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10. April 2014

Gurken im Garten anbauen

Foto Pitopia

Mit das Schönste am Gärtnern ist, dass man die Erfolge sieht - etwa wenn große grüne Salatgurken im Gewächshaus heranreifen oder Gurken zum Einlegen im Beet gedeihen

Von Eva Neumann

Gurken gehören zu den beliebtesten Gemüsearten. Sie enthalten viele Vitamine und Mineralien, jedoch kaum Kalorien. «Gurken werden von Gartenbesitzern angepflanzt, die Freude an der Kultur haben und wissen wollen, woher ihr Gemüse kommt», sagt Christoph Andreas vom Versuchszentrum Gartenbau Straelen der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen in Köln.

Der Fachmann unterscheidet Schlangengurken, auch Salatgurken genannt, und Einlegegurken. Letztere sind robuster, können auch im Freiland gezogen werden und sind damit für Anfänger die beste Wahl. Sollen sie im Salat landen, lässt man sie einfach größer werden.

Im Handel und auf Bauernmärkten finden Verbraucher Setzlinge von Einlegegurken. Aber die Pflanzen lassen sich auch leicht selbst ziehen. «Der große Vorteil von Saatgut ist die Sortenvielfalt», sagt Thomas Wagner vom Bundesverband Deutscher Gartenfreunde (BDG) in Berlin. «Allerdings ist Aussaat immer ein größeres Experiment.» Ein guter Zeitpunkt für die Anzucht im Frühbeet oder auf der Fensterbank ist ab Ende April. Bei der Auswahl des Saatgutes sollte man auf Sorten setzen, die tolerant gegenüber Mehltau oder resistent sind.

Je zwei bis drei Samen kommen in einen zur Hälfte mit Anzuchterde gefüllten Topf. Mit drei bis vier Tagen ist die Keimzeit von Gurken extrem kurz. Aber nur der stärkste Sämling wird überleben: Wenn seine Blätter deutlich über den Topfrand hinwegschauen, werden die schwächeren Pflanzen entfernt und der Topf mit Erde aufgefüllt.

Nach den Eisheiligen Mitte Mai, wenn es in der Regel keine Spätfröste mehr gibt, dürfen die Pflanzen ins Freie. Das gilt auch für gekaufte Setzlinge. «Je wärmer, sonniger und geschützter der Standort ist, umso erfolgreicher ist der Anbau», erklärt Wagner. Ideal ist lockerer, luftdurchlässiger Boden mit einem hohen Humusgehalt. «Im Freiland kann man zwei bis drei Einlegegurken-Pflanzen pro Quadratmeter setzen», sagt Gemüseexperte Andreas. «Am besten pflanzt man sie in schwarze Mulchfolie.» Darunter kann ein Bewässerungsschlauch geführt werden. Stehen noch kühlere Nächte an, bietet ein Gartenvlies Schutz.

Gurkenpflanzen mit Früchten zum Einlegen wachsen eigentlich am Boden entlang, sie können aber auch an einer Rankhilfe aus Maschendraht hochwachsen. «Dann braucht die Pflanzen weniger Platz, die Gurken wachsen gleichmäßig und ohne Flecken, und die Blätter können immer mal wieder abtrocknen», erklärt Jochen Winkhoff von der Bundesfachgruppe Gemüsebau im Zentralverband Gartenbau (ZVG) in Berlin. Das Umfeld der zarten Gewächse sollte regelmäßig nach gefräßigen Schnecken abgesucht werden.

Der größte Feind der Gurken ist ein Pilz. In warmen Perioden breitet sich der Echte Mehltau rasend schnell aus, bei länger anhaltender Feuchtigkeit der Falsche Mehltau. Befallene Pflanzenteile müssen Hobbygärtner schnellstmöglich vernichten. Es kann aber dennoch passieren, dass Pflanzen daran zugrunde gehen. Damit sich Gurken nicht an Pilzen infizieren, deren Myzel und Sporen im Boden überwintert haben, müssen mindestens vier Jahre dazwischen liegen, bevor die Pflanzen wieder den gleichen Standort im Beet besiedeln.

Schwieriger als die Anzucht von Einlegegurken ist die von Schlangengurken. «Sie sind sehr empfindlich gegenüber Witterungseinflüssen», erläutert Winkhoff. «Schon bei Temperaturen unter 13 Grad fühlen sich die Pflanzen nicht wohl, reagieren mit Wachstumsdepression und geringer Ernte.» Daher lassen sich Schlangengurken nur im Gewächshaus erfolgreich kultivieren.

«Prinzipiell kann auch hier Saatgut zum Einsatz kommen», sagt Wagner. «Aber ich würde auf Jungpflanzen setzen.» Und der ZVG-Experte Winkhoff ergänzt, dass es am besten veredelte Exemplare sind, die zum Beispiel im Fachhandel erhältlich sind. Sie könnten das Auftreten von Krankheiten, die im Boden vorkommen, unterbinden.

Sobald die Pflanzen 25 Zentimeter hoch sind, kommen sie an ihren endgültigen Standort. Der Abstand untereinander sollte mindestens 60 Zentimeter betragen. Ein jährlicher Standortwechsel wie im Freiland ist im Gewächshaus kaum möglich. Und der Austausch des Bodens macht viel Arbeit. Eine Alternative ist, die Gewächse in große Kübel oder in Substratsäcke zu setzen. Das Substrat wird am besten mit Kompost oder durchgerottetem Kuhmist angereichert und nach der Saison auf den Kompost gepackt oder im Garten verteilt. So gedeihen die Pflanzen jedes Jahr in neuer Erde.

Auch bei der Pflege von Schlangengurken ist Wasser das A und O. Optimal ist vorgewärmtes Wasser aus der Regentonne. Eine Mulchschicht verhindert starke Verdunstung. Die Luftfeuchtigkeit kann erhöht werden, wenn der Boden besprüht wird. Sobald die ersten Früchte sichtbar werden, sorgt alle zwei Wochen eine Gabe Dünger für einen Nachschub an Nährstoffen, zum Beispiel Kompost oder Hornmehl.

Neben Mehltau können im Gewächshaus Weiße Fliegen und vor allem Spinnmilben die Pflanzen schädigen. «Sie halten sich am liebsten weit oben auf, wo es hell und vergleichsweise trocken ist», sagt Wagner. Die einfachste Methode gegen die Schädlinge sei, zwei bis drei Tage nicht zu lüften. «Dann entsteht sehr hohe Luftfeuchte. Die macht Spinnmilben den Garaus.»

Im Gewächshaus können Gurken in der Regel bereits ab Ende Mai geerntet werden, im Freiland ab Juli. Alle gleichmäßig grün gefärbten Früchte werden regelmäßig abgenommen. Da die Ranken leicht reißen, durchtrennt der Hobbygärtner die Stiele am besten mit einem Messer. dpa