REISE
05. März 2011

Gay Life in Amsterdam

Amsterdam will mehr Homosexuelle locken und geht damit in Konkurrenz zu Berlin

Der Rathaussaal an der Amstel war festlich erleuchtet. Kurz nach Mitternacht traten drei heiratswillige Paare ein - zwei männliche und ein weibliches. Was dann vor laufenden Kameras besiegelt wurde, waren die weltweit ersten standesamtlichen Eheschließungen von Schwulen und Lesben. «Amsterdam ist damit wirklich zur Homo-Hauptstadt der Welt geworden» sagte der damalige Bürgermeister Job Cohen nach der Zeremonie am 1. April 2001.

Zehn Jahre später nutzt die alte Grachtenstadt das Jubiläum, um ihr Image als ultimatives Regenbogen-Reiseziel aufzupolieren. Es war in den vergangenen Jahren ein wenig verblasst. Pöbeleien gegen Schwule - ausgerechnet im Nightlife-Viertel um den Rembrandtplein - und auch der Bankrott der weltweit ersten Homo-Haschisch-Kneipe «Downtown» am Szene-Boulevard Reguliersdwarsstraat hatten dem Ruf geschadet.

Inzwischen wurde der Schutz für Nachtschwärmer im Grachtengürtel der Innenstadt wirksam verstärkt, auch durch Streifenpolizisten in Zivil. Und um die ohnehin gute homotouristische Infrastruktur zu verbessern, wurde ein staatliches Förderprogramm für das Gastgewerbe und den Einzelhandel aufgelegt.

«Dass Amsterdam als 'Gay Capital of the World' glänzt, liegt doch in unser aller Interesse», sagt der zuständige Stadtverordnete Iman Akel. Er verweist auf den alten Kaufmannsgeist der Hafenstadt: «Schließlich gibt ein homosexueller Tourist bei uns erfahrungsgemäß im Durchschnitt 30 Prozent mehr aus als ein heterosexueller.»

Kein Wunder, dass Schwule und Lesben aus aller Welt bei Amsterdams Hoteliers, Gastronomen und Ladenbesitzern gern gesehen sind - zumal die Stadt schon seit Jahrhunderten für eine entspannte und tolerante Lebenseinstellung ihrer Bürger berühmt ist. Laut Amsterdam-Werbung gibt es nirgendwo sonst in Europa «pro Quadratmeter ein so großes Vergnügungsangebot für Schwule und Lesben» wie hier.

Dabei ist das «Gay Life» in der mit rund 800 000 Einwohnern eher kleinen Weltmetropole keineswegs auf ein «rosa Ghetto» beschränkt, es ist überall in der Innenstadt zu Hause. «Wir haben mehr als 100 Schwulenbars, Saunen, Diskotheken, Escortservices, Clubs und Homo-Hotels in verschiedensten Stilen und Preislagen - und weil die Stadt nicht zu groß ist, sind alle leicht zu Fuß erreichbar», sagt Toni de Goede im GayTIC.

Die Abkürzung steht für das Gay Tourist Information Centre in der Spuistraat. Es gehört zur offiziellen Tourismus-Vereinigung und hilft seit 2009 beim Organisieren von Amsterdam-Reisen. Über die Website gaytic.nl können sich Besucher gratis Pakete mit Informationen über Veranstaltungen, Stadtwanderungen und Szeneadressen zusammenstellen lassen. Natürlich umfasst der Service nicht allein «rosa Themen», sondern das gesamte Spektrum des Amsterdam-Tourismus vom Rijksmuseum mit Rembrandts «Nachtwache» bis zum Besuch der Heineken-Brauerei.

Wer die Höhepunkte des Amsterdamer Schwulen-Kalenders miterleben will, muss im Hochsommer oder im Winter kommen. Im August tuckert zum Abschluss der «Gay Pride»-Woche der bunte Schiffskorso von Schwulen und Lesben durch die Kanäle, Hunderte Teilnehmer und Zehntausende Schaulustige sind dabei. Und in der Adventszeit lockt der Weihnachtsmarkt «Pink Christmas» - samt Krippenspiel mit Schwulen und Lesben als Darstellern. (Thomas Burmeister, dpa)

Informationen: Niederländisches Büro für Tourismus, Postfach 27 05 80, 50511 Köln, Tel: 0221/92 57 170, niederlande.de

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