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20. Juli 2009

Gault Millau Weinguide wird transparent

Jetzt kommt die eigentliche Revolution: nach dem Rücktritt Armin Diels als Chefredakteur des GAULT MILLAU WeinGuides haben sich am Wochenende der neue Chefredakteur Joel Payne und der Winzer Reinhard Löwenstein als Vertreter der Unterzeichner des Offenen Briefes zu einer Aussprache zusammengefunden. Das Ergebnis ist ein transparenter Gault Millau und ein Erfolg der Winzer

Im offenen Gespräch wurden alle Positionen und zu diskutierenden Punkte bezüglich der Debatte um den Gault Millau WeinGuide angesprochen. Die Wein & Gourmetwelten veröffentlichen im folgenden die Gesprächsnotiz, die Reinhard Löwenstein, Joel Payne und Clemens Hahn (Programmleiter Christian Verlag) gemeinsam aufgesetzt haben. 

Gesprächsnotiz:

 Am 18. Juli haben sich Reinhard Löwenstein als Vertreter der Unterzeichner des Offenen Briefes sowie Joel Payne (Chefredakteur GAULT MILLAU WeinGuide) und Clemens Hahn (Programmleiter im Christian Verlag) zu einer Aussprache zusammengefunden. In einer sehr offenen Gesprächsatmosphäre kamen all die Themen zur Sprache, die beiden Seiten unter den Nägeln brennen:

1. Kommunikation und Medien

Der Vertreter der Winzer bedauert, dass einige Äußerungen durch Pressevertreter in der Öffentlichkeit so interpretiert wurden, als sei der GaultMillau WeinGuide (GMW) bestechlich und der Weinjournalismus in Deutschland käuflich. Er distanziert sich ausdrücklich von dem Vorwurf, man müsse für gute Bewertungen im GMW zahlen.

Der Verlag und die Chefredaktion bedauern einige öffentliche verbale Entgleisungen von GaultMillau-Verkostern.

2. Verkostungen und Bewertungen

Die Chefredaktion stellt sicher, dass Verkostungen nicht mehr in Weingütern stattfinden und dass bei Verkostungen keine Winzer anwesend sind. Herr Diel nimmt an keinen Verkostungen mehr teil und hat nach seinem Rücktritt als Chefredakteur keinen Einfluss mehr auf den Inhalt des GMW.

Mehr Transparenz wird auch bei der Vergabe von Trauben geschaffen. Differenziertere Beschreibungen der Arbeit der einzelnen Weingüter stehen ohnehin auf der Agenda der Chefredaktion. Allerdings wird das - allein schon der recht weit fortgeschrittenen Arbeit am GMW 2010 wegen - nur schrittweise realisiert werden können; insbesondere verbale Beschreibungen einzelner Weine werden in der kommenden Ausgabe des GMW noch nicht umzusetzen sein.

Zunächst strittig bleibt die Bewertung der Betriebe mit einer bestimmten Anzahl an Trauben. Viele Winzer sind der Auffassung, dass ein Kulturgut wie Wein - ähnlich wie Literatur oder bildende Kunst - nicht mit Schulnoten bewertet werden kann. Abgesehen davon, dass Verlag und Chefredaktion eine solche Struktur als Wegweisung für den Leser notwendig erachten, machten sie deutlich, dass dies zum Kern der internationalen Marke GAULT MILLAU gehört und nicht einseitig ohne Abstimmung mit dem französischen Markeninhaber und Lizenzgeber verändert werden kann. Sie erklären sich aber ausdrücklich bereit, über die Kriterien für die Vergabe von Trauben in eine ergebnisoffene Diskussion einzutreten.

3. Teilnahmegebühr und Marketingpaket

Der Verlag erklärt noch einmal ausdrücklich, dass die Entrichtung der "Teilnahmegebühr" und die damit verbundene Buchung des "Marketingpaketes" absolut freiwillig sind und keinerlei Einfluss auf die Bewertung eines Weingutes und seiner Weine im GMW haben. Er bedauert, dass das entsprechende Angebot unpräzise formuliert wurde. Er sieht sich zwar außer Stande, dieses Angebot für den GMW 2010 zurückzuziehen, wird aber im kommenden Jahr ein neues Angebot unterbreiten, welches er im Vorfeld mit den Winzern abstimmen wird.

4. Fortsetzung des Dialogs

Alle Beteiligten sind sich einig, dass ein solches erstes Gespräch nicht die Lösung aller strittigen Fragen bringen konnte und fortgesetzt werden sollte. Neben Folgetreffen bietet der Verlag als Forum hierfür auch die Website des GaultMillau (nach deren Überarbeitung im Herbst) sowie die Buchausgabe selbst an, wo z.B. das Pro und Contra von Bewertungskriterien diskutiert werden könnten.

 

Kommentar von Niko: Das ich dergleichen in der verkrusteten Weinführer-Szene noch erleben darf, wow! Das ist Transparenz pur und ein grandioser Erfolg der 14 Winzer, die mit ihrem Öffentlichen Brief diese Revolution ausgelöst haben, Chapeau!

Das Unbehagen vieler Winzer über den Verkostungsmodus des Gault Millau kann so Schritt für Schritt ausgeräumt werden. Alle Winzer, die ihre 14 Kollegen teilweise vehement kritisiert hatten, müssen nun umdenken und können sich über das Erreichte freuen. Inzwischen haben sich weitere 16 Spitzenwinzer diesem Brief angeschlossen.

Die Verantwortlichen des Gault Millau Weinguide zeigen mit dieser Entscheidung souveräne Größe. Das ist ein wunderbar transparenter Weg, der von beiden Seiten zukünftig beschritten werden kann.

Und vielleicht lässt sich ja auch der Gault Millau Restaurant-Guide von der Debatte beeindrucken. Transparenz hätte auch dieser dringend nötig!

Zu den Hintergründen

Zur Seite der 14 Winzer