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27. Dezember 2009

Gottlieb Waschl aus dem Central in Sölden verstorben

Gottlieb Waschl, der Direktor des Hotel Central in Sölden und Erfinder des Events "Wein am Berg" ist kurz vor Weihnachten verstorben

Gottlieb Waschl, langjähriger Direktor des Hotel Central in Sölden ist am 19. Dezember 2009 im 60. Lebensjahr verstorben. Der gebürtige Steirer setzte unter anderem mit dem Event Wein am Berg in Tirol Maßstäbe in der Gourmetszene.

Zu dem Event, das jährlich Ende April/Anfang Mai stattfindet, kommen Spitzenköche und Top-Winzer ins Hotel Central und bescheren den Genießern zur ausklingenden Ski-Saison ein Gourmet-Event auf Welt-Niveau.

Vor einigen Jahren hatte ich das Glück, dabei zu sein. Vor allem eine Verkostung gleicher Weine auf verschiedenen Höhen-Metern war faszinierend:

Weißweine sind in größerer Höhe viel filigraner und ätherischer.

Die Roten wirken unten viel erdiger.

Zur Erinnerung an Gottlieb Waschl und "Wein am Berg" habe ich meinen Text herausgesucht, der Anfang 2007 in der WELT erschien:

Wein auf dem Gletscher 

"Das Blau des Himmels strahlt so intensiv, dass die Sonnenbrille zu zerplatzen droht. Die schneebedeckten Gipfel in großer Entfernung gehören zum Panorama dazu, als wären es deine Freunde seit Jahrtausenden. Die Sonne bricht sich tausendfach im Eis des Gletschers, der Schnee schimmert wie reinste Seide und reinigt die Atemwege. Die Seele dehnt sich über das ganze Panorama aus, umhüllt es und tanzt zwischen den Gipfeln der 3000er.

Wir sitzen vor der Hütte auf dem Giggijoch am Rettenbachferner. Das Glück solcher Momente hält lange nach. Energie tanken pur, Urlaub in seiner reinsten Form, noch Tage später ist diese Kraft da.

Mit den österreichischen Ski-Assen Bernie Gstrein, Günther Mader und Frank Wörndl fahren wir die Touren durch das 50 Kilometer große Skigebiet von Sölden, dem BIG 3-Paradies mit drei Dreitausendern, den mit modernen Liftanlagen erschlossenen Wahrzeichen des weitläufigen Ötztaler Skigebietes.

"Du fährst ja noch den alten Stil", frotzelt Bernie. Es reißt mich aus meinen Träumen. Alter Stil? Okay, das letzte Mal war ich in den Schweizer Alpen zum Skifahren, da lebte Lady Diana noch. Das war Februar 1997. Alter Stil! In den zehn Jahren gab es also eine Ski-Revolution. Weg vom geraden Ski hin zum gebogenen. Es gibt nur noch Carving-Skier, die sind nicht mehr so lang, es gehe jetzt leichter, lockerer und schöner.

Das ist aber noch nicht alles. Eine weitere Entwicklung bahnt sich den Weg in den Alpen. Früher gab es Weizenbier und Spaghetti Bolognese auf der Hütte. Heute wird hier auch Genießen groß geschrieben, ja, richtig Schlemmen sogar.

In Sölden im Hotel Central haben sie dazu das Alpen-Gourmet-Festival Wein am Berg ins Leben gerufen. Schlau diese Österreicher. Zum Saison-Schluss, im Alpenfrühling eine knappe Woche Skifahren, Schlemmen, Wellnessen und natürlich Wein trinken.

Zum Gala-Essen gibt es Wasserbüffel aus dem Nationalpark Neusiedler See und Sika-Hirsch aus dem Tierpark Goldau in der Schweiz, zubereitet von 2-Hauben-Koch Gottfried Prantl, einem der besten Köche Österreichs. Eine ganze Brigade Kollegen sind zu einem kulinarischem Wettstreit eingeflogen: Gerhard Wieser, Albert Hubmann und Felix Episser, Sternekoch aus Zürich.

Noch mehr Wert wird auf den Wein gelegt. Seminare mit österreichs bestem Magazin Falstaff, die Winzervereinigung Renommierte Weingüter Burgenland (rwb) bringt ihre besten Gewächse mit. Den Mariental von Triebaumer, den Steinzeiler von Kollwentz und der Tiglat von Velich -berühmte Namen die die Weinfreunde kennen. Eine tolle Harmonie zwischen den Speisen und den ausgesuchten Weinen.

Weinverkostung in unterschiedlichen Höhenlagen

Alles ist steigerungsfähig. Wir lassen uns auf ein kleines Experiment ein. Nehmen eine Handvoll Weine und Gläser in den Rucksack und machen uns auf Skiern auf den Weg: Weine verkosten auf verschiedenen Höhenmetern.

Erste Station ist im Hotel Central in Sölden (1377 Meter Höhe), dann auf dem Giggijoch in 2284 Meter und auf der Schwarzen Schneid in 3333 Metern.

Schon auf dem Giggijoch werden die Weißweine filigraner und spielerischer. Ein guter Einwand kommt: "Oder ändert sich der Mensch so sehr, dass er die Weine anders wahrnimmt?" Ein kleiner Ausflug in die Heisenbergsche Unschärferelation. In 3300 Meter Höhe (wir haben es nicht ganz bis zum Gipfel auf 3377 geschafft), ist der Unterschied phänomenal. Der geringe Luftdruck lässt die Weine tänzerischer, brillanter, finessenreicher und ätherischer erscheinen. Wunderbar das Spiel der Aromen, es wird verstärkt durch das Gletscherpanorama. Wieder dieses Gefühl von Glück, ein unvergessliches Erlebnis.

Einzig der Rotwein erscheint uns in der Höhe zu leicht. "Down to earth" in Sölden war er runder, fetter, harmonischer - eben erdiger. Aber die Weißen - wer richtet hier eine Gletscher-Bar ein? Mit Weißwein, gut gekühlt wie mit Gletschereis. Denn hier oben herrscht ein physikalisches Prinzip, das die Weinwelt auf den Kopf stellt: Wen ärgert es nicht, das bei uns zuhause im Wohnzimmer der Wein im Glas immer zu schnell warm wird?

Hier oben werden die Weine automatisch kälter im Glas, die Lufttemperatur liegt schließlich zu der Jahreszeit um die null Grad. Wie wäre es nächstes Jahr mal mit einer selbst kühlenden Champagnerprobe auf dem Gletscher?"