Honza Klein unterwegs
04. Januar 2013

Hotel Waldorf Astoria in Berlin

Fotos: Waldorf Astoria-Maeckler Architekten-Swan-Operations

Der neue Star am Berliner Hotelhimmel

Wann immer ich in den vergangen Wochen Friedrich W. Niemann bei Veranstaltungen traf, war seine Antwort: "Bald." Immerhin wollte der Hotelmanager schon vor einem Jahr das neue Waldorf Astoria Hotel Hotel eröffnen. Nun heißt es also: Endlich. 118 Meter mit 32 Etagen streckt es sich in den Himmel der Berliner City West. Gelegen zwischen Bahnhof Zoo, Gedächtniskirche und Kurfürstendamm. Zentraler kann ein Tourist kaum wohnen.

Kritikern, die die nun ja nicht eben ganz schicke Umgegend bekritteln, entgegnet Niemann: "Genau das macht den Charme aus. Diese Berliner Mischung aus Exklusivität und Großstadthektik." Vor dieser Hektik kann man im Inneren trefflich entfliehen. Edle Materialien, wie etwa Parkett aus versteinerten Bäumen in der Präsidentensuite, feiner Marmor, ausgefallene Bilder, modernes, schnörkelloses Design sorgen für Wohlfühlatmosphäre. Nicht zuletzt ein schon zur Eröffnung eingespielt wirkendes Personal leistet ein Übriges.

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Heißt doch eine alte Hotelweisheit, dass nicht die sprichwörtlichen goldenen Wasserhähne den Erfolg einer Luxusherberge ausmachen. Service, Service, Service ist die Devise. Diese findet indes im neuen Haus eine kleine Einschränkung: Jedenfalls für Raucher. Die Lang Bar (der Name ist Hommage an Fritz Lang, dessen Film Metropolis im gegenüberliegenden Zoo-Plast einst Premiere feierte) ist zwar sehr gemütlich, doch entspannt bei einer guten Zigarre wird man dort nicht sitzen können. Und auch im Romanischen Café, in dem in den Goldenen Zwanziger Literaten und Beaus debattierten, wird der blaue Dunst fehlen.

Kulinarisch indes wird das Waldorf wohl die gleichen Höhenflüge wie sein Haus erlangen. Immerhin verantwortet Pierre Gagnaire die Küche des Restaurants Les Solistes. Zwölf Michelinsterne nennt er in verschieden Restaurants rings um den Globus sein Eigen. Sicher nur eine Frage der Zeit, wann also auch über dem Waldorf in Berlin der Sternenglanz aufzieht. Ein weiterer Ort um der Großstadt zu entfliehen ist die 1000 Quadratmeter große Guerlain Spa. Müßig zu erklären dass es dort an nicht fehlt was Spa im Jahre 2013 ausmacht.

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Ein bisschen schade indes ist die Tatsache, dass die schönste Terrasse des Hauses nicht zum Hotel gehört. Beherbergt der Tower doch auch Büros und Apartments. So mancher wird sagen, Berlin habe nicht noch ein Fünf-Sterne-Hotel gebraucht. Doch bei diesem Haus wird diese Meinung ganz klein.

"Ich freue mich dass das Haus endlich fertig ist und wünsche den Kollegen dort alles Gute", sagte Berlins Hotel- und Gaststättenverbands-Präsident Willy Weiland. Das sagt er, trotzdem er bis vor einiger Zeit selbst Chef des unweit gelegenen Interconti war. "Berlin braucht solche Orte um auch als Luxusdestination stärker ins Licht zu treten."

So sieht es übrigens auch Niemann, der zusammen mit den Verantwortlichen des Berlin Tourismus an entsprechenden Ideen werkelt. "Wir machen mit dem neuen Hotel den Anfang für eine ganz neues Viertel", so Niemann. Bald wird das Bikini-Haus neu erstrahlen und direkt neben dem Waldorf entsteht der nächste Hochhausturm, der Atlas-Tower. Dort zieht übrigens ein Motel One ein. "Das wird dann das Hotel für die Fahrer der Gäste im Waldorf", scherzte jemand.

Eine neue Visitenkarte sollte sich der Hotelier vielleicht nun auch machen lassen. Friedrich W. Niemann reicht nicht mehr aus. Friedrich W. M. Niemann müsste daraus stehen. Schließlich hat er die Patenschaft für einen Bewohner des Zoos übernommen. Bei der Größe des Chefs kein Wunder wofür: Eine Giraffe. Ihr Name: Malindi

Nur einer dürfte wohl nun sein Problem mit dem neuen Wahrzeichen der City West haben: Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse. Er polemisiert ja gerade heftig gegen die Schwaben an der Spree. John Jacob Astor, Gründer des Hotelimperiums, kam im 19. Jahrhundert aus Waldorf in der Nähe von Heidelberg. Jetzt hat er also mit Umweg USA den Sprung nach Berlin geschafft.

Die ersten Gäste jedenfalls machten einen zufriedenen Eindruck. Bis zur Eröffnungsparty in ein, zwei Monaten wird sicherlich auch schon manch berühmtes Gesicht in einem der 232 Zimmer genächtigt haben. Fashion Week, Berlinale und ITB heißen die ersten großen Bewährungsproben.

Ein bisschen traurig bin ich allerdings nun auch. Womit soll ich Niemann bei unseren nächsten Treffen necken? Irgendwie scheint alles perfekt - vom Rauch-Verbot mal abgesehen.

Ich bin dann mal wieder unterwegs

Euer Honza