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16. November 2009

Gault Millau Wein Guide 2010

Die Ergebnisse - beste Winzer und Weine des Jahres. update: alle Aufsteiger und Absteiger der Regionen

update: zum Gault Millau 2011

Der Gault Millau WeinGuide 2010, der bemerkenswerter Weise wie die Restaurant-Ausgabe schon seit Freitag in den großen Buchhandlungen des Landes zu kaufen war, macht eine Top-Figur: er kommt erstmals in Farbe, übersichtlicher und in den Bewertungen transparenter daher als in den Vorjahren.

Allein-Herausgeber Joel B. Payne hat die Zeichen der Zeit erkannt und schmeißt ein gewichtiges Pfund auf den Markt, an dem sich die Konkurrenz messen lassen muss. Weiter so! 

Die Winzer, die sich nicht mehr vom Gault Millau bewerten lassen wollten, wurden selbstverständlich vom Guide weiterhin bewertet. Das ist schließlich seine Aufgabe!

Ich bin immer noch davon überzeugt, das es der richtige Weg ist, ab dem kommenden Jahr eine Anstellungsgebühr von ALLEN Winzern zu nehmen. Wer zahlt kommt rein, das garantiert eine allgemein akzeptierte Objektivität.

Das Schlossgut Diel wurde zum ersten Mal nach dem Rücktritt von Chefredakteur Armin Diel bewertet und erhielt 4 Trauben, genau die richtige Ausgangsposition für Caroline Diel.

In die 4 Trauben-Kategorie stieg Freiherr von Gleichenstein mit seinen phänomenalen Rotweinen auf, ebenso Clemens Busch mit seinen filigranen biodynamischen Rieslingen.

Reinhold Haart und Dr Loosen stiegen von 5 auf 4 Trauben ab.

Die Auszeichnungen:

Winzer des Jahres: Tim Fröhlich (Schäfer-Fröhlich, Nahe)

Kollektion des Jahres: Bettina Bürklin von Guradze und Fritz Knorr (Bürklin-Wolf)

Aufsteiger des Jahres: Johannes Freiherr von Gleichenstein (Baden)

Entdeckung des Jahres: Eva Vollmer (Rheinhessen)

Sommelier des Jahres: Melanie Wagner (Schwarzer Adler)

Weinkarte des Jahres Steinheuers Alte Post

Weine des Jahres

Bester Winzersekt: Brut 2004 Cuvee MO von Diel

Bester Spätburgunder: 2007 Pinot Noir Friedrich Becker (Pfalz)

Bester trockener Weißer Burgunder: 2008 Im Sonnenschein Rebholz

Bester trockener Riesling: 2008 Forster Kirchenstück GC Bürklin-Wolf

 

Ahr:

Stodden führt die Frühburgunder-Erzeuger an, aber auch Meyer-Näkel, Deutzerhof, Kriechel, Kreuzberg und die Weinmanufaktur Dagernova haben sehr schöne Exemplare vorgestellt. Paul Schumacher aus Marienthal hat einen kometenhaften Aufstieg hinter sich und ist in kürzester Zeit zu einer festen Größe an der Ahr geworden. Vor allem die Gleichmäßigkeit der diesjährigen Kollektion auf hohem Niveau hat die Redaktion beeindruckt und zur Verleihung der zweiten Traube animiert. Auch das Weingut Klosterhof der Familie Gilles ist in Marienthal situiert. Dieser Erzeuger kommt beim Ausbau ganz ohne junges Eichenholz aus. Für die sehr gute Kollektion gab es die erste Traube. Das Spitzenquartett, das die Ahr anführt, hat seine Stellung gefestigt. Jean Stodden hat im Jahrgang 2007 am besten gearbeitet. Sein »Großes Gewächs« aus dem Ahrweiler Rosenthal schaffte folglich als einziger Ahrwein den Sprung unter die besten zehn Spätburgunder des Jahrgangs in Deutschland. Adeneuer, Deutzerhof und Meyer-Näkel sind die anderen Spitzengüter.

Baden:

»Aufsteiger des Jahres« ist Johannes Freiherr von Gleichenstein Das Weingut Freiherr von Gleichenstein gibt es schon seit 1634. Doch erst in den letzten Jahren hat der Betrieb in Oberrotweil unter dem jungen Freiherr Johannes von Gleichenstein einen gewaltigen Aufschwung genommen. Grund genug für die Redaktion des Gault Millau, ihn zum »Aufsteiger des Jahres« zu ernennen. »Zunehmend nutzt er das große Potenzial der Spitzenlagen in Oberrotweil für exzellente Burgunder«, lobt Chefredakteur Joel Payne den Winzer. Mit seinem besten trockenen Spätburgunder aus 2007 dringt Gleichenstein ebenso in die absolute deutsche Spitze vor wie mit seinem trockenen Grauburgunder aus dem Oberrotweiler Henkenberg – mit 2008 schon zum zweiten Male in der Spitzenreiter- Liste. In Burkheim knüpfen Arne und Martin Bercher an glanzvolle Zeiten an. In einer großen Kollektion fanden die strengen Tester einen durchgängig hohen Qualitätsstandard. In der Spitze können die Bercher-Weine wieder mit den besten des Landes mithalten. Die 2008er Großen Gewächse von Weiß- und Grauburgunder sowie der 2007er Spätburgunder, alle aus dem Burkheimer Feuerberg, schafften souverän den Sprung in die bundesdeutschen Spitzenreiter-Listen. Die strengen Verkoster des WeinGuide sehen beim badischen Spätburgunder mittlerweile eine Entwicklung hin zu mehr Eleganz, Schliff und Kontur, weg von einseitiger Dichte, überreifer Süße und vordergründiger Gefälligkeit. Die Natur spielte den Winzern im Jahrgang 2007 aber auch in die Karten: mit hoher Traubenreife bei gleichzeitig feinen Gerbstoff- und Säurewerten. »Das Potenzial ist Seite 5 von 13 noch nicht ausgeschöpft. Dennoch bleibt festzuhalten, dass in Baden noch nie so herausragende Spätburgunder und Pinot Noirs erzeugt wurden wie in 2007 – und dies in einer großen Bandbreite bis hin zu den Genossenschaften«, berichtet Joel Payne. Ähnlich Gutes lässt sich über die weißen Burgunder des Jahrgangs 2008 sagen. Mehr Säure als im Vorjahr und ebenfalls gesundes, reifes Traubengut brachte feingliedrige, gut strukturierte und langlebige Grauburgunder, Weißburgunder und Chardonnays hervor. »Eine seltene Harmonie und Balance, auch was den Holzeinsatz anbelangt«, haben die Tester bei zahlreichen Proben festgestellt. Bernhard Huber führt als einziger Fünf-Trauben-Betrieb die Spitzengruppe in der Region an. Ihm folgen nun sechs Erzeuger mit vier Trauben, wobei die Redaktion Salwey in dieser Gruppe derzeit am stärksten einschätzt. Gleiches gilt bei den Drei-Trauben-Güter für Bercher, Claus Schneider und Seeger. Zwei Winzer dürfen sich über eine dritte Traube freuen: Holger Dütsch und Ewald Kopp. Mit zwei Trauben werden nun das Hofgut Consequence, Otto und Martin Frey sowie das Öko-Gut Pix geführt. .

Franken:

Der Jahrgang 2008 hat offenbar vor allem dem Silvaner gut getan. Selten probierte die Redaktion des Gault Millau WeinGuide in Franken eine so breite Palette wirklich erstklassiger trockener Silvaner. Allein zehn davon verdienten sich 90 oder 91 Punkte. »In keinem anderen Gebiet konnte diese traditionsreiche Sorte auch nur annähernd so gut abschneiden, wie wir auf der Bundesfinalprobe festgestellt haben« erläutert Joel Payne, Chefredakteur des Gault Millau Wein- Guide. Horst Sauer, Rainer Sauer und Fürst Castell stellten die besten Exemplare mit jeweils 91 Punkten. Die besten Weine sind im neuen WeinGuide in einer besonderen Hitliste verzeichnet. Bei den Verkostungen fiel den strengen Tester ansonsten auf, dass die früher einmal gebietstypischen, betont herben und gelegentlich auch liebenswert kantigen Frankenweine etwas rar geworden sind. Vielfach werde durch moderne Kellertechnik relativ viel Frucht bei den Weißweinen erhalten. Zwar stehe dann »trocken« auf dem Etikett, aber die Weine präsentierten sich geschmacklich recht süß und nicht selten uniform. Die Gault Millau-Redaktion bleibt zuversichtlich und hofft auf eine Ausnahmeerscheinung. Das Trio an der Spitze mit Castell, Fürst und Sauer hat keinen Zuwachs bekommen. Paul Fürst und Horst Sauer sind Primus inter pares bei den Vier-Trauben- Betrieben. Die Drei-Trauben-Kategorie verzeichnet gleich vier Neuzugänge. Rückkehrer Schmitt’s Kinder gehört ebenso dazu wie Michael Fröhlich, Max Müller I. und Öko-Pionier Gerhard Roth. Aufsteiger auf zwei Trauben ist das Weingut Rudloff in Nordheim. Gleich fünf Neulinge verzeichnete die Klasse mit einer Traube. Auffälligster Newcomer ist hier das mittelfränkische Schloss Frankenberg, das sich vor einigen Jahren aus der Weinproduktion verabschiedet hatte, aber jetzt nach einem Besitzerwechsel und neu durchstartet. Seite 6 von 13 In Würzburg zeigt sich das Bürgerspital in deutlich besserer Form als vor einem Jahr, das Juliusspital nutzt die Möglichkeiten im neuen Keller immer besser und hat derzeit die Führungsposition in der fränkischen Metropole inne. Das Weingut am Stein war nicht in Bestform. Außerhalb der Gebietshauptstadt konnten die Iphöfer Ruck und Wirsching sowie Silvaner-Großmeister Rainer Sauer und der Taubertäler Jürgen Hofmann überzeugen. Positives gibt es auch von den Großbetrieben zu berichten: Die Genossenschaften haben in den letzten Jahren deutlich an Qualität zugelegt. Insgesamt werden 63 Güter und ihre Weine im neuen Gault Millau WeinGuide ausführlich vorgestellt, 37 weitere schafften die Aufnahme in die Rubrik der empfehlenswerten Betriebe.

Hessische Bergstraße:

Das Zwingenberger Weingut Simon-Bürkle hat die Führung im mittlerweile wieder kleinsten Anbaugebiet Deutschlands übernommen. Früher war das Hessische Staatsweingut – Domaine Bergstraße – über viele Jahre eindeutig der Motor der Region. Doch dann war der Glanz alter Tage verblasst. Um so erfreuter war der Chefredakteur des Gault Millau WeinGuide, Joel Payne, dass die Staatsdiener sich mit dem Jahrgang 2008 verbessert zeigen. Die Erzeuger profitieren in diesem Jahrgang von einer animierenden Frucht. Viele Weine sind balanciert und klar, was in den Vorjahren nicht immer so war. Ein längeres Lager auf der Feinhefe hat sich bei vielen Weinen vor allem im säurebetonten Jahrgang 2008 positiv bemerkbar gemacht. Mehr Qualität fanden die strengen Verkoster auch im Weingut der Stadt Bensheim. Und wieder einmal konnten die Genossen der Bergsträßer Winzer mit einer erstaunlichen Palette überzeugen. Das gilt ebenso für das Weingut Edling. Gerade mal fünf Traubenbetriebe von der Hessischen Bergstraße sind im neuen WeinGuide gelistet, lediglich zwei weitere Güter sind als empfehlenswert eingestuft.

Mittelrhein:

Nach zwei üppigen Weinjahren hat der Jahrgang 2008 die Frische an den Mittelrhein zurückgebracht. Das ist das Fazit der umfangreichen Verkostungen für den Gault Millau WeinGuide 2010. „Die Weingenießer können sich auf rassigelegante Rieslinge freuen, die großen Trinkspaß bieten“, lautet die frohe Botschaft von Chefredakteur Joel Payne. Nach wie vor ist das Preis-Leistungs-Verhältnis am Mittelrhein unschlagbar, findet die Gault Millau-Redaktion. Vor allem mit feinherben und halbtrockenen Rieslingen haben die Spitzenwinzer auch im Jahrgang 2008 punkten können. Dabei hätten sich die Spitzenbetriebe keine Blöße gegeben, aber auch im mittleren Qualitätsbereich gab es kaum Ausrutscher, berichtet Payne. Furore machte Spitzenwinzer Florian Weingart, als er zwei Trockenbeerenauslesen aus 2007 und 2008 vermählte, ein bislang wohl einzigartiger Vorgang. Weil der edelsüße Wein im Vorjahr nicht weit genug vergoren war (5,5 Prozent AlkoSeite 7 von 13 hol müssen es schon sein), verschnitt der Spayer Winzer den edelsüßen Tropfen einfach mit dem 2008er. Jetzt hat er eine Trockenbeerenauslese ohne Jahrgang, lediglich versehen mit dem kurzen Hinweis „7 und 8“. An der Spitze des Gebietes setzte sich Florian Weingart auch dieses Mal als bester Erzeuger am Mittelrhein mit einer überzeugenden Gesamtleistung vor seinem Nachbarn und Kollegen Matthias Müller durch. Von den Drei-Trauben- Betrieben zeigen sich Didinger und Jost deutlich verbessert. Die Überraschung im Zwei-Trauben-Bereich ist das Weingut August und Thomas Perll, das gegenüber dem Vorjahr deutlich zugelegt hat, insbesondere im trockenen Bereich. Das von rund 450 Hektar Steillagen geprägte romantische Rheintal bleibt fest in den Händen von einigen leistungsfähigen Familienbetrieben, wovon der neue Gault Millau WeinGuide 17 in der Traubenklasse vorstellt. Dazu kommen immerhin noch 12 »weitere empfehlenswerte Betriebe«.

Mosel:

In der Spitze bietet der Jahrgang 2008 an der Mosel ein Trinkvergnügen wie selten. Das ist das Fazit der intensiven Verkostungen für den neuen Gault Millau WeinGuide. »Zugleich war die qualitative Spannbreite der von uns verkoststeten Weine so groß wie selten«, gibt Chefredakteur Joel Payne zu bedenken. Von dünn, grün und säuerlich einerseits bis hin zu feinster Reife und mineralischer Tiefe erstreckte sich das Spektrum bei den monatelangen Tests der Moselweine. Dass in keinem anderen Anbaugebiet es der Riesling in seiner fruchtsüßen Variante so zur Vollkommenheit bringen kann wie eben an der Mosel, ist lange bekannt. Nun scheint die Region auch bei der Qualität der trockenen Rieslinge Boden gutzumachen. Das liegt laut Gault Millau auch daran, dass der Export stark zurückgegangen sei und sich Winzer zum Ausgleich nun mehr dem inländischen Publikum widmen. Und das fragt meist trockene Weine nach. Einige Erzeuger stellen schon seit Jahren trockene Spitzengewächse vor. Doch noch nie wurden dem Verkostungsteam des Gault Millau in einer solchen Breite ansprechende trockene Rieslinge vorgestellt. »Auch die Weine vieler wenig oder nicht bekannter Produzenten überzeugen uns mittlerweile«, berichtet Payne. Er ist auch angetan von der Entwicklung an der Obermosel, an der Grenze zu Luxemburg. Dort haben einige junge Winzer in den letzten Jahren deutlich an Qualität zugelegt. Doch nicht mit Riesling, sondern mit Elbling und Burgundersorten, die dort bevorzugt gedeihen. Erstmals hat es ein Spätburgunder von der Mosel unter die besten zehn Rotweine Deutschlands gepackt – auch diese große Überraschung steht im neuen Gault Millau WeinGuide Deutschland. Ansonsten spielen Mosel, Saar und Ruwer ihre bewährten Trümpfe auch im Jahrgang 2008 mit der bekannten Souveränität aus. Ihre besten Rieslinge dominieren gleich mehrere Spitzenreiter-Listen. Den Vogel schießt das Weingut van Volxem ab, das gleich vier seiner feinherben Rieslinge unter die besten zehn des Landes brachte: ein Rekord. Klare Dominanz herrscht auch in der neuen Hitliste der besten Riesling-Kabinettweine: Acht von zehn Weinen kommen von Seite 8 von 13 der Mosel. Einsam an der Spitze steht der Inbegriff eines großen Kabinetts – aus der Wehlener Sonnenuhr, von Altmeister Joh. Jos. Prüm. Fast in eine eigene Kategorie katapultierten die Verkoster der Bundesfinalprobe einen grandiosen Saar-Riesling: Die Goldkapsel Auslese von Egon Müller – Scharzhof, die zwei Punkte vor dem massierten Verfolgerfeld landete. Die Müller- Auslese ist ein Phänomen, das der Redaktion 97 Punkte wert war: ein genial leichter Wein, der zugleich dicht und gehaltvoll ist. Insgesamt sieben Mosel- Auslesen kamen unter die besten zehn des Landes. Kein anderes Anbaugebiet verfügt über eine solche Phalanx an Spitzen- Weingütern wie die Mosel. Das gilt nach wie vor, obwohl mit Reinhold Haart und Dr. Loosen zwei Erzeuger aus dem Olymp der Fünf-Trauben-Betriebe absteigen mussten. Fritz Haag, Egon Müller und Joh. Jos. Prüm bilden nun das Triumvirat der weltbesten Weinerzeuger an der Gebietsspitze. Ihm folgen elf Weingüter mit vier Trauben, wobei Clemens Busch einziger Aufsteiger in diesen erlauchten Kreis ist. Der Pündericher Winzer hatte bereits in den Vorjahren seine Klasse gezeigt, als er die beste Riesling Auslese und den besten edelsüßen Riesling des Landes stellte. Im Jahrgang 2008 überzeugte nun die gesamte Kollektion ohne Ausnahme. In keiner anderen Region ist das Mittelfeld im Traubenbereich so stark wie an Mosel, Saar und Ruwer. 32 Erzeuger mit drei Trauben, sogar 42 Güter mit zwei Trauben sind der Beleg für die hohe Qualitätsdichte in diesem Anbaugebiet. Becker-Steinhauer und Weiser-Künstler freuen sich über drei Trauben, sechs Güter sind neu in der Zwei-Trauben-Klasse. Gleich elf Erzeuger haben den Aufstieg in die Traubenklasse geschafft, sechs mussten aber auch absteigen.

Nahe:

Der »Winzer des Jahres« kommt diesmal von der Nahe. 1995 übernahm Tim Fröhlich im Bockenauer Weingut Schäfer-Fröhlich die Verantwortung im Keller. Seitdem ist das mustergültige Riesling-Gut auf Gipfelkurs. »Nur wenige stellen Jahr für Jahr eine so großartige Reihe an trockenen und edelsüßen Spitzenweinen vor«, begründet Chefredakteur Joel Payne die hohe Auszeichnung. Sie gilt auch der ganzen Familie Fröhlich, die das Gut vorbildlich nach vorn gebracht hat. Aus der Hauslage Bockenauer Felseneck ist ein Juwel geworden, das Jahr für Jahr durch phantastische Rieslinge neuen Glanz erhält. Gäbe es den Titel »Einsteiger des Jahres«, so ging er an das Schlossgut Diel in Burg Layen. Noch nie ist ein Weingut quasi aus dem Stand direkt in die Vier- Trauben-Riege gesprungen. Die Erklärung ist einfach: Weil Weingutsbesitzer Armin Diel Chefredakteur des Gault Millau WeinGuide war, wurde 16 Jahre lang auf die Bewertung seines Gutes und seiner Weine verzichtet. Nach Diels Rückzug aus der Redaktion im Sommer diesen Jahres verstärkt das Schlossgut nun die Nahe-Spitze im WeinGuide: Neben Dönnhoff und Emrich-Schönleber mit je fünf Trauben gehören Dr. Crusius, Diel und Schäfer-Fröhlich zur Führungsgruppe. Seite 9 von 13 Insgesamt 12 Weine konnten Nahegüter in diesem Jahr in den bundesdeutschen Spitzenreiter-Listen platzieren. Aber es sind nur drei Weingüter, aus denen diese Ausnahme-Gewächse kommen.

Gleich mit zwei seiner grandiosen Sekte auf Champagner-Niveau trumpfte das Schlossgut Diel auf: Die Cuvée »Mo« wurde sogar Siegersekt des Jahres. Die beste Riesling Spätlese 2008 kommt vom »Winzer des Jahres«. Die Goldkapsel-Spätlese aus dem Bockenauer Felseneck setzte sich unangefochten an die Spitze. Doch stellt Schäfer-Fröhlich noch zwei weitere Weine in der Top Ten. Emrich-Schönleber schoss den Vogel bei den Edelsüßen ab. Mit seinem Monzinger Halenberg Eiswein Goldkapsel konnte nur Schäfer-Fröhlich mithalten. Die beiden Nahe-Spitzenbetriebe verwiesen die starke Konkurrenz vor allem aus dem Rheingau auf die Plätze. Von Auf- und Abstiegen blieb das kleine Weinbaugebiet in diesem Jahr verschont. Dennoch hat die Redaktion einige Extra-Lorbeeren verteilt. So gelten Jakob Schneider in Niederhausen (drei Trauben), Bamberger in Meddersheim, die Hahnmühle in Mannweiler-Cölln und die Gutsverwaltung in Niederhausen (je zwei Trauben) sowie die Gebrüder Kauer in Windesheim (eine Traube) als besonders engagiert in ihrer jeweiligen Klasse. Neu mit einer Traube sind Schild in St. Katharinen, Karlheinz Schneider in Bad Sobernheim und Schömehl in Dorsheim. Insgesamt 39 Betriebe haben die Autoren ausführlich beschrieben und deren Weine bewertet, 20 weitere werden empfohlen.

Pfalz:

Die meisten trockenen Top-Rieslinge kommen im Jahrgang 2008 aus der Pfalz. Das haben umfangreiche Verkostungen für den Gault Millau WeinGuide 2010 ergeben. An der Spitze dieser außerordentlichen Qualitätsbewegung steht das Weingut Dr. Bürklin-Wolf in Wachenheim, das für die beste »Kollektion des Jahres« ausgezeichnet wurde. »Seit Jahren arbeitet man in diesem Pfälzer Traditionsgut intensiv daran, die Eigenart der großartigen Riesling-Lagen in Deidesheim, Forst und Wachenheim herauszuarbeiten. So entstehen einmalige Weinpersönlichkeiten «, lobt Chefredakteur Joel Payne. Nirgends ist es leichter, günstig an beste Qualitäten zu kommen, wie in Deutschlands zweitgrößtem Anbaugebiet, das sich von Grünstadt im Norden bis Schweigen an der französischen Grenze erstreckt. Der Jahrgang 2008 hat zugleich einen Stilwechsel herbeigeführt. „Die besten trockenen Rieslinge wurden endlich wieder zu reifen, aber zugleich auch eleganten Weinen, wie man es vom Riesling erwartet“, berichtet Payne. Während der Riesling also über weite Strecken brilliert hat, war 2008 nicht gerade ein besonders gutes Burgunderjahr. Allenfalls einige Chardonnays genügen gehobenen Ansprüchen. Anders sieht es bei den 2007 er Spätburgundern aus. Zwar dominiert hier mehr denn je Friedrich Becker aus Schweigen mit seinen Weltklasse-Weinen das Feld. Doch dahinter gruppieren sich zahlreiche Betriebe, die mit immer besseren Spätburgundern auf den Markt drängen.

Erneut stellt die Pfalz den besten Rotwein in ganz Deutschland. Trotz aller Bemühungen der badischen Konkurrenz trägt Friedrich Becker zum siebten Male in Seite 10 von 13 Folge diese Ehrung nach Hause. Diese Leistung ist ohne Beispiel in der 17- jährigen Geschichte des WeinGuide. Weiterhin führt Hansjörg Rebholz in Siebeldingen die Phalanx der Spitzenbetriebe der Pfalz alleine an. Dem einzigen Fünf-Trauben-Betrieb folgen zehn Vier- Trauben-Güter, wobei Becker und Bürklin-Wolf die Nase in dieser Gruppe vorn haben. Den Sprung in die Drei-Trauben-Kategorie schafften Schuhmacher in Herxheim am Berg und Spindler in Forst. In die Zwei-Trauben-Klasse vorgerückt sind Dengler-Seyler, Lidy, Rings und Wageck-Pfaffmann. Biffar und Siegrist mussten leider absteigen. Insgesamt drei neue Betriebe wurden in die Traubenklasse aufgenommen: der Bärenhof in Bad Dürkheim-Ungstein, Jürgen Heussler in Rhodt und Rudi Möwes in Weyher. Insgesamt zählen die Autoren 87 Erzeuger zu den Traubenbetrieben. Außerdem werden 34 weitere Betriebe empfohlen.

Rheingau:

Die Verkostungen des Gault Millau-Teams im Rheingau glichen einer spannenden Berg- und Talfahrt, berichtet Chefredakteur Joel Payne. Die vielfältigen Lagenunterschiede seien im Jahrgang 2008 gut erkennbar gewesen – und vor allem der Lesezeitpunkt. Nur wer die Trauben spät erntete, konnte auch im Rheingau von Eleganz, Finesse und mineralischem Spiel geprägte Weine mit reifer Säure keltern. Generell waren die Berglagen den flussnahen Weinbergen im mittleren Rheingau überlegen, da sie die feuchte Witterung besser wegstecken konnten als die von Lösslehm geprägten Lagen in Nähe des Rheinufers. Besonders in den steilen Hängen im Westen der Region konnten gesunde und vollreife Trauben gelesen werden. Endlich gab es wieder einmal trockene Rieslinge mit moderatem Alkoholgehalt. Wann hatte man zuletzt so viele Erste Gewächse mit einem Alkoholgehalt von 12,5 Prozent probiert? Teilweise gehen die Gradationen bis auf elf Volumenprozent zurück, in Einzelfällen sogar bis auf 10,5 Prozent Alkohol. Doch nicht alle diese Weine gehören zur Gebietsspitze.

An der Spitze der Region festigt das Weingut Weil mit einer beachtlichen Kollektion seine Führung, bei der die Edelsüßen mit zu den besten des Landes zählen. In der Hitliste der besten Rheingauer Weine finden sich zudem viele aus Rüdesheim. Allen voran konnten Leitz und Breuer aus ihren Steillagen großartige Rieslinge keltern. Allein von diesen drei Gütern landeten neun Weine in den Spitzenreiterlisten. Die Autoren sehen Leitz derzeit als Primus inter pares bei den Vier- Trauben-Betrieben. Schloss Schönborn bestätigt mit einer beachtlichen Anzahl hochwertiger trockener und fruchtiger Rieslinge seinen Status. Ebenso konnte Schloss Johannisberg in der Spitze Akzente. Der Rotweinspezialist Kesseler überzeugte auch mit zwei Erste-Gewächs-Rieslingen. Gunter Künstler meldet sich mit einer Kollektion ohne Schwächen in der Spitze der Region eindrucksvoll zurück. Auch Peter Jakob Kühn kann mit seinen Lagen-Rieslingen sowie glanzvollen edelsüßen Spitzen überzeugen. Seite 11 von 13 Mit einer bemerkenswerten Kollektion schaffte das Staatsweingut Kloster Eberbach den Aufstieg in die Drei-Trauben-Klasse, ebenso wie Graf von Kanitz, der vor allem mit seinen Lorcher Kabinett- und Spätlese-Weinen Aufmerksamkeit erregte. Die Rückkehr auf zwei Trauben schaffte Altenkirch mit mineralisch betonten Weinen. Der Sprung in die Traubenwelt gelang gleich vier Weingütern: Laquai aus Lorch, dem Weingut George aus Geisenheim (mit Rüdesheimer Lagen) sowie den beiden Oestrich-Winkelern Hans Theo Eser und Manfred Egert.

Rheinhessen:

Im Jahrgang 2008 sind die Spitzenwinzer im größten Anbaugebiet Deutschland „dem Reiz der späten Reife“ verfallen, heißt es im Gault Millau WeinGuide 2010. Nach zahlreichen Verkostungen steht für den Chefredakteur Joel Payne fest: »Viele 2008er sind besser als ihre hoch gelobten Vorgänger aus dem Jahrgang 2007«. Wer Riesling mit beherztem Spiel und vitaler Frische suche, der sei beim Jahrgang 2008 in Rheinhessen goldrichtig, haben die Verkoster in zahlreichen Sitzungen herausgefunden. Belohnt wurden im Herbst 2008 aber nur jene Winzer, die auch etwas riskierten. Denn erst spät pendelte sich die meist noch hohe Säure auf ein optimales Niveau ein. Wer die Geduld verlor, hat oft unreifes Lesegut zu Weinen verarbeitet, denen die Aromatik fehlt und die apfelig-grün schmecken. Oft wurde deshalb im Keller versucht, die Schwächen durch Eingriffe zu kaschieren. Den strengen Verkostern des Gault Millau aber ist dies nicht entgangen. Doch nicht nur viele 2008 Weißweine schnitten überdurchschnittlich ab, auch etliche Rotweine aus dem Jahrgang 2007 haben die Verkoster beeindruckt. »Beim Rotwein scheint dieser Jahrgang in Rheinhessen den Durchbruch in eine neue Klasse zu markieren«, heißt es im neuen Gault Millau. Auch beim Silvaner, einer alten Domäne dieser Region, hat das Team des Gault Millau viele erstaunliche Exemplare probiert. Dazu sprießen zahlreiche talentierte Jungwinzer wie Pilze aus dem Boden. Noch nie wurden in dem Gebiet so viele erste Trauben vergeben wie in diesem Jahr: 15 Stück. Unter den Neulingen ist auch Eva Vollmer aus Mainz, die »Entdeckung des Jahres« im diesjährigen Gault Millau. »Die Mainzer Powerfrau geht selbstbewusst zu Werke und beherrscht die Rebsortenpalette vom vitalen Riesling bis zum vibrierenden Weißburgunder«, heißt es in der Laudatio.

Groß ist auch die Zahl der Aufsteiger in diesem Jahr. So konnten sich Manz, Riffel und Sankt Antony auf drei Trauben verbessern, Brüder Dr. Becker, Fleischer, Johanninger, Schembs, Stallmann-Hiestand, Teschke und Thörle sich jeweils über die zweite Traube freuen. An der absoluten Spitze der Region haben sich die Kräfteverhältnisse indes nicht verändert. Einsam vorne mit fünf Trauben steht Keller aus Flörsheim-Dalsheim, mit vier Trauben folgen Wagner-Stempel und Wittmann. Seite 12 von 13 Insgesamt 82 Trauben-Betriebe werden ausführlich beschrieben. 52 weitere sind als »empfehlenswert« eingestuft, darunter einige Neulinge.

Saale-Unstrut:

2008 ist einer der inhomogensten Jahrgänge der letzten Dekade. »Durch den schwierigen Witterungsverlauf stehen an Saale und Unstrut dünne Weine mit wenig Extrakt und kräftiger Säure Weinen mit reifer Struktur gegenüber«, hat der Chefredakteur des Gault Millau WeinGuide, Joel Payne, ermittelt. Platzhirsch im Gebiet bleibt Bernard Pawis, der in den letzten Jahren stets seine Qualitäten verbessern konnte und mit den Großen Gewächsen zeigt, was momentan in der Region möglich ist. Dieses Jahr hat nach Feststellung der Gault Millau-Redaktion allerdings Uwe Lützkendorf mächtig Boden gut machen können. Seine Kollektion bringt einen großen Qualitätssprung. Aber auch André Gussek habe mit seinen Weinen die Bewertungen der letzten Jahre bestätigt, wissen die Tester. Gussek erzeugt zudem die besten Rotweine im Gebiet. Etwas schlankere Weine stellte Klaus Böhme vor, der sich auf gutem Niveau behaupten konnte. »Leider gelang es diesmal keinem Betrieb in die Ein- Trauben-Kategorie vorzudringen«, bedauert die Redaktion. Das Weingut Kirmann am Harzrand bleibt einziger Vertreter dieser Klasse. Insgesamt fünf Erzeuger wurden mit Trauben ausgezeichnet. Weitere zehn Betriebe halten die Autoren für empfehlenswert. Den größten Qualitätssprung unter den empfehlenswerten Betrieben hat sicherlich das Landesweingut Kloster Pforta gemacht. Hier scheinen sich die personellen Veränderungen langsam auszuwirken. Aber auch Betriebe wie Herzer oder Frank Böhme sind auf einem gutem Wege.

Sachsen:

Nach Jahren der guten und sehr guten Jahrgänge sahen sich viele Winzer Sachsens einem eher normalen Jahrgang 2008 gegenüber. Viele früh gelesene Weine zeigen zumeist wenig Extrakt und weisen mitunter kräftige Säure auf. Dies ist das Fazit des Herausgebers des Gault Millau WeinGuide, Joel Payne: »Nur wer mit der Ernte gewartet hat, wurde mit mineralisch-fruchtigen Weinen von zwar schlankerer Struktur, aber mit reiferer Säure belohnt.« Wer in diesem schwierigen Jahrgang das Niveau von 2007 halten konnte, gehört zu den Gewinnern. Die wohl beste Kollektion des Jahrgangs 2008 kommt vom Weingut Klaus Zimmerling. Schon die Basisweine haben viel Nerv, loben die Tester des Gault Millau. Das größte Privatweingut der Region, Schloss Proschwitz, konnte nach Überzeugung der Redaktion das hohe Niveau der Basisweine halten, doch fehle in der Spitze diesmal ein wenig der Glanz. Martin Schwarz konnte ebenso an den Vorjahrgang anknüpfen wie das Staatsweingut Schloss Wackerbarth. Bei den jungen Weingütern zeigen sich vor allem Friedrich Aust und Frederic Fourré verbessert. Auch das Weingut Drei Herren hat seine gute Qualität gehalten. Karl-Friedrich Aust und Vinzenz Richter runden die Ein-Trauben- Kategorie Seite 13 von 13 ab.

Württemberg:

Im Ländle haben die strengen Tester des Gault Millau WeinGuide eine stattliche Anzahl wirklich großer Rotweine aus 2007 probiert. Chefredakteur Joel Payne weist aber auch auf ein Problem hin: Nahm man es früher mit der Reife der Trauben nicht so genau, versuchten heute vor allem Winzer aus der zweiten Reihe alles aus dem Lesegut herauszuholen. Das führt nicht selten zu Alkoholgehalten jenseits von 14 Volumenprozent, was der Trinkfreude abträglich ist. Auch ein übermäßiger Einsatz von neuem Holz steuert seinen Teil dazu bei, dass mancher Rote aus Württemberg heute wirkt wie ein Wein aus der Neuen Welt. Die Phalanx der Top-Genossenschaften ist weiter gewachsen. Dort bekommt man für weniger als fünf Euro animierende Trinkweine, die auch höheren Ansprüchen durchaus genügen, heißt es im neuen WeinGuide. Bestes Beispiel sind für die Redaktion die Weingärtner in Cleebronn-Güglingen, die erstmals mit einer Traube ausgezeichnet wurden. Neue Trends haben sich etabliert, aber auch Klassiker werden wiederbelebt. So wird der Muskattrollinger, ausgebaut als frischer Rosé-Sommerwein, immer beliebter. Und das Viertele Trollinger scheint wieder an Zuspruch zu gewinnen.

Im neuen WeinGuide werden die besten Trollinger und dazu die am höchsten bewerteten Lemberger in eigenen Hitlisten zusammengestellt. Gert Aldinger und Rainer Schnaitmann führen mit jeweils vier Trauben weiterhin die Hitliste der Region an. Jürgen Ellwanger und Hans Haidle hält die Gault Millau- Redaktion für die Spitze in der Drei-Trauben-Kategorie. Dorthin aufgeschlossen hat das Staatsweingut Weinsberg. In die Riege mit zwei Trauben sind die Güter Heid und Sonnenhof aufgestiegen. Und ihre erste Traube haben neben Cleebronn-Güglingen Graf Bentzel-Sturmfeder und Birkert ergattert.

Gault Millau WeinGuide Deutschland 2010, 902 Seiten, 29,95 Euro, Christian Verlag, www.gaultmillau.de