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03. Juli 2010

Grillen wie die Weltmeister

Die einen treiben es tolldreist wie die Satiriker Stermann & Grissemann, andere eher zaghaft mit Weinreben

Bevor hier jemand auf Weinreben grillt, zunächst die geniale Einstimmung zum echten und wahren Grillen mit dem Satiriker-Duo Stermann & Grissemann:

Frisch gekocht. Auf YouTube. Einfach genial. Für mich sind die beiden das beste, was derzeit öffentlich ungestraft rumlaufen darf.

Und für alle Fans ihr legendärer Nostalgie-Klassiker zum Wein-Verkosten

Nun aber los.

Deutschlands Grillfreunde muss man sich als eher konservatives Volk vorstellen. Ordentlich Kohle in den Grill und dann stundenlang möglichst dicke Fleischbrocken brutzeln - so sieht die Realität an den Grills oft aus. Der Unternehmer Peter Braun aus dem pfälzischen Neustadt an der Weinstraße will den Grillfans eine Alternative zur Kohle verkaufen: Weinreben. Noch muss er bei manchen Leuten Überzeugungsarbeit leisten mit seiner «Rebenglut».

Vor allem die Männer tun sich wohl schwer, auf die gewohnte Kohle zu verzichten. Kürzlich hat Braun seine Reben auf einem Markt präsentiert. Interessanterweise hätten sich vor allem die Frauen angesprochen gefühlt, erzählt er. «Während manche Männer sagten "Was soll ich damit", haben die Frauen sie dann zu uns geschickt.»

Was manchen Hardcore-Griller vielleicht erst mal auf Abstand gehen lässt: Stundenlang grillen ist mit einer Ladung Reben nicht drin, rund 20 Minuten geben sie richtig Hitze, dann sollte das Fleisch oder die Wurst fertig sein. Braun hat inzwischen aber auch Knorze im Angebot, mit denen sich das Grillvergnügen verlängern lässt. Das sind dickere Holzstücke von Weinstöcken, die auch länger Hitze abgeben.

In einer kleinen Halle auf Brauns Firmengelände lagern hunderte, wenn nicht gar tausende von Säcken, sie werden per Paket an die Kunden verschickt. Auch über Baumärkte, Weinhändler und ähnliche Geschäfte vermarktet Braun seine Reben inzwischen. Ein Sack kostet bei ihm fast acht Euro, das ist deutlich mehr als für einen billigen Sack Grillkohle gezahlt werden muss. «Ich verstehe nicht, wie jemand sich Biofleisch für zehn Euro kaufen kann und das dann mit einer fragwürdigen Kohle grillt, die um die ganze Welt gekarrt worden ist», sagt Braun.

50 000 bis 100 000 Säcke im Jahr kann Braun derzeit füllen, die Reben werden Anfang des Jahres mit einem Fahrzeug in den Weinbergen eingesammelt. Dort liegen sie, nachdem der Winzer seine Reben zurückgeschnitten hat. Anschließend werden die Reben etwa 14 Monate getrocknet. 300 000 Säcke jährlich würde Braun gerne eines Tages verkaufen. «Da wollen wir hin.» Das sei nur ein kleines Stück vom großen Markt mit Grillkohle und Co.

In den «Rebenglut»-Säcken findet sich eine austarierte Mischung aus verschiedenen Rebsorten und -stärken. Nicht jede Rebe ist gleich gut geeignet. «Cabernet-Sorten sind sehr gut, bei Riesling geht nicht jede Rebe», erzählt Braun. Eine ganze Weile hat der 49-Jährige getüftelt, um die richtige Mischung zu finden.

Braun ist ein umtriebiger Mensch. Er ist gelernter Kaufmann und hat schon als junger Mann eine Weinhandlung in Neustadt aufgemacht, später übernahm er dann den Reifenhandel seiner Eltern. Heute hat er eine Autoreparatur- und tuningwerkstatt, nebenher betreibt er noch einen Autoverleih im Haus.

Und seit ein paar Jahren versucht er sein Glück nun mit «Rebenglut», seiner Alternative zur Grillkohle. Innerhalb von fünf Jahren will er damit Geld verdienen, hat er sich zum Ziel gesetzt.

Und was hält die Fachwelt davon? Anruf beim Experten: Thomas Brinkmann hat 2009 den Titel des Deutschen Grillkönigs errungen, dieses Jahr wurde er mit seinem Team Zweiter bei der Meisterschaft. Mit Holz zu grillen, sei gang und gäbe, sagt er. Von der Idee mit den Reben hat er jedoch noch nichts gehört. «Klingt aber interessant.» (Marc Strehler, dpa)