Wein
31. März 2012

Generation Riesling ist Kult

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Interview mit Frank R. Schulz vom Deutschen Weininstitut (DWI)

Anfang der Woche waren knapp 30 Winzer der Generation Riesling des Deutschen Weininstituts (DWI) in Berlin zu Gast. Über 400 Besucher fanden sich im Hotel Ellington ein, tags zuvor fand das get together in der Riesling Lounge des Restaurant Mesa im Hotel Grand Hyatt statt. Die Fachseminare mit Billy Wagner aus der Weinbar Rutz waren überbucht. Wir sprachen über den neuen Kult der Generation Riesing mit Frank R. Schulz vom DWI.

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WEIN & GOURMETWELTEN: Wie erklären Sie sich den Erfolg der Generation Riesling Initiative?

Frank R. Schulz: Alles beruht auf Freiwilligkeit. Das kommt gut an und sorgt für eine positive Grundstimmung. Nach dem ersten überregionalen Treffen im Jahr 2009 mit knapp 80 Teilnehmern hat die Initiative an Dynamik stark zugelegt. Die offene Vereinigung junger Verantwortungsträger bis 35 Jahre wuchs schnell auf derzeit 350 Winzer.

Und noch ist kein Ende in Sicht, auch wenn uns natürliche Grenzen gesetzt sind. Zurzeit haben wir viel mehr Bewerber pro Termin als wir mitnehmen können. Ein gutes Zeichen. Die Teilnehmer wissen, dass während der Präsentationen vor Fachpublikum immer die Chance besteht, entdeckt zu werden. Manchmal genügt eine Erwähnung in einem Zeitungs- oder Online-Artikel, um den Absatz zu beflügeln.

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Geht es den Teilnehmern nur um Absatz oder auch um Lebensgefühl?

Frank R. Schulz: Im Vordergrund muss immer das existentiell wichtige Absatzinteresse stehen. Die Aktiven der Generation Riesling schaffen es aber auch, ein positives Lebensgefühl, Lifestyle und eine gute Stimmung zu transportieren. Das kommt an. US-Amerikaner an Ost- und West-Küste finden es schick, deutschen Riesling zu trinken. Das hätten wir ohne die mühsam erarbeiteten Weinqualitäten und ohne das Charisma und die Authentizität der Generation Riesling nie geschafft.

Aber die Positiv-Wirkung entfaltet sich auch umgekehrt. Die spürbare Begeisterung für Weinland Deutschland, nicht nur in den USA, Benelux-Ländern und Skandinavien, sondern überall auf der Welt, beflügelt wiederum die Winzer hierzulande. In digitalen, beschleunigten Zeiten wirken kommunikative Erfolge viel schneller grenzüberschreitend als noch vor 20 Jahren. 

Wo spielt auf den Exportmärkten für Jungwinzer die Musik?

Frank R. Schulz: Pauschal kann man das nicht sagen. Es ist jedoch auffallend, dass wir immer wieder Anfragen zur Generation Riesling und zu einzelnen Winzern erhalten. Zuletzt aus Hong Kong. Das Geniale am Web ist ja, dass man grenzenlos kommunizieren kann. Mit dem stark visuell geprägten Konzept der Generation Riesling Website kommt die Botschaft auch bei Fremdprachlern an. In der Fangruppe auf Facebook sind beispielsweise auch Mitglieder aus den USA und Asien dabei.

Mosel-Winzer Axel Pauly erzählte während unseres jüngsten Termins in Berlin, dass er vor einigen Jahren bei einem dieser Präsentations-Events in Hamburg mit einem bedeutenden österreichischen Weinhändler in Kontakt kam. Tolle Erfolgsstorys gibt es auch von Anette Closheim und Andi Schneider von der Nahe, Jürgen Krebs aus der Pfalz und Christian Braunewell aus Rheinhessen zu berichten, um nur einige Beispiele zu nennen.

Wertmäßig sind Finnland, Norwegen und die Niederlande zurzeit für Exporte sehr interessant. Asien ist natürlich hochspannend aber auch immer wieder mit Risiken behaftet. Hier lohnt es um so mehr, Rat im DWI einzuholen.

Unter dem Oberbegriff Riesling werden in dieser jungen Initiative auch andere Rebsorten kommuniziert. Kommt das an?

Frank R. Schulz: Sehr gut sogar! Nach unseren Erfahrungen der letzten Jahre hat die kommunikative Konzentration auf eine Leitrebsorte sehr gut funktioniert. Wir konnten dadurch die Markenbildung für unsere im weltweiten Vergleich kleine Weinnation spürbar verbessern. Im Ausland hat diese Erkenntnis Türöffner-Effekte erzielt, denn Riesling wird jetzt als Synonym für Deutschland gesehen.

Die dadurch gesteigerte Aufmerksamkeit für "Wein-Deutschland" insgesamt hat uns in der Folge mehr Publizität bei der medienwirksamen Spätburgunder-Blindverkostung in London beschert. All das schafft eine grundsätzlich gesteigerte Wertschätzung für Weine aus deutschen Anbaugebieten. Im Inland können wir mit der Generation Riesling ein Lebensgefühl kommunizieren, das sich auf alle Rebsorten übertragen lässt. 

generation-riesling.de

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