WEIN
30. August 2015

Günther Jauch Mehr Wein, weniger TV

Foto: Andreas Durst

Foto: Andreas Durst

Günther Jauch (59) will nach dem Auslaufen seiner ARD-Polittalkshow Ende des Jahres mehr Zeit auf seinem Weingut von Othegraven in Kanzem an der Saar verbringen.

Von Birgit Reichert

Günther Jauch schaut regelmäßig aufs Regenradar. Genau verfolgt er, wie die Chancen auf Niederschläge in Kanzem an der Saar stehen. Denn im heißen Sommer dürsten die Reben nach Regen.

«Mein Verhältnis zum Wetter ist ein ganz neues geworden», sagt der 59-Jährige im Gartenzimmer seines Weingutes. «Aber so ein Sprühregen hilft da nichts», meint er und blickt nach draußen. «Angeblich soll es in der Nacht 30 Liter regnen.» Fünf Jahre nach der Übernahme des Weingutes von Othegraven ist Jauch in der Welt der Winzer und Weinberge angekommen.

«Wir sind sehr gerne hier», sagt Jauch über sich und seine Frau Thea. Und weil der Starmoderator seine sonntägliche ARD-Talkshow zum Jahresende aufgibt, wird er ab 2016 noch öfter an der Saar zu sehen sein. «Wir werden deutlich mehr hier sein und uns auch noch mehr kümmern können. Es ist einfach schön hier.» Erstes Zuhause werde aber weiter Potsdam bleiben.

Jauch hatte das Weingut im Juli 2010 gekauft, damit es in siebter Generation in seiner Familie bleibt. Seitdem ist viel geschehen: «Das Gut ist komplett saniert und betrieblich restrukturiert worden», sagt er. Damals sei es «wirtschaftlich nicht überlebensfähig» gewesen. Heute ist das denkmalgeschützte Gutshaus tipptopp in Schuss, neue Anlagen stehen und eine Flaschenhalle wurde in Betrieb genommen - Investitionen, über deren Höhe sich Jauch ausschweigt. Auch zu roten oder schwarzen Zahlen mag er nichts sagen. Aber: «Das Weingut ist auf einem guten Weg, so kann man es sagen.»

Die Anbaufläche ist inzwischen auf 15 Hektar gewachsen: Der «Wawerner Herrenberg» wurde aus früherem Familienbesitz wieder zurückgekauft und neu bestockt. «Jetzt müssen wir mal sehen, ob das die endgültige Größe ist», sagt er. Stolz sei er darauf, dass zum Weingut nur «große Lagen» gehörten, die vom Verband der deutschen Prädikatsweingüter als «hochwertigste deutsche Weinberge» klassifiziert werden. Der «Kanzemer Altenberg» sei mit einer Rebzeilenlänge von mehr als 250 Metern die längste Steillage Europas.

Auch unter den Winzern an der Saar fühlt sich Jauch inzwischen heimisch. «Wir ziehen an einem Strang.» Das sehe man auch beim alljährlichen Verkostungswochenende, dem «Saar-Riesling-Sommer», bei dem rund 30 Saar-Weingüter ihre Weine auf einzelnen Höfen auch am heutigen Sonntag noch anbieten. Hunderte sind am Wochenende auch bei Jauch zu Gast gewesen. Auch die Klassikreihe Mosel Musikfestival spielt mittlerweile jährlich bei Jauch auf.

Die Arbeit im Weingut sei «etwas ganz anderes als Fernsehen». Im Fernsehen habe man eine Idee, mache eine Sendung und am nächsten Tag wisse man, wie erfolgreich sie war. «Hier kriege ich einmal im Jahr praktisch eine Quote bei der Lese, dann kriege ich ein Jahr später eine Quote, ob der Ausbau im Keller funktioniert hat und dann kriege ich zum Teil Jahre später eine Quote, ob der Wein sich auch verkauft hat.» Das sei ein «viel langfristigeres, langsameres System.»

Mehr als 100 000 Flaschen im Jahr werden im Jauchschen Gut produziert. Der deutsche Markt sei mit Abstand der wichtigste für ihn, sagt Jauch. Exporte gingen vor allem nach Österreich, in die Schweiz und Skandinavien. Rund 80 Prozent seiner Weine seien trocken, 20 Prozent in etwa restsüß. «Kabinettweine nehmen gerade einen wahnsinnigen Aufschwung.»

Jauch habe dazu beigetragen, die Weine von der Saar bekannter zu machen, sagt der Geschäftsführer des Vereins Moselwein, Ansgar Schmitz. Die Top-Weingüter von der Saar hätten ohnehin in den vergangenen Jahren einen enormen Aufschwung erfahren. Besonders schön sei, dass das Ehepaar Jauch sich sehr stark mit dem Weingut identifiziere - und Gästen auch selbst einschenke.

In den vergangenen fünf Jahren hat Jauch viel über Wein gelernt. «Ich habe aber immer noch große Rückstände. Und speziell die Arbeit im Keller überlasse ich weiterhin den Fachleuten.» Auch im Weinberg sei er nicht immer eine große Hilfe: Seine Saisonarbeiter würden ihm oft schon nach wenigen Minuten «mit einem freundlichen Blick» die Schere wieder aus der Hand nehmen. «Und da bin ich dann auch nicht undankbar.» dpa

www.saar-riesling-sommer.de

Editorial: Das große Verkostungs-Wochenende des VDP in Berlin und Potsdam