WEIN
20. Februar 2009

Händel-Wein: Rarität aus Sachsen-Anhalt

Die Krimiautorin Donna Leon fand ihn köstlich. Wie der Tropfen den Dirigenten Christopher Hogwood und Trevor Pinock schmeckte, ist nicht bekannt. Sie alle bekamen eine Flasche des raren Händel-Weins geschenkt. Ein Feature

Seit zehn Jahren wird der ehemalige Weinberg der Familie von Georg Friedrich Händel (1685-1759) in der Nähe von Halle in Sachsen-Anhalt wieder bewirtschaftet. Ein Hobby-Winzerpaar aus Händels Geburtsstadt hat dort Gutedel-Reben gepflanzt und erntet alljährlich rund 400 Kilogramm Trauben. Die 500 bis 600 Halbliterflaschen werden vor allem verschenkt. Das Winzerpaar selbst trinkt kaum etwas von dem Wein. "Er ist uns zu kostbar", sagen Hubertus und Ilse Sommerfeld.

Der Vater des berühmten Barockkomponisten, der herzogliche Leibchirurg Georg Händel, hatte einst auf dem Zappendorfer Weinberg Wein angebaut. Die heute zum Weinanbaugebiet Saale-Unstrut gehörende Region hat eine mehr als 1000-jährige Weinbautradition. Zappendorf war damals mit 42 Hektar Rebland ein bedeutender Weinort. Händels Vater verkaufte seinen Weinberg allerdings 1649 und erwarb in Halle ein Haus mit Weinschankprivileg, in dem dann 1685 sein berühmter Sohn geboren wurde.

In Zappendorf wurde im Lauf der Jahrhunderte der Weinbau durch Obstwiesen ersetzt und der Händelsche Weinberg geriet in Vergessenheit. 1988 fand ein Hallescher Familienforscher in einem Archiv Dokumente über den Weinberg; ein Jahrzehnt später beschloss das Hobby-Winzer-Paar Sommerfeld, das Flurstück wieder mit Reben zu bepflanzen. "Wir waren begeistert von der herrlichen Lage und haben uns gesagt, es wäre ein Jammer, dort nichts zu machen", sagt Senior Sommerfeld.

1999 setzten die Winzer 220 Stöcke Gutedel an die historische Stelle. "Möglicherweise wurde schon zu Händels Zeiten Gutedel in der Region angebaut. Es ist eine beliebte Tafeltraube", sagt Sommerfeld. Gekeltert wird der Händel-Wein in der Winzervereinigung Freyburg - separat. Das Etikett gestaltet eine Künstlerin jedes Jahr neu. Nur wenige Flaschen gehen in Freyburg in den Verkauf, die meisten werden verschenkt. Die Händelfestspiele Halle bekommen jedes Jahr ein Kontingent - als Präsent für Künstler wie die Dirigenten Hogwood, Pinock und Arman. "Es ist eine schöne Begleiterscheinung neben dem musikalischen Programm", sagt Festspielchefin Hanna John, die selbst eine Rebe in Zappendorf gesetzt hat.

An zwei Orten werden einige Flaschen eines jeden Jahrgangs archiviert: In einem Extra-Fach in der Schatzkammer des Bremer Ratskellers und künftig auch im ehemaligen Weinkeller der Familie Händel in Halle, der lange verschüttet war. "Der Bremer Ratskeller ist für einen Winzer das Höchste, was es gibt. Es ist der Olymp", schwärmt Hubertus Sommerfeld. Dieses Jahr will er es nun noch in ein Königshaus schaffen. Im Jahr des 250. Todestages von Händel stehen die Festspiele unter der Schirmherrschaft von Queen Elisabeth II. "Wir rüsten uns für den Ernstfall", sagt der Winzer.

Eine schöne Holzkiste mit Platz für sechs Flaschen steht schon als königliches Präsent für die Festspielzeit (4.-14. Juni) bereit. Kleiner Wermutstropfen: Die fehlende Septembersonne hat die Qualität der Trauben negativ beeinflusst, so dass es der Gutedel nur auf etwa 55 Grad Oechsle bringen wird. (Sophia-Caroline Kosel/dpa)