Beer & Brau, Food
16. März 2016

Grillen Keine Bratwurst bei Deutscher Grillmeisterschaft

Foto: pitopia

Die Bratwurst gehört bei den Deutschen Grillmeisterschaften nicht mehr zum Standard-Repertoire. Ein Kulturbruch? Für die Könner am Rost nur die logische Konsequenz einer kreativen Weiterentwicklung.

Von Jörn Perske

Beim aktuellen deutschen Grillkönig kommt gewöhnlich alles auf den Rost, was das gemeine Volk gern isst. Auch Bratwürstchen, Schweinefleisch oder mit Speck ummantelte Kartoffeln. Doch um die Fachwelt zu beeindrucken, bedarf es mehr Kreativität. «Schoko-Küchlein mit Gorgonzola zum Beispiel», sagt der amtierende Deutsche Grill- und Barbecue-Meister Peter Zeitler aus Schweinfurt. Mit dem Dessert habe er bei den Titelkämpfen im vergangenen Jahr ein kulinarisches Ausrufezeichen gesetzt, erklärte das Grill-Ass in Fulda, wo er im Auftrag der German Barbecue Association (GBA) eine kleine Kostprobe seines Könnens bot.

Der deutsche Fachverband stellte in Osthessen das Programm für die Deutschen Meisterschaften am 6. und 7. August vor. Nebenbei vermeldeten die Macher auch eine faustdicke Überraschung: Erstmals kommen keine Bratwürste mehr im Standard-Repertoire auf den Rost. Die Bratwurst gehöre zwar fast schon zum deutschen Kulturgut, aber die Welt der Grillmeister habe sich so kreativ weiterentwickelt - da stellten schnöde Würstchen doch keine besondere Gaumen-Freude dar.

«Bei den Meisterschaften wird Sterne-Gastronomie vom Grill geboten - das ist hohe Kunst», erklärt der Präsident des Grillverbands GBA, Volker Elm (50). «Grillen ist heutzutage mehr als Würstchen und Kammsteaks auf den Rost legen. Die Könner liefern in den vergangenen Jahre ein immer weiter gestiegenes Niveau», sagt der Betreiber einer Kochschule in Fulda. Er war im Vorjahr auch am Start und belegte mit seinem Team - den Barbecue Greenhorns - den achten Platz.

Die rund 50 Teams bei den Meisterschaften in diesem Jahr müssen neben handwerklichem Können und gutem Geschmack auch Vielseitigkeit beweisen. In der Amateur-Klasse werden vier Gänge gegrillt: Spareribs alias Schälrippchen, Rinderhüfte und Fisch - allesamt mit Beilagen - sowie ein Dessert. Die Teilnehmer der Profiklasse, die nicht zwangsläufig Berufsköche sind, setzen zwei Gänge oben drauf: einen vegetarischen und einen Improvisationsgang. Dabei müssen bis vor dem Start unbekannt gebliebene Zutaten aus einem Warenkorb verarbeitet werden.

Bewertet werden die Kreationen von einer rund 130-köpfigen Jury. Wer die meisten Punkte bekommt, gewinnt. Unter den Siegern werden Preisgelder in Höhe von mehr als 10 000 Euro verteilt. Worauf es ankommt, um Grillkönig zu werden? «Der Geschmack ist ein und alles. Die meisten machen schlichtweg den Fehler und salzen nicht genug. Auf die Würze kommt es an», sagt der amtierende Meister Zeitler aus eigener Erfahrung. Er tritt bei der Meisterschaft in Fulda wieder an. Ebenso wie einer der derzeit erfolgreichsten Grillmeister: Michael Hoffmann aus Rösrath (NRW) gelang schon der Hattrick, Titelgewinne von 2012 bis 2014. Solch erfolgreiche Akteure könnten ihr Können mittlerweile auch ganz gut vermarkten, erklärte Elm.

Erfahrungen sammeln und Anschauungsunterricht nehmen können die Zuschauer bei den Grillmeisterschaften. Zwischen 15 000 und 30 000 Besucher werden - je nach Wetter - auf dem Fuldaer Messegelände erwartet. Auch ein Rahmenprogramm sowie ein Fachmarkt mit der Vorführung von Grills, Geräten und Zubehör gehören dazu. «Grillen stiftet ja auch Gemeinschaftssinn», sagte der Fuldaer Oberbürgermeister Heiko Wingenfeld (CDU) bei der Pressekonferenz zum Stand der Vorbereitungen. Er sieht darin mehr als einen Wettbewerb.

Ein Ende des Barbecue-Boom ist nach Einschätzung von GBA-Präsident Elm noch nicht abzusehen: «Immer mehr Deutsche grillen. Das Thema ist in aller Munde und ein Riesenmarkt geworden.» Selbst die Kirche ist auf den Geschmack gekommen. Für die Grillmeisterschaften auf heimischem Terrain habe sich ein Team des Bistums Fulda angemeldet, berichtete die GBA. dpa