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25. Juli 2017

Harald Wohlfahrt Einigung vor Gericht Wohlfahrt kehrt nicht zurück

Im Streit um seine Weiterbeschäftigung als Küchenchef im Drei-Sterne-Lokal «Schwarzwaldstube» haben sich Spitzenkoch Harald Wohlfahrt und die Hotelleitung geeinigt: Wohlfahrt wird demnach jedoch nicht in die «Schwarzwaldstube» zurückkehren.

update: Das sagt Heiner Finkbeiner

update: Harald Wohlfahrt im Gespräch

Im Streit um seine Weiterbeschäftigung als Küchenchef im Drei-Sterne-Lokal «Schwazwaldstube» haben sich Spitzenkoch Harald Wohlfahrt und die Hotelleitung geeinigt. Das teilte das Arbeitsgericht Pforzheim am Dienstag mit. Die Einigung sei einvernehmlich, erklärte im Anschluss der Anwalt des Hotels Traube Tonbach, zu dem das Drei-Sterne-Lokal in Baiersbronn (Kreis Freudenstadt) gehört. Wohlfahrt wird demnach jedoch nicht in die «Schwarzwaldstube» zurückkehren. Weitere Details wurden nicht genannt; es sei Stillschweigen vereinbart worden. Wohlfahrt, dessen Erscheinen eigentlich angeordnet gewesen war, erschien angesichts der Einigung nicht vor Gericht. Er hatte seinen Eilantrag zuvor zurückgezogen. Auch Hotelinhaber Heiner Finkbeiner war nicht erschienen. dpa

Harald Wohlfahrt Einigung vor Gericht | Wohlfahrt kehrt nicht zurück

Von Anika von Greve-Dierfeld

«Traurige Sache.» Peter Hagens Ratlosigkeit ist durch das Telefon zu hören. Der Zwei-Sterne-Gastronom des Restaurants «Ammolite», Weggefährte und früherer Schüler von Spitzenkoch Harald Wohlfahrt, klingt fassungslos angesichts der juristischen Eskalation zwischen dem international bewunderten Wohlfahrt und dessen Arbeitgeber. Vor dem Arbeitsgericht Pforzheim wird an diesem Dienstagnachmittag ein Eilantrag Wohlfahrts gegen das Hotel Traube Tonbach, zu dem die «Schwarzwaldstube» in Baiersbronn (Kreis Freudenstadt) gehört, verhandelt.

Worum geht es? Wohlfahrts Weiterbeschäftigung als Küchenchef. Und das, obwohl ein eigentlich reibungsloser Stabwechsel im Sommer lange geplant und gut vorbereitet schien: Wohlfahrt wollte den Posten an seinen langjährigen Souschef Torsten Michel abgeben. Devise: «Sanfter Übergang», hieß es noch im Mai. Stattdessen: Hausverbot für Wohlfahrt und Klage.

Wie es zu dem Bruch kommen konnte, ist der Branche einigermaßen rätselhaft. «Die jüngste Entwicklung hat alle überrascht», heißt es aus Kreisen der Spitzengastronomie. «Alles war doch eigentlich wirklich von langer Hand vorbereitet», sagt auch eine Sprecherin des Restaurantführers «Guide Michelin». Die Anwälte der beiden Kontrahenten äußern sich vor der Verhandlung nicht.

Die Traube Tonbach schweigt ebenfalls. «Wir haben alles versucht, um das Verfahren zu verhindern», erklärt eine Sprecherin. «Wir sind weiter gesprächsbereit.» Man hoffe auf «eine Richtigstellung vor Gericht». Und es gehe auch darum, Herrn Wohlfahrt zu schützen.

Dieser sollte, so schrieb es ihm die Hotelleitung am 2. Juli, künftig als «Kulinarischer Direktor» und nicht mehr als Küchenchef tätig sein. Ob das Wohlfahrt zu wenig war? Ob er das als Affront auffasste? Als tiefe Kränkung? Vom Hotel Traube Tonbach gibt es dazu keine Stellungnahme. Ein Küchenchef sei im operativen Geschäft tätig, ein kulinarischer Direktor im repräsentativen Bereich. «Das ist so viel mehr als nur Gäste begrüßen», erklärt die Hotelsprecherin und betont die Bedeutung des Postens. Dass es wenig später zum Hausverbot kam, dass man sich nun vor Gericht gegenübersteht, habe keiner gewollt.

Rund vier Jahrzehnte stand Wohlfahrt in der «Schwarzwaldstube» am Herd und hatte dem Restaurant die vergangenen 25 Jahre in Folge jedes Jahr drei Michelin-Sterne erkocht - ein einsamer Rekord. Für das Gourmet-Lokal und Heiner Finkbeiner, Besitzer der Traube Tonbach, war Wohlfahrt Aushängeschild und Garant für enormen Erfolg, zahllose Gäste und kulinarisches Renommee weltweit. Zum 40-jährigen Bestehen der «Schwarzwaldstube» war Wohlfahrt im vergangenen Jahr gebührend gefeiert worden. Von einem Konflikt zwischen Finkbeiner und ihm war, zumindest in der Öffentlichkeit, nie etwas zu hören.

Falls das Arbeitsgericht Pforzheim den Eilantrag Wohlfahrts ablehnt, kann der 61-Jährige beim Landesarbeitsgericht in Stuttgart Berufung dagegen einlegen, sagt ein Sprecher des Arbeitsgerichts. Auch der normale Klageweg über das Arbeitsgericht stehe, unabhängig von der Entscheidung über den Eilantrag, beiden Parteien offen.

Sollten die Pforzheimer Richter am Dienstag dem Antrag stattgeben, müsste Wohlfahrt als Küchenchef zunächst weiterbeschäftigt werden. Wie das nach einem solchen Eklat praktisch aber gehen könnte, bleibt schleierhaft. «Ich weiß nicht, was Harald Wohlfahrt sich dabei gedacht hat», sagt Peter Hagen. «Ich habe nur gehört, dass er sehr enttäuscht ist und ihm das Ganze sehr nahe geht.» dpa

Hintergrund: Wohlfahrt klagt gegen Traube Tonbach

Früherer Sternekoch Buchholz bedauert Wohlfahrt-Streit

Der frühere Sternekoch Frank Buchholz bedauert die Entwicklung im Streit zwischen Spitzenkoch Harald Wohlfahrt und den Besitzern der «Schwarzwaldstube» - und fürchtet um den Ruf des Restaurants. Das Image werde leiden, vor allem in der Branche, sagte er am Dienstag dem Radiosender SWR. «Ich finde das insgesamt für die Branche sehr, sehr schade, dass diese Diskussion auch jetzt so öffentlich und vor allen Dingen vor Gericht stattfindet», sagte er. «Vielleicht hätte man doch vorher mal irgendwie eine Art und Weise der Schlichtung stattfinden lassen müssen.»

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Wenn ein Küchenchef geht, bleiben vorerst die Sterne

Wenn ein Küchenchef ein mit «Michelin»-Sternen ausgezeichnetes Restaurant verlässt, bleiben die Sterne. «Aber immer nur bis zu nächsten Vergabe», erklärt eine «Michelin»-Sprecherin. Die Sterne, die jährlich im Restaurantführer «Guide Michelin» veröffentlicht werden, seien mit dem Restaurant verbunden, nicht mit der Person des Küchenchefs. Ein Küchenchef spiele zwar eine tragende, gestaltende Rolle. Ein, zwei oder drei Sterne zu erlangen, sei aber immer auch eine Teamleistung. Jedes Jahr stehen die Gourmet-Tempel für die begehrten Auszeichnungen neu auf dem Prüfstand.

Der Weggang eines Küchenchefs ist aber eine Herausforderung für das betreffende Restaurant, das die Auszeichnung auch danach behalten möchte. Auch von den Testessern wird ein Wechsel der «Michelin»-Sprecherin zufolge aufmerksam registriert - dann werde «besonderes Augenmerk auf die Bewertung gelegt».