18. November 2010

Gault Millau Weine aus Baden 2011

Baden: Bercher zurück in der Vier-Trauben-Riege

Bei den ersten Fassproben der strengen Gault Millau-Verkoster deutete sich bereits an: Das letztjährige Traumpaar von 2007er Rotweinen und 2008er Weißweinen findet mit 2008 und 2009 eine kongeniale Nachfolgepaarung.

Kein Wunder also, dass dieser kleinklimatische Glücksfall Badens Winzer zu Höchstleistungen anstachelte, finden Otto Geisel und der Chefredakteur des Gault Millau WeinGuide, Joel Payne.

An seine früheren Höchstleistungen kann auch das Weingut Bercher in Burkheim anknüpfen. Das homogenste Sortiment - weiß wie rot - stellte dieses Jahr Familie Bercher vor, eine grandiose Leistung, die der Redaktion vier Trauben wert ist. An glanzvolle Tage erinnert auch das Weingut Dr. Heger in Ihringen. Joachim Heger konnte, ebenso wie Bercher, gleich zwei Burgunderweine unter den jeweils besten zehn des ganzen Landes platzieren.

Diese Ausnahmeleistungen konnte nur noch einer toppen: Bernhard Huber, der wieder einmal unter Beweis stellte, dass er nicht ohne Grund mit fünf Trauben an der Gebietsspitze rangiert. Der Malterdinger Rotweinmagier brach nach sieben Jahren die Pfälzer Dominanz an der deutschen Spätburgunder-Spitze. Sein phänomenales Großes Gewächs aus dem Hecklinger Schlossberg hatte in der Bundesfinalprobe letztlich die Nase vorn - und mit 96 Punkten auch noch ein Traumergebnis eingefahren. Zudem kamen noch zwei weitere 2008er Spätburgunder von Huber unter die besten zehn des Landes.

Noch größer aber war die Sensation bei den weißen Burgunderweinen. Vorbei an den großartigen Gewächsen von Bercher und Heger und der starken Konkurrenz aus der Pfalz schoss ein Badener Betrieb ganz an die Spitze, mit dem im Seite 5 von 14 Vorfeld keiner gerechnet hatte. Martin Waßmer aus Bad Krozingen-Schlatt landete mit seiner trockenen Spätlese vom Chardonnay aus der weithin noch unbekannten Lage Dottinger Castellberg den großen Überraschungsschlag und fand sich auf Rang eins wieder.

Schöne Entdeckungen zu machen gibt es bei vielen Genossenschaften mit blitzblanker Aromatik bei feinen, süffigen Weißweinen (Auggen), stoffigen Rotweinen (Sasbach) und mit besonders gut gelungenen edelsüßen Raritäten (Durbach). Fündig kann der Weinfreund bereits bei den »weiter empfehlenswerten Betrieben« werden, denn auch hier war das Preis-Leistungsverhältnis wohl noch nie so gut, haben Otto Geisel und Joel Payne festgestellt.

Der betörendste Süßwein des Jahres ist eine Scheurebe Beerenauslese aus Durbach! Er stammt aus dem Gut von Wolff-Metternich und zwar aus der Lage Schloss Grohl, woher in den 60er und 70er Jahren regelmäßig prächtige Edelsüße kamen. Der begehrteste Wein Badens aber stammt aus einer Sorte, die bei Weinkennern als Massenware verschrien ist: Bernhard Hubers Müller-Thurgau gibt es nur in der Magnumflasche und ist inzwischen so begehrt, dass er schon subskribiert wird!

Aufsteiger auf drei Trauben sind Schloss Staufenberg des Markgrafen von Baden sowie Burg Ravensburg. Mit zwei Trauben dürfen sich nun DZ Danner, Hermann und Zalwander schmücken. Insgesamt fünf Neulinge begrüßt die Redaktion unter den Traubenbetrieben: Bosch, Schloss Eberstein, Gebrüder Müller, Winzergenossenschaft Sasbach und Hubert Vollmer.

Insgesamt werden im neuen Gault Millau WeinGuide 91 Erzeuger aus Baden ausführlich dargestellt, weitere 33 Betriebe gelten als empfehlenswert.

Die Sieger Deutschland 2011