14. April 2010

Geschmacksachen auf der Slow Food Messe 2010 in Stuttgart

Auf der Slow Food Messe vom 15. bis 18. April in Stuttgart können die Besucher ihren Geschmack schulen

Ein guter Geschmackssinn ist Trainingssache. «Geschmack ist nichts Absolutes, er ist manipulierbar und lässt sich beliebig hinters Licht führen», sagte Hanns-Ernst Kniepkamp vom Verein Slow Food Deutschland im Vorfeld der Slow Food Messe (15. bis 18. April) in Stuttgart.

Wer zum Beispiel über Jahre nur H-Milch trinkt, finde frische Vollmilch beim ersten Probieren eher widerlich - obwohl sie das ursprüngliche, kaum verarbeitete Produkt ist.    

«Der Geschmack lässt sich nur schulen, wenn man ihn lehrt, zwischen zwei Sachen zu vergleichen», erläuterte Kniepkamp. Aus diesem Grund biete der Verein auf der Messe stets sogenannte Geschmackserlebnisse an, die als Geschmacksschulung gedacht sind. «Die Geschmackserlebnisse sind für deutsche Gaumen noch neu.» Denn dabei gehe es nicht darum, sich satt zu essen, sondern Unterschiede zu erschmecken.    

Als Beispiel nennt Kniepkamp Schinken, der einmal mit der Hand und einmal mit der Maschine geschnitten wird. «Bei der Maschine werden die Fasern ganz anders angepackt als beim Schneiden von Hand», sagte er. «Dadurch entfalten sich die Aromen ganz anders.» Das sei aber nur im direkten Vergleich zu schmecken - daher darf kaum Zeit zwischen der Verkostung beider Proben vergehen.    

In diesem Jahr können Messe-Besucher unter anderem zwischen «eingeborenen» und «zugeschwommenen» Fischen vergleichen, genauer: zwischen heimischen Bach- und kanadischen Regenbogenforellen. Letztere wachsen schneller und sind leichter zu halten. «Ihre Fleischkonsistenz ist anders», erklärte Kniepkamp. Das langsamere Wachstum der Bachforellen dagegen bringe ein festeres Fleisch hervor und damit auch einen anderen Geschmack - auch wenn die Form ihrer Haltung und die Art der Fütterung der kanadischen entspricht.    

Slow Food versteht sich als weltweite Vereinigung bewusster Genießer und Konsumenten. Der Verein fördert eigenen Angaben zufolge eine verantwortliche Landwirtschaft und Fischerei, eine artgerechte Viehzucht, das traditionelle Lebensmittelhandwerk und die Bewahrung der regionalen Geschmacksvielfalt. (Nina C. Zimmermann, dpa)