08. Februar 2010

Hotelier der Träume

Foto: Maisons de Rêves

Der französische Eventmanager Thierry Teyssier hat als Hotelier im wahrsten Sinne des Wortes seinen Traumjob gefunden: In seinen Maisons de Rêves - Häuser der Träume - verwandelt er die Wünsche seiner Gäste in traumhafte Wirklichkeit

Der Connaisseur hat den Mann der Träume in Paris getroffen.

Sie entwerfen Luxus, Sie verkaufen Luxus und Sie leben Luxus. Wann wurden Sie denn zuletzt von gutem Luxusservice richtig überrascht?

Thierry Teyssier: In einem der besten Hotels in Paris. Ich war am Abend zu einem Essen mit Geschäftsfreunden eingeladen. Nach den Hauptgängen wurden Kaffee und Tee serviert. Als mein Kaffee kam, hat mir die Dame vom Service die Tasse mit dem Griff nach links auf den Tisch gestellt. Sie hat mich beim Essen beobachtet und entdeckt, dass ich Linkshänder bin. Darauf hat sie reagiert, das finde ich großartig.

Sind es die kleinen Dinge und Gesten, die Sie für den wahren Luxus im Leben halten?

Nicht nur, als Franzose würde ich eine große Flasche Romanée Conti Jahrgang 1956 nicht vom Tisch stellen. Aber grundsätzlich? Ja, es geht um die Dinge mit Herz, die kleinen Ideen, nicht um Geld oder Materie.

Was macht Ihre Hotels zu Häusern der Träume?

Sie verändern sich mit dem Lauf der Sonne und des Mondes. Das Hotel sieht am Morgen anders aus als am Abend. Auf unserer Quinta da Romaneira in Portugal haben wir ein 400 Hektar großes Weingut mit nur 21 Suiten. Jedes Frühstück, jeder Snack, jedes Abendessen wird an einem anderen Platz im Weingut serviert. Alles ist ein Unikat.

Sie sind bei Ihren Mitarbeitern als Innendesigner gefürchtet. Warum?

Weil ich auf meinen Reisen Kunstwerke, Antiquitäten, Alltagsgegenstände kaufe, die dann in meinen Hotels Platz finden müssen. In beiden Häusern und der Zeltstadt in Marokko gibt es nur Unikate, nichts ist industriell gefertigt. Jeder Seidenvorhang, jede Tagesdecke, jeder Teppich ist einzeln ausgesucht. Ich führe ständig Zeichenbücher mit mir, wo ich alle Eindrücke, Ideen und Visionen aufzeichne. Vieles davon setze ich mit meinem Team um, vieles davon bleibt als schöne Zeichnung in meinen Tagebüchern.

Sie haben Ihre Hotels Maisons de Rêves genannt - Häuser der Träume. Ungewöhnlich für jemanden, der eine der größten Eventagenturen Frankreichs besitzt.

Warum? Auch mit meiner Agentur erfülle ich Träume. Mein Job bedingt auch, dass ich sehr viel unterwegs bin, im In- und Ausland. Dabei war ich immer erstaunt und zum Teil sehr unzufrieden, was in der Hotellerie dieser Welt alles an schlechtem Service geboten wird.

Aber zwischen Schlechtem erkennen und es selber besser machen, liegen erfahrungsgemäß Welten, vor allem dann, wenn man branchenfremd ist.

Stimmt schon, aber so schwer ist das auch wieder nicht. Ich habe ein Schlüsselerlebnis: Eines meiner Lebensziele war es immer, nach Rio de Janeiro zu fliegen und im Copacabana Palace abzusteigen. Irgendwann klappte es dann, für einen Auftrag eines großen Kunden flog ich nach Rio, um Locations zu besichtigen. Ich kam um sechs Uhr früh an, stieg im Palace aus und setzte mich auf die Terrasse mit Blick auf den Zuckerhut. Als ich den Kellner fragte, ob er mir ein Frühstück serviere, sagte er nein, das gehe nicht, ich müsse in die klimatisierte Frühstückshalle gehen. Ich stand auf und ging. Ich war richtig enttäuscht, dieser Mann hat mir einen Lebenstraum zerstört. Es wäre so einfach gewesen, mich glücklich zu machen, da muss man keine Millionen investieren.

Aus diesem Erlebnis entstand Maisons de Rêves?

Nicht ganz. Immer, wenn ich ins Büro nach Paris zurück kam, habe ich dann meine Kollegen mit solchen Storys angejammert. Bis sie mich nicht mehr ertragen konnten und sagten, ich solle es doch selber besser machen!

Lieben Sie es, sich mit scheinbar unlösbaren Problemen auseinanderzusetzen?

Lieben wäre vielleicht ein wenig übertrieben. Es hält mich fit. Als Jugendlicher ging ich einmal für ein halbes Jahr nach Australien. Ich sprach kein Wort Englisch, hatte keine Kontakte. Und es war eine meiner besten Zeiten.

Jetzt sind Sie ein Familienmensch, Vater von vier Kindern. Wie lässt sich das mit Ihren vielen Reisen vereinbaren?

Ich lebe nach einem sehr strukturierten Zeitplan, da ist die Familie nicht nur als Termin mit dabei, sondern mitten drin. Und ich habe den Vorteil, dass ich mir mittlerweile viele Hotels ansehe, um meine eigenen zu verbessern. Da ist meine Familie mit an Bord.

Welchen Rat geben Sie Ihren Kindern mit auf den Weg?

Das ist einfach. Es sind keine Ratschläge, sondern Erlebnisse, die sie prägen sollen. Etwa unser Urlaub auf Madagaskar.

Urlaub auf Madagaskar?

Wir waren zu Silvester 2007 dort. Nach einem wunderbaren Tag am Strand trafen wir den Hoteldirektor und schwärmten ihm vor, wie schön es hier sei. Der Direktor verstand sein Geschäft. Mit großen Gesten sagte er uns, dass er für meine Frau, meine Kinder und mich, und zwar nur für uns allein, die Zeit für eine Stunde anhalten würde, damit unser Tag 25 Stunden hat. Das tat er auch, wir bekamen eigenes Personal, dass uns, um eine Stunde zeitversetzt, durch den Silvester-abend begleitete. Das war zauberhaft. Ein Maison de Rêves, obwohl es nicht mir gehört.

Darf man solche Gesten kopieren?

Ja, man darf, wenn man damit Gutes tut.

Sie haben Häuser der Träume, aber wo sind Sie zuhause?

In Paris. Meine Lebensstadt. Gäbe es hier noch einen Strand, würde ich mich gar nie wegbewegen.

Haben Sie schon eine tieferen Sinn in Ihrem Wirken ausgemacht?

Menschen glückliche Momente zu bereiten. Von diesen Momenten zehrt man ein ganzes Leben lang. Sie halten einen über Wasser, wenn es einem nicht gut geht.

 

Liebe Grüße aus Paris

Ihr Connaisseur Robert Kropf

Die Kolumne Der Connaisseur