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27. November 2009

Heizpilze heizen Debatte um Klimaschutz an

In vielen Städten flammt die Debatte über die Heizstrahler wieder auf. Bei Wirten und Rauchern beliebt, sind sie Umweltschützern ein Dorn im Auge. Die Regelungen in den einzelnen Regionen

Heizpilze werden mit Propangas betrieben. Bei dessen Verbrennung entsteht schädliches Kohlendioxid (CO2) - die Kopenhagener Klimakonferenz lässt grüßen. Den Ausstoß des Treibhaus-Gases will Deutschland bis 2020 um 40 Prozent gegenüber 1990 senken. Einige Städte haben deshalb reagiert. Andere sehen keinen Grund, gegen die Strahler vorzugehen.

«Der Bund hat auf diesem Gebiet keine Gesetzgebungskompetenz, deswegen gibt es in Deutschland einen Flickenteppich an Verboten und Einschränkungen von Heizpilzen», sagt der Bundesgeschäftsdführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), Jürgen Benand. «Die Wirte sind verunsichert, was erlaubt ist.»

Das gilt vor allem für Berlin und Hamburg. Denn dort ist man sich sogar innerhalb der Stadt uneins darüber, wie mit den heizenden Pilzen umzugehen ist. In der Hansestadt dürfen in zwei von sieben Bezirken keine Heizpilze mehr auf öffentlichen Wegen aufgestellt werden - in den anderen schon. In Berlin sind die wärmenden Schirme in fünf von zwölf Bezirken seit 2008 verboten.

«Wir hatten in der Berliner Innenstadt über lange Strecken Pilze im Meterabstand», begründet Kreuzbergs Stadtrat Peter Beckers das Verbot. Wer jetzt trotzdem einen Pilz aufstellt, muss beim ersten Mal ein Bußgeld von 40 Euro zahlen. Wiederholungstäter können die Lizenz für die Bewirtung auf der Straße verlieren. Ein Klimaschutzgesetz soll das Regel-Chaos in der Hauptstadt demnächst aufheben - und ein stadtweites Verbot der Heizpilze ermöglichen.

Ein Heizpilz setzt bei einer durchschnittlichen Betriebsdauer von 36 Stunden in der Woche jährlich bis zu vier Tonnen CO2 frei. Das entspricht dem Ausstoß eines Neuwagens, der 20 000 Kilometer im Jahr fährt. In Hannover, Tübingen, Konstanz und Pforzheim hat man daher die Pilze von Wegen und Plätzen verbannt. «Außenheizungen sind energetisch gesehen ausgesprochen ineffizient», heißt es beim Pforzheimer Umweltschutzamt. Die vermehrte Nutzung der Pilze mache einen Teil der Klimaschutz-Anstrengungen zunichte. Pforzheim erklärte die Heizpilze daher in einer Richtlinie für «nicht zulässig».

Eine Auffassung, die das Umweltbundesamt (UBA) begrüßt. «Das Beheizen von Außenflächen ist in Zeiten des intensiven Klimaschutzes überholt», sagt Energiefachmann Jens Schuberth. «Schon die Idee, die Straße zu beheizen, ist widersinnig, wenn man bedenkt, dass mit großem Aufwand Energie in Innenräumen und bei der Sanierung kompletter Gebäude gespart wird.»

Die Hotel- und Gaststättenverbänden in Bremen, Sachsen, Sachsen- Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Rheinland-Pfalz kennen indes keine Heizpilzeverbote im Bundesland. Das gilt auch für Niedersachsen mit Ausnahme von Hannover. In München sind Heizpilze erlaubt - allerdings nicht im Winter. In Koblenz hat es Anträge auf ein Heizpilzverbot im Stadtrat gegeben. Dieser wurde aber abgelehnt.

Auch in Schleswig-Holstein gibt es laut Dehoga keine Stadt, die Heizstrahler untersagt. «Die Heizpilze sind für viele Gastwirte vor dem Hintergrund des Nichtraucherschutzgesetzes die einzige Möglichkeit, ihre rauchenden Gäste nicht zu verlieren», sagt der Dehoga-Hauptgeschäftsführer in Schlewig-Holstein, Stefan Scholtis.

In Köln teilt man diese Meinung nicht. Dort sind Heizpilze in der Innenstadt verboten. Das hat jedoch nichts mit dem Klimaschutz zu tun - in der Domstadt findet man die Dinger schlichtweg hässlich. Auch Nürnberg untersagte die Strahler nicht aus Umweltliebe - dort wollte man nach dem Rauchverbot «lärmintensive Menschenansammlungen» vor den Lokalen verhindern. In Stuttgart lief es genau andersherum: Dort waren die Heizpilze über den Umweg der gestalterischen Richtlinien für die Innenstadt schon verboten, dann kam das Gesetz zum Nichtraucherschutz - und die Gastwirte liefen Sturm. Jetzt dürfen sie die Strahler ab 20 Uhr wieder anstellen.

«Grundsätzlich wäre es europa- und verfassungsrechtlich durchaus möglich, den Einsatz von Heizpilzen zu verbieten», sagt UBA-Experte Jens Schuberth. Dies würde aber viel Bürokratie bedeuten - und sei deswegen nicht «unbedingt sinnvoll». Das UBA ruft deshalb zu einem freiwilligen Heizpilzverzicht auf.

Wie zum Beispiel in Münster. Dort verteilt die Stadt Wolldecken, um die Wirte ins Klimaschutzboot zu holen. Von rund 210 Gastronomen machen in diesem Jahr rund 30 mit. Der Klimaschutz steht dabei allerdings nicht bei allen an erster Stelle. «Einen Heizpilz zu betreiben kostet rund 850 Euro im Jahr», sagt eine Sprecherin der Stadt. «Das spielt bei vielen auch eine Rolle.» dpa