REISE, Honza Klein unterwegs
01. August 2015

Griechenland-Krise – welche Krise? Ein Kurzbesuch auf Kreta

Griechenland-Krise – welche Krise? | Ein Kurzbesuch auf Kreta

Der Flughafen ist voll, der Fisch und die Calamari frisch wie immer, der Wein gut und auch der Ouzo danach und davor und zwischendurch ist so wie immer.

Wer in diesen Tagen nach Kreta oder eine der anderen Inseln zum Urlaub kommt wird die Krise nicht finden. Dazu passt die Antwort von alltours-Pressesprecher Stefan Suska auf die Frage eines Kollegen, ob die sehr kurzfristig anberaumte Pressereise so eine Art Krisendiplomatie sei. "Auf gar keinen Fall", meint Suska. Man wollte nur nicht, dass das seit Jahren steigende Griechenlandgeschäft einbricht.

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Immerhin hat alltours ja gerade zu Griechenland eine besondere Beziehung. Wurde doch der Erfolg des Unternehmens Mitte der Siebziger Jahre des vergangen Jahrhunderts mit Griechenlandreisen begründet. Doch das nur am Rande. Mit acht Kollegen habe ich mich auf Kreta umgeschaut.

Das Aldemar Royal Mare - immerhin fünf Sterne zieren die Pforte - in Chersonissos ist gut gefüllt. Urlauber liegen am Strand und am Pool und auch die Mitarbeiter verbreiten nur gute Laune. Doch irgendwo muss sie doch sein - die Krise.

Griechenland-Krise – welche Krise? | Ein Kurzbesuch auf Kreta

Wir fahren ein wenig ab von den touristischen Pfaden der Insel. In die Berge auf die Lassithi Hochebene. Dort oben in einer Höhle ist Zeus geboren. Wer weiß vielleicht würde auch heute ein Gott helfen. Doch das ist Theorie. Die 4000 Bewohner der Ebene haben mit Problemen zu kämpfen. Es kommen nicht so viele Touristen in ihre Gegend. Yannis Stefanakis, der Bürgermeister, will dagegen nun etwas tun.

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Agriturismo ist das Stichwort. Doch das hat wohl weniger mit der Krise als mit verschlafen Chancen zu tun. Oder vielleicht sind diese verschlafen Chancen auch ein Grund für die Krise. In jedem Fall ist Stefanakis überzeugt von Europa. "Wir lieben Europa", sagt er mehrfach. Nun wurde sogar dem Platz vor der Zeushöhle der Name Europa gegeben.

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Allerdings trennt der Politiker. "Europa ist nicht das Geld." Für ihn ist es eher eine Idee. Dazu müsse jeder etwas beitragen. Gefragt wer denn nun aber schuld an der Lage sei, meinte er: "Alle bisherigen Regierungen." Nun brauche es gemeinsame Anstrengungen von Politik, Wirtschaft und Menschen. "Europa ist wie eine Prinzessin und wir alle sind die Prinzen", sagt er zum Schluss.

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Bei der Fahrt von der Hochebene wieder hinunter zum Tal passieren wir den kleinen, malerischen Ort Krasi. Hier scheint die Zeit zu stehen. Um einen dicken Baum in der Ortsmitte, kleine Gassen, Menschen die vor ihren Häusern sitzen, Katzen. Und ein Denkmal. Für Nikos Kazantzakis. Nun ja ich gebe zu, ich musste auch fragen. Aber sein Werk kennt wohl jeder. Egal ob als Buch oder Film: Alexis Sorbas.

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An ihn musste ich denken, als ich später in Heraklion mit Constantinos Mamalakis ins Gespräch komme. Zufällig traf ich den Historiker in einem Café. Gerade habe er seinen Job im Museum verloren, erzählte er. "Die Regierung hat kein Geld mehr gegeben und nur vom Einrittsgeld rechnet sich das nicht." Den Grund in der Krise sieht der Historiker schon nach dem Krieg. Damals bekam auch Griechenland Geld aus dem Marschallplan. "Aber wir haben nichts daraus gemacht", resümiert Mamalakis. Das Geld sei irgendwo versickert.

Ein weiter Grund für die Situation ist für ihn Mentalität seiner Landsleute. "Es wird viel aus dem Gefühl gemacht und erst danach, wenn überhaupt, ein Plan gemacht." Genau wie Alexis Sorbas eben. Er, der Lebenskünstler hat auch zuerst seinen Gefühlen und Instinkten getraut. So ist das Buch von Katzantzakis fast 70 Jahre nach seinem Erscheinen immer noch aktuell.

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Jedoch hat man in den Hotels und auch in der Altstadt von Heraklion nicht das Gefühl von Krise. Die Cafés sind voll, eine Hochzeitsgesellschaft feiert und an den Geldautomaten sieht man kaum Menschen. Keine Schlangen, keinen Ärger. Indes nennt Mamalakis Beispiele an die man wohl kaum gedacht hätte. Er selbst wollte sich beim Internethändler Manufaktum eine Geldbörse kaufen. Für 80 Euro. "Ging nicht" sagt er, weil er keine Auslandsüberweisung tätigen konnte.

Nicht so ein großes Problem. Das indes hat die örtliche Wasserabfüllfirma. "Die Verschlusskappen für die Plastikfalschen kommen aus Frankreich und weil keine Überweisung erlaubt ist, wird es nun mit der Produktion schwierig", erzählt er. Dann nennt er noch den Athener Zoo, der Spezialfutter ebenfalls nicht aus dem Ausland kaufen kann.

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Eine Lösung sieht er in einem Plan. Den müssten jetzt endlich einmal alle politischen Kräfte gemeinsam machen, fordert er. Als erstes müsste da aus seiner Sicht die überbordende Verwaltung bekämpft werden. Aber auch andere Unsinnigkeiten will er bekämpft sehen. "Wir importieren Zitronen aus Holland und vernichten gleichzeitig eigene Zitronenbäume. Das ist doch Irrsinn. Wir müssen einfach wieder mehr bieten als nur Urlaub."

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Urlaub allerdings macht 20 Prozent des griechischen Bruttoinlandproduktes aus. Immerhin 750.000 Arbeitsplätze hängen daran. Auch der von alltours-Reiseleiterin Katja Ramoutsakis, die seit mehr als 20 Jahren auf Kreta lebt. Einst kam sie selbst zum Urlaub verliebte sich und blieb. Dass es für Touristen Einschränkungen gibt kann sie nicht sagen. Im Gegenteil: "Wenn man nichts wüsste würde man als Tourist nichts merken", sagt sie.

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Allerdings räumt sie ein dass es sicherlich in den großen Städten wie Athen und Thessaloniki nicht ganz so einfach ist. Dort ist weniger Tourismus und die Menschen haben nicht, wie auf den Inseln, eigene Landwirtschaft. Fast jede Familie hat ja auf den Inseln die eigenen Olivenbäume. Viel Arbeit, aber ein gutes Zubrot zum Tourismus in der Zeit von März bis Oktober.

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"Die Griechen brauchen den Tourismus und wären ja blöd, sich den Ast auf dem sie sitzen abzuschneiden", kommentiert sie so manche nicht ganz so freundliche Schlagzeile aus Deutschland. Auch die dass Deutsche nicht mehr gern gesehen wären. "Ich glaube sogar, dass die Deutschen jetzt noch besser behandelt werden, damit sie ja wieder kommen", meint die aus Osnabrück stammende Wahlinsulanerin. Bei alltours jedenfalls scheint das kein Problem zu sein. Bereits im zweiten Jahr wächst der Griechenlandtourismus.

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Egal wohin man in diesen Tagen auf Kreta kommt. Optimismus ist spürbar. Vielleicht hat Historiker Mamalakis ja Recht, dass es einfach nur einen Plan braucht. Das wird beim Besuch des Palastes von Knossos mit seinem berühmten Labyrinth deutlich. Bekanntermaßen fand Theseus nachdem er den Minotaurus in der Höhle getötet hatte nur wieder hinaus, weil ihm Ariadne zuvor ein magisches Wollknäuel geschenkt hatte. Wer weiß, vielleicht findet sich so ein Knäuel ja wieder ...

Bin dann mal wieder unterwegs