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14. Juli 2018

Hotel Orania Berlin Zehn Angriffe in Kreuzberg

Die linksextreme Szene sah es als massive Provokation: Ein schickes, teures Hotel eröffnet im Herzen Kreuzbergs, wo sich am 1. Mai die Linksautonomen versammeln.

Seit seiner Eröffnung vor knapp einem Jahr ist das Luxushotel Orania Berlin in Kreuzberg zehnmal beschädigt worden. Täter waren mutmaßlich Linksextremisten, wie mehrfach aus Bekennerschreiben im Internet hervorging.

Hotel Orania Berlin

Weil es noch zwei Verstöße gegen das Versammlungsgesetz im Zusammenhang mit dem Hotel gab, wurden zwölf Ermittlungsverfahren eingeleitet. Das antwortete die Senatsinnenverwaltung auf eine Anfrage des SPD-Abgeordneten Tom Schreiber.

Mehrfach zerstörten die Täter gezielt Fensterscheiben des Hotels am Oranienplatz. In anderen Fällen wurde die Fassade besprüht. Zum Teil beobachteten Wachleute, wie schwarz gekleideten Menschen nach der Tat flohen.

Auf einer linksradikalen Seite im Internet schrieb jemand im Oktober 2017: «Jetzt haben wir also in der Nacht zum 25. Oktober die superharten Panzerglasscheiben des Hotel Orania am Oranienplatz in Kreuzberg mit Hämmern zerstört.» Der Besitzer, «ein Multimilliardär, der übrigens auch die G7 Staaten in seinem Schloss Elmau in Bayern hofierte, ist ein weiterer Totengräber Kreuzbergs».

Die Höhe des Schadens stehe nicht fest, schrieb der Senat. Ermittlungen zu der Identität des Internetnutzers hätten keine Erkenntnisse gebracht.

Die Polizei in Kreuzberg und die Kriminalpolizei vom Staatsschutz im Landeskriminalamt (LKA) - zuständig für politisch motivierte Delikte - stehe im Kontakt mit dem Geschäftsführer des Hotels, schrieb die Senatsinnenverwaltung. «Im Zuge dessen wurden Objektschutzmaßnahmen initiiert, auf die aus polizeitaktischen Gründen nicht weiter eingegangen werden kann.»

Weiter schrieb der Senat, linksextreme und sogenannte postautonome Gruppen würden ihre Zielsetzungen mit erreichbaren Tagesforderungen verbinden. «Themen wie Mietensteigerung, Verdrängung und Stadtumstrukturierung bieten sich in diesem Zusammenhang idealtypisch an, da sehr viele Menschen davon betroffen sind.»

SPD-Innenpolitiker Schreiber kritisierte: «Hier zeigt der Linksextremismus sein hässliches Gesicht. Die bewusste Fokussierung auf Objekte und Personen und das Protestieren mit Gewalt und Straftaten, ist ein Wesensmerkmal davon. Der Rechtsstaat muss hier konsequent handeln.»

Das Hotel ist ein Schwester-Unternehmen von Schloss Elmau in den bayerischen Alpen und bezeichnet sich selber als «einzigartiges Luxus Hotel» mit einem «herausragenden Restaurant für Gourmets & Kosmopoliten».

Ende August 2017 eröffnete es in einem jahrelang leerstehenden ehemaligen Kaufhaus direkt am Oranienplatz. Die Gegend gilt trotz steigender Preise als Hochburg der linken Szene. Die Eröffnung hatte Diskussionen über einen weiteren Wandel des Kiezes ausgelöst, der schon seit Jahren zunehmend Touristen anzieht. dpa