26. August 2009

Gordon Ramsay goes Italy

Der Starkoch, der so gern das F-Wort benutzt, eröffnete erstmals Restaurants in Italien: das erste im mittelalterlichen Fünf-Sterne-Kloster Castel Monastero, das zweite im Luxushotel Forte Village auf Sardinien

Dass Gordon Ramsay gerne das "F"-Wort benutzt, wissen nun auch die Italiener. Das hat folgenden Grund: Ramsay eröffnete Anfang Juli sein erstes Restaurant in Italien.

Besser gesagt: Er ließ es eröffnen. Der Meister am Herd hatte vermutlich keine Zeit, sich sein erstes Lokal in Bella Italia im Fünf-Sterne-Luxuskloster Castel Monastero in der Toskana anzusehen. Er würde erst ein paar Wochen nach der Eröffnung vorbeisehen, bestätigte das Hotel.

Das war vermutlich ein Fehler. Denn was am Anfang im Restaurant geboten wurde, hätte Ramsay in eine F-Wort-Endlosschleife gebracht. Liebloses Service, wenig Geschmack auf dem Teller, die Küche brauchte Starthilfe - vor allem bei den hohen Preisen. Die Vorspeisen der Karte beginnen bei 26 Euro. Die Suppe kostet 32, Primi ab 30, Secondi ab 37 Euro. Für ein dreigängiges Menü legt man locker etwa um die 100 Euro auf den toskanischen Eichentisch.

Also reiste Ramsay dieser Tage in die Toskana, um seine Mannschaft auf Vordermann zu bringen. Er kam, sah und benutzte das F-Wort. Das Ergebnis: Jetzt ist auch Ramsay drin, wo Ramsay draufsteht.

In den Weingärten des Chianti, nur 23 Kilometer von Siena entfernt, liegt das Castel Monastero. Früher ein Kloster, wurde die kleine vollständig erhaltene Ansiedlung aus dem 11. Jahrhundert nach fast einjähriger Umbau- und Renovierungszeit diesen Sommer als Luxus-Country House Resort eröffnet. Herzstück der Anlage ist die mittelalterliche Piazza, um die herum sich die historischen Gebäude anordnen. In der dreistöckigen Turmsuite wohnten früher die Priester und Mönche, heute ist es die Zielgruppe der Amerikaner, Briten, Italiener, Deutschen und auch Russen. "Die aus London, nicht die aus Moskau", wie die Hotelmanagerin betont.

Umgeben ist das ehemalige Kloster, das im Herzen es Ombrone-Tals liegt, von einer vier Hektar großen Grünfläche samt Olivenhainen, Weingärten und Kastanienwäldern. Die insgesamt drei Restaurants im Castel Monastero sind der Tradition italienischen Städtebaus folgend um die Piazza herum angesiedelt. Ramsays Mann am Herd heißt Alessandro Delfanti. Er sammelte bereits Erfahrungen in Melbourne, Dubai sowie in renommierten Restaurants in Italien. Vor seinem Engagement im Castel Monastero leitet Delfanti die Küche bei der Eröffnung des angesagten Restaurants Frankies - Italian Bar and Grill in Shanghai.

Die letzten Monate war Delfanti wie ein Spürhund in der Region unterwegs, um Zutaten und Lieferanten zu finden. Das Castel Monastero bietet auch Kochkurse an - eine Symbiose aus Ramsays "Tante Marie School of Cooking" und der Küche der Toskana. Neben den Trauben und dem Wein des Castel gehören Pecorino aus Fossa, Bottarga (gesalzener, gepresster, luftgetrockneter Rogen der Meeräsche) aus Orbetello und auch Zwiebeln aus Certaldo zu den Grundprodukten des Restaurants. Aber auch das zarte Lamm aus Zeri, das Cinta-Senese, das Fleisch der antiken Schweinerasse, die ausschließlich in freier Natur leben wie auch das weltberühmte Chianina Rind, das nur noch in der Toskana zu finden ist, stehen auf der Einkaufsliste von Delfanti und Ramsay.

Teil zwei der Ramsay-Italien-Erweiterung: Der schottische Meisterkoch eröffnete sein zweites Restaurant im Forte Village Resort auf Sardinien. Eine logische Konsequenz, meinen die Hotelbesitzer, denn für die Gäste der zehnmal in Folge zum "World's Leading Resort" gekürten Luxushotel-Anlage wird auf hohem Niveau gekocht. Bis zu 60 Gäste finden in dem elegant schwarz-weiß ausgestatteten Restaurant auf einer Außenterrasse mit Blick über den weiten Sandstrand des Resorts Platz. Auf der Speisekarte stehen italienische, auch typisch sardische, sowie internationale Gerichte. Zu den Highlights gehören gegrillter Wolfsbarsch mit Mango und Papaya Salsa oder Kalbsbacke vom Chianina-Rind mit Schalotten und Artischocken. Resortgäste zahlen für ein Abendessen einen Preis von 150 Euro.

Zur offiziellen Eröffnung Ende Juli verriet Ramsay einer internationalen Journalistengruppe bei einer Kochdemonstration Tipps zur Zubereitung eines feinen Garnelenrisottos mit knusprigen Fenchelchips. Hier und auch bei seinen anderen Gerichten meinte Ramsay zu den Kochzöglingen: "Je frischer und besser die Zutaten, desto weniger Aufwand ist beim Kochen nötig." Darauf wären wir ohne den Starkoch nie gekommen.

Ihr Connaisseur

Robert Kropf mit Grüßen aus Monastero

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