Grünkohl - zumindest probeweise. In einigen Filialen werden zwei neue Frühstücksgerichte angeboten, eines davon enthält Grünkohl und Spinat. In Deutschland bietet McDonald's an einigen wichtigen Standorten einen Tischservice an und setzt inzwischen auch auf fleischlose Burger mit der Trend-Zutat Quinoa. «McDonald's Deutschland hat den Wandel erfolgreich eingeleitet, das beweist unser gutes Geschäftsergebnis im ersten Halbjahr», sagt Deutschland-Chef Holger Beeck, ohne allerdings konkrete Zahlen zu nennen.

Konkurrent Burger King ist neuerdings in mehreren deutschen Städten mit einem Bringdienst unterwegs. In den kommenden zwei Jahren sollen bundesweit mehr als 200 der insgesamt rund 700 Filialen des McDonald's-Rivalen den Service anbieten. Kunden können ihre Bestellung im Internet aufgeben, die Lieferung erfolgt dann aus einer Filiale.

Im vergangenen Jahr war Burger King nach Berichten über Hygienemängel und schlechte Arbeitsbedingungen in den Filialen eines Lizenznehmers unter Druck geraten. Nach einer monatelangen Hängepartie einigte sich die Fastfood-Kette dann Anfang Juni mit dem Franchise-Partner Alexander Kolobov auf den Weiterbetrieb von 84 Filialen mit insgesamt rund 3000 Beschäftigten.

Seither bemühte sich das Unternehmen um Aufbruchstimmung: Ein neues Gemeinschaftsunternehmen mit zentralen Aufgaben wie Marketing, Einkauf und Logistik wurde gegründet. Auch neue Restaurants plant die Fast-Food-Anbieter - wieviele, ist allerdings offen.

Eins steht für Valerie Holsboer fest: In fünf Jahren wird der Markt für Systemgastronomie wieder anders aussehen. «Die Unternehmen erfinden sich jeden Tag neu und wer das nicht macht, verschwindet vom Markt.» dpa